Ein spannendes und aufschlussreiches Buch über einen SED-Funktionär in der DDR, der zwischen Parteilinie, eigenen Ideen und gesellschaftlichen Problemen hin- und hergerissen ist. Scherzer schreibt mit Humor, Scharfsinn und Empathie. Ein Buch, das zum Nachdenken und Diskutieren anregt.
Ich habe "Der Erste" von Landolf Scherzer vor vielen Jahren gelesen und war sehr beeindruckt von diesem Buch. Es ist eine spannende und aufschlussreiche Reportage über das Leben und Wirken eines SED-Funktionärs in der DDR, der sich mit den Herausforderungen und Widersprüchen des real existierenden Sozialismus konfrontiert sieht. Scherzer begleitet den 1. Sekretär der SED-Kreisleitung Bad Salzungen, Hans-Dieter Fritschler, vier Wochen lang bei seinen täglichen Aufgaben, Besprechungen, Reisen und Begegnungen mit den Menschen in seinem Kreis. Er zeigt, wie Fritschler versucht, die Parteilinie umzusetzen, aber auch eigene Ideen und Initiativen entwickelt, um die Probleme vor Ort zu lösen. Dabei kommt er immer wieder in Konflikt mit den Vorgaben von oben, den Erwartungen der Bevölkerung und seinen eigenen Überzeugungen. Das Buch ist nicht nur eine faszinierende Innenansicht des Parteiapparats der SED, sondern auch ein lebendiges Porträt eines Menschen, der sich in einer Zeit des Wandels und der Krise befindet. Scherzer schreibt mit einem scharfen Blick für die Details, einem feinen Gespür für die Atmosphäre und einem humorvollen Ton, der die Absurditäten und die Menschlichkeit des Systems offenbart. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich für die Geschichte und die Gesellschaft der DDR interessiert, oder einfach eine gute Reportage lesen möchte. Es ist ein Buch, das zum Nachdenken und Diskutieren anregt, und das einen Einblick in eine Welt gibt, die heute fast vergessen ist.

