11. Mai
Bewertung:3.5

Polina Daschkowas Roman „Die leichten Schritte des Wahnsinns" erschien 1996 in Moskau, mitten im chaotischen Nachhall des sowjetischen Zusammenbruchs. Auch wenn das schon länger her ist, bleibt das Buch ein interessantes Werk der zeitgenössischen russischen Literatur, das die Komplexität des Übergangs von der Sowjetunion zum postsowjetischen Russland durch die Linse eines individuellen Schicksals betrachtet. All die absurden Entwicklungen, Oligarchen, Demokratie bleibt unbekannt, Bestechung, Mafia-Gewalt, etc. werden gezeigt. Der Titel selbst ist damit eine treffende Metapher – der „Wahnsinn" schreitet nicht mit großen Schritten, sondern leise und unaufhaltsam voran, genau wie die Veränderungen in der Gesellschaft. Polina Daschkowa hat hier keinen Thriller geschrieben, sondern eine psychologische Landkarte des modernen Russlands. Und wie bei allen guten Landkarten gilt: Sie zeigt nicht nur, wo man ist, sondern auch, wie man dorthin gelangt ist – oft ohne es richtig zu merken. Lesenswert für Liebhaber russischer Literatur oder auch Historiker der Zeitgeschichte.

Die leichten Schritte des Wahnsinns
Die leichten Schritte des Wahnsinnsvon Polina DaschkowaAufbau TB