30. Mai
Bewertung:3.5

Wir in 10 Jahren von Jessica Stanley Was passiert eigentlich nach dem Happy End? Genau dieser Frage widmet sich Jessica Stanley in Wir in 10 Jahren. Als Coralie nach London zieht, um sich dort ein neues Leben aufzubauen, begegnet sie Adam. Einem geschiedenen Journalisten und Vater einer kleinen Tochter. Zwischen den beiden funkt es sofort, sie verlieben sich, ziehen zusammen und gründen eine Familie. Doch die Geschichte endet nicht mit dem klassischen Happy End. Stattdessen begleitet der Roman Coralie und Adam durch die nächsten zehn Jahre ihres gemeinsamen Lebens. Mit all den Höhen, Tiefen, Herausforderungen und Veränderungen, die eine lange Beziehung mit sich bringt. Neben prägenden Ereignissen wie Brexit, politischen Umbrüchen und der Pandemie erzählt die Autorin von Liebe, Familienleben, Mental Load und dem ständigen Versuch, allen Rollen gleichzeitig gerecht zu werden. Besonders Coralie steht dabei immer Mittelpunkt. Als Partnerin, Mutter, Stiefmutter, Schwester, Tochter und Frau mit eigenen Träumen. Wie man es aus dem Leben kennt. Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte ist warmherzig, authentisch und echt erzählt. Die Figuren wirken unglaublich real. Besonders Coralies Gedanken und Gefühle werden nachvollziehbar dargestellt, sodass man sich gut in sie hineinversetzen kann. Für Ehefrauen und Mütter vielleicht nochmal mehr ♥️ Trotzdem hat mich das Buch nicht vollständig mitgerissen. Die Handlung entwickelt sich eher ruhig und konzentriert sich stark auf den Alltag der Figuren. Was nicht negativ klingen soll, nur hat es mich nicht richtig gepackt. Dadurch fiel es mir manchmal schwer, wirklich am Ball zu bleiben. Mir war’s auch einfach zu viel Politik und Corona. Aber auch das ist natürlich das echte Leben.. Erst im letzten Teil konnte mich die Geschichte wieder abholen, und das Ende hat mir gut gefallen. ✨ Ein ehrlicher Roman über das Leben nach dem Verlieben, über die Herausforderungen von Familie und Partnerschaft. Ruhig erzählt und authentisch. Ich mochte die Sprecherin sehr! Danke an Isabel Kluth!

Wir in zehn Jahren
Wir in zehn Jahrenvon Jessica StanleyDuMont Buchverlag
15. Mai
Bewertung:4

BEWERTUNG 👍 „Aber wenn sie liebte, würde sie sich nie ganz. Mutter, Schriftstellerin, Angestellte, Schwester, Freundin, Bürgerin, Tochter, (Quasi-) Ehefrau. Wenn sie nur eins davon wäre, käme sie vielleicht klar. Wenn sie versuchte, alles auf einmal zu sein, war sie, wie sie feststellte, nichts davon.“ Seite 7 INHALT Und plötzlich hat es Zoom gemacht! Coralie und Adam treffen sich und verlieben sich hals über Kopf. Coralie ist eine junge, berufstätige Frau - und gleichzeitig noch Stiefmutter von Adams Tochter Zora. Adam ist Autor und verbringt seine Zeit fast ausschließlich damit, zu schreiben. Anschließend begleiten wir in dem Buch beide für 10 Jahre ihrer Beziehung. Dieses Buch ist kein klassischer Liebesroman, sondern zeigt was passiert, wenn Stress und Alltag dazukommen. Es zeigt, was passiert, wenn sich Rollen innerhalb der Beziehung verändern. „Sie hatten sich versöhnt, sie waren verliebt, aber Coralie hatte das alles so mitgenommen, dass sie den Eindruck hatte, sie hätte einen Teil ihres Willens verloren. Und zwar den Teil, den sie eigentlich am liebsten mochte, den umgänglichen Teil, der den Rest von ihr mit Beobachtungen, geistreichen Bemerkungen und Analysen erheiterte und sich zudem auch für gelegentliche Kopfzerbrechen verantwortlich zeigte.“ Seite 111 EINDRUCK UND FAZIT Ich mochte das Buch gern! Eine klassische Liebesgeschichte ist nicht so mein Ding - diese hier aber schon. Eben weil sie genau das nicht ist. Coralie fand ich unglaublich authentisch gezeichnet. Eine Frau (wie du und ich) zwischen Job und Carearbeit. Zwischen Wünschen und Alltag, zwischen Erschöpfung und Leere. Ich konnte mich gut mit ihr identifizieren. Spannend fand ich auch die veränderte Beziehung, nachdem man die rosarote Brille abgenommen hat. Das Buch ist erschreckend echt, die Streitigkeiten über Belangloses kennen wir wohl alle. Ein Roman über moderne Beziehungen, wie wir sie erleben (ohne kitschig und romantisiert zu werden). Ein sehr gelungener Roman!

