2. Jan.
Bewertung:5

Story: Der zwölfjährige, introvertierte Alan hat es nicht leicht – in der Schule ist er ein Außenseiter und hängt vorwiegend mit dem durchgeknallten Zack und dem übergewichtigen Besserwisser Madison herum; sein Vater ist kalt, boshaft und sehr darauf bedacht nach außen hin perfekt zu wirken, und sein älterer Bruder Nathan hasst Alan und lässt keine Gelegenheit aus ich zu schikanieren. Zu allem Überfluss muss Alan sich eingestehen, dass er schwul ist, als er sich in seinen Klassenkameraden Connor verguckt. Als Nathan davon Wind bekommt, erpresst er Alan und zwingt ich zu einem gemeinsamen Spiel – Alan muss sieben schier unmögliche Aufgaben bewältigen, ansonsten will Nathan jedem von Alans Homosexualität erzählen. Um nicht zwangsgeoutet zu werden, setzt Alan alles daran, die Aufgaben zu bewältigen – und erkennt dabei, dass er nicht nur treue Freunde hat, sondern endlich zu sich selbst stehen muss … Eigene Meinung: Bei dem Kinderbuch „Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knicken“ handelt es sich um das Debüt von Eric Bellund erschien 2017 unter dem Titel „Alan Cole Is Not a Coward“ in den USA. Die Geschichte um Alan wird im Herbst 2018 in dem Buch „Alan Cole Doensn’t Dance“ fortgesetzt und soll direkt an den ersten Teil anschließen – bleibt zu hoffen, dass auch dieses Buch vom Fischer Verlag übersetzt wird. Im Zentrum der Geschichte steht der zwölfjährige, künstlerisch begabt Alan Cole, der in sehr zerrütteten Familienverhältnissen lebt und nur selten aus sich herausgeht. Er bleibt zumeist stumm, hält sich und seine wahren Gedanken und Gefühle zurück und lässt die meisten Dinge klaglos über sich ergehen. Sei es sein Vater, der niemanden zu lieben scheint und sein Heim mit verbaler Gewalt und Kälte beherrscht oder sein älterer Bruder Nathan, der Alan zu verachten scheint, seinen Zorn und seine Aggressionen an ihm auslässt und ihn auch körperlich angeht – Alan duckt sich weg und hofft, dass man ihn einfach in Ruhe lässt. Dass er homosexuell ist, macht die Sache nicht besser, denn nichts fürchtet er mehr, als geoutet zu werden. Trotz der teilweise erschreckenden Grundlage, die der Autor für seinen Hauptcharakter festgelegt hat, verströmt die Geschichte eine positive, aufmunternde Atmosphäre, was vor allem an der Veränderung liegt, die Alan durchläuft. Innerhalb einer Woche reift er spürbar, entwickelt sich weiter und findet endlich Selbstvertrauen, Freunde und den Mut, zu sich selbst zu stehen. Eric Bell versteht es, wichtige Themen – (Selbst)Akzeptanz, Gewalt in Familien, Freundschaft und Vielseitigkeit – miteinander zu verbinden und trotz aller brutaler Momente kindgerecht zu vermitteln. Er regt mit seinem Debüt zum Diskutieren über häusliche Gewalt, Mobbing, Homosexualität an – etwas, was man durchaus schon mit Kindern ab 11 Jahren (Altersempfehlung des Verlags) tun kann. Die Charaktere sind sehr gut in Szene gesetzt und wirken authentisch und in sich schlüssig. Alan ist ein stiller, zurückhaltender Junge, der ungern im Mittelpunkt steht und kein Problem damit hat, am „Wackeltisch“ bei den Außenseitern zu sitzen. Er findet während des Spiels gegen seinen Bruder Nathan immer mehr zu sich selbst und entwickelt eine Stärke, die man ihm am Anfang nicht zugetraut hätte. Schön ist, dass er diese positive Entwicklung auch auf seine Freunde überdreht – Madison beginnt ebenfalls aus sich herauszugehen und sich aufgrund seines Aussehens fertig machen zu lassen und Zack offenbart wie loyal und ehrlich er im Grunde ist – denn er ist der Einzige, der immer er selbst ist, ganz gleich was andere sagen. Auch die übrigen Figuren sind gut umgesetzt – sei es Alans Vater, dem man nur wenig Sympathien entgegenbringen kann oder Nathan, der wirklich furchtbar hasserfüllt ist. Eric Bell führt zwar Gründe an, warum die beiden so sind, wie sie sind, doch hier hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht – gerade