Ein Krimi mit besonderem Schauplatz auf See. Detailreich erzählt, manchmal etwas lang, aber mit spannender Auflösung.
Inhalt: Vor der französischen Atlantikküste, nahe der Hafenstadt La Rochelle, kommt es auf einem Installationsschiff für Offshore Windkraftanlagen zu einem Todesfall. Zunächst wirkt alles wie ein tragischer Unfall bei der Arbeit auf See. Doch schnell wird klar, dass mehr hinter dem Vorfall steckt und aus dem vermeintlichen Unglück ein Mordfall wird. Commissaire Clément Chevalier und sein Team übernehmen die Ermittlungen. Der ungewöhnliche Tatort macht ihre Arbeit allerdings nicht leichter. Das Schiff befindet sich weit draußen auf dem Meer und die Zahl der möglichen Verdächtigen ist begrenzt, denn niemand konnte das Schiff unbemerkt verlassen. Gleichzeitig wird schnell deutlich, dass das Opfer bei vielen nicht besonders beliebt war. Während die Ermittler versuchen, die Abläufe an Bord zu rekonstruieren, geraten immer mehr Personen ins Visier. Hinter den Fassaden der Crew verbergen sich Geheimnisse, Konflikte und mögliche Motive. Schritt für Schritt setzt sich das Puzzle zusammen, doch die Wahrheit erweist sich als komplexer als zunächst gedacht. Eigene Meinung: Der Schreibstil von Jean Claude Vinet ist sehr detailreich und teilweise auch technisch geprägt. Das liegt vor allem daran, dass ein großer Teil der Handlung auf einem Montageschiff stattfindet, auf dem Windkraftanlagen installiert werden. Die Abläufe und Gegebenheiten an Bord werden sehr ausführlich beschrieben. Grundsätzlich hat mir der Schreibstil gut gefallen, weil die Landschaften und Szenen sehr bildlich dargestellt werden. Besonders die Beschreibungen rund um La Rochelle und die Küstenregion haben mir richtig gut gefallen. Beim Lesen hatte ich teilweise das Gefühl, selbst dort zu sein. Die Atmosphäre des Meeres, die Küste und das Leben in der Region wurden so lebendig geschildert, dass ich mich fast wie im Urlaub gefühlt habe. Die vielen Details sorgen allerdings stellenweise auch für kleinere Längen. Gerade die technischen Passagen rund um das Schiff oder die Anlagen können etwas ausschweifend wirken. Dennoch tragen sie dazu bei, dass das Setting sehr authentisch wirkt. Sehr gut gefallen hat mir auch Commissaire Chevalier. Er war mir von Anfang an sehr sympathisch. Durch die Mischung aus Polizeiermittlungen und privaten Szenen konnte ich ihn gut kennenlernen. Die kleinen Andeutungen zu seiner Vergangenheit haben bei mir dafür gesorgt, dass ich neugierig geworden bin und nun gerne erfahren möchte, was genau passiert ist und welche Entwicklungen uns in den nächsten Bänden noch erwarten. Auch die Zusammenarbeit innerhalb seines Teams fand ich sehr gelungen. Die Ermittler wirken sympathisch und offen, arbeiten gut zusammen und ergänzen sich bei den Ermittlungen. Man merkt, dass sie sich aufeinander verlassen können und sich gegenseitig unterstützen, was der Geschichte eine angenehme Dynamik verleiht. Der Kriminalfall selbst konnte mich ebenfalls überzeugen. Besonders gut gefallen hat mir, dass lange unklar bleibt, wer hinter den Morden steckt und wie alles miteinander zusammenhängt. Immer wieder ergeben sich neue Verdächtige oder mögliche Motive, sodass ich beim Lesen ständig mitgerätselt habe. Genau diese Ungewissheit hat die Spannung bis zum Ende aufrechterhalten. Fazit: „Trügerisches La Rochelle“ ist ein spannender Krimi mit einem ungewöhnlichen Setting auf hoher See. Die detailreichen Beschreibungen sorgen für eine spannende Atmosphäre und machen Lust auf die französische Atlantikküste. Trotz einiger längerer Passagen überzeugt der Roman vor allem durch seine spannende Ermittlungsarbeit, sympathische Figuren und eine rätselhafte Handlung bis zum Schluss. Wer Krimis mit besonderem Schauplatz und einem starken Ermittlerteam mag, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.