Wir in zehn Jahren
Wir in zehn Jahrenvon Jessica StanleyDuMont Buchverlag
12. Mai
Bewertung:5

„Mutter, Schriftstellerin, Angestellte, Schwester, Freundin, Bürgerin, Tochter, (Quasi-)Ehefrau. Wenn sie nur eins davon wäre, käme sie vielleicht klar.“ (S. 343) Gehört das Happy End vielleicht eigentlich an den Anfang? Weil es den Prozess des Kennenlernens und Zueinanderfindens abschließt. Glücklich startet man in das gemeinsame Leben – und was dann folgt, ist oft gar nicht mal so happy, sondern vor allem harte Arbeit. Jessica Stanley erzählt in "Wir in zehn Jahren" genau davon. Wie Coralie und Adam sich ineinander verlieben und in Coralie der Wunsch nach eigenen Kindern wächst. Adam hat bereits eine Tochter. Zudem ist er ein erfolgreicher Politikjournalist. Noch so etwas, auf das Coralie nicht ohne Neid blickt. Das gemeinsam Glück des Patchworklebens lässt lange auf sich warten, doch es bleiben dunkle Flecken, die auch die Liebe nur schwer polieren kann. Während Adam in seiner Arbeit aufgeht und immer nach dem nächsten Erfolg jagt, kämpft Coralie zwischen Kindern, Care-Arbeit und Vollzeitjob zunehmend darum, sich selbst nicht zu verlieren. Das, was sie sich ursprünglich mal erträumt hatte, verwandelt sich zunehmend in eine frustrierende Last aus Mental Load. Wie soll sie nicht wütend werden, wenn die täglichen Routinen sie auffressen, während sich Adam jeden Tag in ein neues berufliches Abenteuer wirft? Wie soll sie wohlwollend auf ihn blicken und aus dem gemeinsamen Zuhause eine Oase der Regeneration machen, wenn dieses Zuhause für sie selbst längst zum Treibsand geworden ist? Der Roman erzählt mit Präzision und erschreckend viel Wiedererkennungspotenzial vor allem davon, wie schnell Frauen hinter ihrer Mutterrolle verschwinden. Schwangerschaft, schlaflose Nächte, Überforderung und Erschöpfung treten in "Wir in zehn Jahren" an gegen Wahlkampf, Brexit, Tories und Labour. Kinderkacke vs. Weltpolitik. Besonders stark fand ich, wie Stanley die feinen Alltagsrisse einer Beziehung beschreibt, die sich über Jahre hinweg immer weiter vertiefen, bis das gemeinsame Fundament zu kollabieren droht. Am Ende des Romans möchte ich meinen Kopf erschöpft auf eine Tischplatte knallen. Ich spüre, wie Coralies Energie nicht nur ihren, sondern auch meinen Körper verlassen hat. Doch kurz vor dem finalen Zusammenbruch, laut um Hilfe zu schreien, kann vielleicht die Lösung sein. Dann ist nach dem ersten Happy End vielleicht ein zweites möglich. Eines, das nicht auf romantischen Vorstellungen basiert, sondern darauf, sich selbst wiederzufinden. „Sie war im Geiste davongeschwebt. Ein Geist in ihrem eigenen Leben. Um ein Haar wäre sie für immer davongeschwebt.“ (S. 357)

Wir in zehn Jahren
Wir in zehn Jahrenvon Jessica StanleyDuMont Buchverlag