was Nathan betrifft. Vielleicht baut der Autor dies in Band 2 ja weiter aus und gibt mehr Einblicke in die Hintergründe der Familie. Stilistisch gibt es nichts zu bemängeln – Eric Bell hat einen sehr schönen, lebhaften und humorvollen Schreibstil, der sich gut lesen lässt. Auch Kinder sollten damit keine Probleme haben, denn der Autor verpackt die Themen kindgerecht und lockert vieles durch Alans Gedanken auf, die sich mal ernst, mal humorvoll mit den Ereignissen beschäftigen. Gleichzeitig nimmt Eric Bell kein Blatt vor den Mund, wenn es um Alans Probleme mit seinem Bruder und seinem Vater geht – er beschreibt offen und direkt, was Alan alles über sich ergehen lassen muss. Das ist für Kinder natürlich harter Tobak, doch gleichzeitig eine passende Basis für gemeinsame Gespräche über derartig ernste Themen. Fazit: „Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knicken“ ist ein Kinder- und Jugendbuch, das in vielfacher Hinsicht aus der breiten Masse hervorsticht und eine Menge ernster, wichtiger Themen behandelt, die man durchaus auch einem 11-jährigen Kind vorsetzen kann. Eric Bell erzählt eine bittersüße Geschichte über Akzeptanz, Mut und Freundschaft, schafft sympathische, authentische Charaktere, die man gerne begleitet und bleibt trotz aller schrecklicher Ereignisse mutmachend und aufbauend. Eric Bell ist mit seiner angenehmen, humorvollen Sprache ein wahres Kunststück gelungen, denn kaum einem gelingt es solch schwierige Themen wirklich kindgerecht und mit der notwendigen Sensibilität zu verpacken. „Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knicken“ ist auf jeden Fall zu empfehlen – gerade, weil es im Kinderbuchbereich nur sehr wenige Bücher gibt, die das Thema Homosexualität aufgreifen und behandeln.

Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knicken
Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knickenvon Eric BellFischer Sauerländer
23. Sept.
Bewertung:4

Inhalt: Alan Cole ist zwölf Jahre alt. Er geht in die siebte Klasse auf der Evergreen. In der Pause teilt er sich den Wackeltisch der Cafeteria mit seinen nerdigen Mitschülern Zack und Madison. Zu Hause erwartet Alan sein dominanter Vater. Sein Wort ist Gesetz. Er macht sich unglaublich viele Gedanken darüber, wie er bei anderen außerhalb der Familie ankommt und was die anderen wohl von ihm halten könnten. Harte Strafen sorgen dafür, dass die Familie seinem Willen nachkommt. Und dann gibt es da noch Nathan, Alans Bruder, der Alan das Leben schwer macht, wo es nur geht. Alan verfolgt eine strikte „Keine-Freunde-Strategie“, denn er weiß, dass Nathan ihm jeglichen Freund vergraulen würde. Sein größtes Geheimnis, seine heimliche, homosexuelle Liebe zum begehrten Sport-Ass der Schule Connor, hütet er wie einen großen Schatz. Nachdem Nathan Alans Computerpasswort herausfindet, konfrontiert er ihn mit seinem Geheimnis. Er wird dieses künftig als Druckmittel einsetzen. Auf seine Initiative hin treten die Cole-Brüder daraufhin in einen Wettstreit. Beim Wettstreit Cole gegen Cole geht es darum herauszufinden, wer der bessere Cole-Bruder ist. Sieben fiese Aufgaben muss Alan erfüllen. Gelingt ihm das, so verspricht Nathan Stillschweigen. Bricht er jedoch vorzeitig ab oder löst er die Aufgaben nicht bis zum Ablauf der gesetzten Frist, dann wird jeder an der Schule und auch die Eltern erfahren, dass Alan Jungs liebt. … Der Wettstreit hat begonnen. Schreibstil: In Eric Bells Roman „Dieses Leben gehört: Alan Cole (Bitte nicht knicken)", geht es um einen Jungen namens Alan, der in einer schwierigen familiären Situation aufwächst. Der Vater tyrannisiert die Familie, wo er nur kann. Alles was geschieht, muss seinem Willen entsprechen. Morgens übt er mit den Söhnen am Tisch die Worte, die sie beim nächsten Firmenessen aufsagen müssen. So soll Alan zum Beispiel vorgeben, gut im Sport zu sein. Dabei gilt Alans Liebe doch der Kunst. Etwas, was der Vater nie