18. Feb.
Bewertung:4

Die Geister der Vergangenheit

Geisterdämmerung von Kevin Chen ist ein taiwanischer Roman über die Geschwister einer kinderreichen Familie, die alle in gewisser Weise und jedes Kind auf deren Art im Erwachsenenalter (so es denn erreicht wurde) eine schwere Last mit sich trägt. Ich habe nach kleinen Startschwierigkeiten gut in die Geschichte hineingefunden und mich gut unterhalten gefühlt. Manches klang für mich so unglaublich und überzogen, dass ich auch viel schmunzeln musste. Alles in allem ist hier aber keine Komödie zu erwarten. Ich denke, dass Kevin Chen mit seinem spielerischen Roman auch Kritik an der vorherrschenden Kultur und den Traditionen äußert. Es wird zum Beispiel die Geburtsreihenfolge aufgeschlüsselt. Die älteren vier Mädchen der Familie bekommen regelmäßig auch bis ins Alter widergespiegelt, dass sie nicht mehr sind als ein Statussymbol für künftige Ehemänner. Alle Frauen gehen unterschiedlich mit diesen Erfahrungen um, was auch eine große Vielfalt an Vorbildern darstellt. Für die Eltern seien sie nicht von Wert. Im Fokus der Geschichte steht der jüngste Sohn der Familie, der durch seine Homosexualität auch nicht die von den Eltern gewünschte Ehre und Würde in die Familie bringt. Ein weiterer spannender Aspekt der Geschichte ist sicherlich die namensgebende Geisterdämmerung. Durch verschiedene Beispiele wird der kulturelle/traditionelle Glaube an Geister und die Bedeutung im Alltag beleuchtet. Unter anderem gespickt mit lustigen Anekdoten. Ein Roman, den ich gerne weiterempfehle.

Geisterdämmerung
Geisterdämmerungvon Kevin ChenMatthes & Seitz Berlin