3. Feb.
Bewertung:3.5

Kompliziert und unheimlich klug geschrieben

Dieser autobiografische Roman war wirklich alles andere als leicht zu lesen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich durch große Teile durchboxen musste, um das große Ganze beurteilen zu können. Es geht vor allem, um die langatmige sowie toxische On-Off Beziehung aus Sicht der Protagonistin. Auf komplizierte Art und Weise lässt sie uns an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben bis ins anstrengendste Detail. Dabei dreht es sich sehr lange nur um eines: Ihre Liebe zu Vera und wie sie, von ihr wieder und wieder verletzt, gedemütigt und enttäuscht wird. In der 2. Hälfte bekommt der Roman endlich etwas Spannung und die Protagonistin mehr Facetten. Im beginnenden Krieg zwischen der Ukraine und Russland fühlt sie sich zwischen den Stühlen. Das Verhältnis zu Vera bleibt kompliziert, aber rückt in den Hintergrund, während die Beziehung zu ihrem Vater bedeutender wird. Beide Beziehungen sind geprägt von (politischen) Streitgesprächen, die sich mit Zeichen der Fürsorge und Liebe abwechseln, was die Frage aufwirft, was es bedeutet wirklich zu vergeben. Ein bemerkenswertes Werk, das mich die unangenehme und zähe Abhängigkeit zweier Menschen hat spüren lassen, allein durch die Erzählstruktur. Verziert mit kunstvoller Sprache, philosophischen Gedanken und einer Menge Liebe zum Detail. Ganz anders und nichts für zwischendurch, aber dafür unheimlich klug geschrieben und definitiv lesenswert.

Ich ertrinke in einem fliehenden See
Ich ertrinke in einem fliehenden Seevon Anna MelikovaMatthes & Seitz Berlin