dulden würde. Selbst die Mutter muss sich dem Willen des Vaters unterordnen. Abwasch ist Frauensache. Die Söhne dürfen ihr nicht dabei helfen. Kein Wunder also, dass Nathan seinem Frust Luft machen muss. Alan, der keiner Fliege etwas zu Leide tun könnte, der lieber den Kopf einzieht, als seinen Widersachern die Stirn zu bieten, ist da das perfekte Opfer. So muss Alan die Schikanen des Bruders über sich ergehen lassen. Nathan ist auch der Grund, warum Alan beschließt keine Freunde haben zu wollen. Er weiß, dass Nathan in der Lage und gewillt ist, diese zu vergraulen. Auch Zack und Madison zwei absolute Nerds der Schule, die sich in der Mittagspause den Wackeltisch mit Alan teilen, möchte er am liebsten nicht näher an sich heranlassen. Dieses Vorhaben scheint aber fast unmöglich. Als Nathan den Cole gegen Cole Wettstreit ins Leben ruft, kann Alan jede Hilfe gebrauchen. Außerdem sind Zack und Madison auch zwei Jungs, die sich nicht so schnell abwimmeln lassen. Eric Bell gelingt es mit seinem Roman sehr außergewöhnlichen Charakteren Leben einzuhauchen. Der Protagonist Alan ist ein Junge mit einem großen Herz, der es unter der Herrschaft des Vaters und den Schikanen des Bruders nicht leicht hat. Und dennoch geht er seinen Weg. Er behält seine positive Weltsicht. Nicht selten stolpert Alan von einem Desaster ins nächste. So rutscht ihm ungewollt ein Satz heraus, den er vielleicht besser hätte nicht sagen sollen. Auch seine Handlungen sind nicht immer bis ins Letzte durchdacht. So besagt eine Aufgabe, die Nathan ihm stellt, dass Alan den Gegenstand aufgeben soll, der ihm am meisten bedeutet. Alan verschenkt kurzerhand seine Glücksunterhose an einen Mitschüler. Etwas, was vermutlich die wenigsten getan hätten und etwas, was, so kann man sich vielleicht vorstellen, für die ein oder andere humorvolle bzw. skurrile Situation sorgt. Zack und Madison, die beiden Mitschüler von Alan, sind ebenfalls sehr speziell. Madison wird von seiner Mutter stets daran erinnert, dass er ein paar Kilos zu viel wiegt und weiß eine Menge. Zack hingegen ist überraschend, unvorhersehbar und eigenwillig. Auch, wenn seine Vorschläge oft nicht realistisch bis ins Detail sind, so sind sie stets assoziativ und phantasievoll. Zack war es, der bei mir sehr oft ein Lächeln auf die Lippen gezaubert hat. Spannung zieht dieser Roman aus der Frage, ob es Alan gelingen wird, die Aufgaben zu lösen, die Nathan ihm gestellt hat. Auch das Thema Coming-Out nimmt einen Part in diesem Roman ein. Aber auch die Frage, ob es Alan gelingen wird, aus dem familiären Schema, bei dem der Vater und Nathan ganz klar die Oberhand haben, auszubrechen, möchte man geklärt wissen. Fazit: "Dieses Leben gehört: Alan Cole (Bitte nicht knicken)" ist ein Buch mit einer Fülle von skurrilen, komischen Figuren und Situationen. Dass durch Schweigen die Traumata von Generation zu Generation weitergegeben werden, da das erlebte Schicksal nie an die Oberfläche der Sprache gelangen kann und somit immer und immer wieder aufs Neue verdrängt werden muss, zeigt Eric Bell auf eindrückliche Weise. "Dieses Leben gehört: Alan Cole (Bitte nicht knicken)" ist ein lebensbejahendes und positives Buch aus der Sicht eines Jungen, der sein "Anders-Sein" in einer Mischung aus Naivität und aufgeklärt-zurückgelehnter Abgeklärtheit erlebt. Alan bleibt immer hilfsbereit und gutmütig und stellt damit diejenigen, mit denen er es zu tun hat, umso deutlicher bloß. Der Roman ist keine leichte Kost, was jedoch mehr auf die Thematik zurückzuführen ist. Schule ist hier der Ausgangspunkt, um Themen wie Gemeinschaft, Zugehörigkeit, Schuld, aber auch Macht, Dominanz und gesellschaftliche Fesseln zu vergegenwärtigen. Ein Buch, welches ich daher ganz besonders auch jüngeren Lesern empfehlen möchte.

Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knicken
Dieses Leben gehört: Alan Cole – bitte nicht knickenvon Eric BellFischer Sauerländer