13. März
Bewertung:4

Camembert und Krise

Zunächst einmal muss gesagt werden, das ich es liebe kurze Urlaube in Frankreich zu verbringen. Nicht zuletzt treibt mich das gute Essen und die entspannte Atmosphäre immer wieder gerne dorthin. Und genau das ist mein verklärter Blick durch die deutsche Touristenbrille auf ein Land, das mir sehr gefällt von dem ich aber gar nicht wirklich so viel weiß. Nadja Pantel hat da als Halbfranzösin natürlich einen viel besseren Einblick und so kann sie uns Lesern viele Gegebenheiten nahebringen und sehr oft hat das auch mit dem Essen und der Esskultur zu tun. Die Themen sind bunt gemischt ob es um die Erziehung der Kinder geht und deren Verhältnis zum Essen, das sich schon in jungen Jahren von dem deutscher Kinder zu unterscheiden scheint oder um die Ausschreitungen in den Vororten von Paris oder um die Menschen in den schwach besiedelten Gebieten. Frau Pantel beschreibt und erklärt die Situation ohne wertend zu sein. Ich habe viele neue Einblicke bekommen und Erkenntnisse gewonnen, Dinge die ich so nicht vermutet hätte. Vor Allem über die nördlichen Gebiete Normandie und Bretagne. Ich hätte nie gedacht und habe es als Urlauber auch nie so gespürt, dass diese Menschen in Frankreich keine Stimme haben, ja quasi ungesehen sind. Diese Thematik wird zum Beispiel am Phänomen der Camembertherstellung veranschaulicht. Das Buch nähert sich auch politischen oder gesellschaftlichen Problemen auf eine humorvolle Art und meistens kommt der kulinarische Genuss nicht zu kurz. Trotzdem macht es den Leser offen und neugierig sich auch ernsthaft mit den Themen auseinander zu setzen. Mich hat das Thema der „Gelbwesten“ tiefer bewegt und ich werde mich auch literarisch damit eingehender beschäftigen. Wer die Frankreich Klischees ablegen möchte und einen 2. Blick ohne rosarote Brille wagen will, dem sei dieses Buch sehr empfohlen.

Das Camembert-Diagramm
Das Camembert-Diagrammvon Nadia PantelRowohlt Berlin