12. Juni
Gelungener Auftakt
Bewertung:4

Gelungener Auftakt

"Ich schreibe diese Zeilen, ohne sehen zu können - weder mit den Augen, noch mit dem Glauben. Wäre es anders, würde ich erkennen, welche Auswirkungen meine Taten haben werden." Seit Lupin bin ich ein Fan von Gentleman-Gauner-Geschichten und seit Locke Lamorra noch viel mehr. Daher stand es außer Frage, dass auch Tyler Whitesides' "Die tausend Leben des Ardor Benn" Einzug in mein Bücherregal halten musste. (Übersetzt aus dem Englischen von Bastian Ludwig.) "Ich bin nicht frei von Zweifeln, aber ich bin überzeugt, sich ihnen zu stellen, enthüllt einem die Wahrheit." Ardor Benn ist ein überaus gerissener und ehrgeiziger Gauner, der wirklich viel von sich hält. Schließlich ist er der Meister von List und Tücke - und dieser Titel ist ihm auch ungemein wichtig. Je schwieriger und komplizierter ein Coup ist, umso mehr stachelt er Ardors Ehrgeiz an. Immer an seiner Seite: Raekon, sein bester Freund seit Kindertagen. Als der Priester Halavend auf Ardor zukommt und ihm einen unglaublichen und nie dagewesenen Coup vorschlägt, ist Ardor Feuer und Flamme. Denn dieser Job ist eine Herausforderung, die man nur einmal im Leben bekommt und bringt einen ganz besonderen Nervenkitzel mit sich. Er ist riskant und könnte durchaus tödlich enden, denn er soll die Insignien des Königs stehlen. Von dem Gelingen dieses Coups hängt nicht nur das Leben von Ardor und seiner Crew ab, sondern auch das der gesamten Menschheit ... "Je mehr sich das Ende meines Auftrags nähert, desto mehr denke ich über die Entscheidungen nach, die mich bis zu diesem Punkt geführt haben. Doch ich erwehre mich auch des kleinsten Gefühls der Reue. Im Moment ist kein Platz für so etwas." Diese Geschichte war ein richtiger Spaß. Wir bekommen einen gut durchdachten Plan mit einer von langer Hand geplanten Maskerade. Ein auf chemische Reaktionen und Drachenmalm basierendes Magiesystem, und damit natürlich auch Drachen. Außerdem gibt es einen Verrat, der uns lange beschäftigt und uns manchmal in die Irre führt, wenn es darum geht herauszufinden, wer der Verräter unter Ardors Leuten ist. Und zum Ende bekommen wir sogar noch Zeitreisen. Interessant finde ich auch das Religionssystem, dass die Menschen in Reisende und Sesshafte einteilt, allerdings habe ich das System nicht ganz durchschaut. Und hierin liegt auch meine Kritik, aber dazu am Ende mehr. Die Charaktere haben mir gut gefallen. Ardor Benn ist vielleicht nicht der größte Sympathieträger - zumindest nicht für mich, denn er ist mir zu sehr von sich überzeugt und hat eine echt große Klappe - trotzdem, irgendwo in mir drin mochte ich ihn. Vielleicht, weil er für seine Freunde da ist und im Kern eigentlich ein guter Kerl ist. Raekon ist ein wirklich guter Freund und die Szenen zwischen ihm und Ardor mochte ich wirklich gern, vor allem auch den Witz und Humor, der sich aber nie aufgesetzt oder übertrieben anfühlte. Ich mag es, wenn Charaktere ihre Schwächen haben und auch die vermeintlich Bösen ihre guten Seiten haben, das ist hier auf jeden Fall gegeben. Tyler Whitesides schreibt sehr bildhaft und lässt tolle Szenen im Kopf entstehen. Besonders gut gefallen hat mir wie schön und unaufdringlich er aufzeigt, dass alles mit allem verbunden ist und die Abläufe in der Natur/Welt eine perfekte Symbiose sind. Wenn nur ein Aspekt davon fehlt, steht die ganze Welt vor dem Abgrund. Nun zu meiner Kritik: Das Magie- und Religionssystem ist nicht leicht zu durchschauen und zu verstehen, daher habe ich hier wirklich, wirklich sehr ein Glossar vermisst, das ein paar Erklärungen dazu liefert. Das machen andere Autoren ganz toll. Das hätte dem Buch und der ganzen Geschichte einfach unglaublich gut getan. Auch hat mir ein wenig Hintergrundwissen gefehlt, wie diese Welt eigentlich funktioniert, das war, denke ich, auch ein Grund, warum ich nicht vollends in diese eigentlich atemberaubende Welt eintauchen konnte. Zwar wurde "Die tausend Leben des Ardor Benn" für mich kein Highlight, aber ich hatte unglaublich viel Spaß mit diesem Abenteuer. "Ich denke, Geschichte ist das, was wir in die Vergangenheit hineininterpretieren."

Die Tausend Leben des Ardor Benn - Die Abenteuer des Meisters von List und Tücke 1
Die Tausend Leben des Ardor Benn - Die Abenteuer des Meisters von List und Tücke 1von Tyler WhitesidesPanini
3. Aug.
Bewertung:5

Trotz den vielen Seiten (800) habe ich das Buch in nur wenigen Tagen verschlungen. Die Geschichte entwickelte gleich zu Beginn eine unglaubliche Sogwirkung auf mich, die nie richtig nachgelassen hat. Ich mochte die Charaktere, auch wenn es gerne mehr zu den zwischenmenschlichen Beziehungen hätte geben können, als die bloße "Rolle", die ihnen vom Autor zugeteilt wurde. Das Magiesystem fand ich auch wunderbar, hier wird nämlich mit einer Substanz namens Malm gezaubert, von der ich auch gerne die ein oder andere "Sorte" Zuhause hätte. Die Geschichte war mal extrem spannend, mal ein wenig langsamer und schaffte dadurch einen guten Ausgleich. Trotzdem war ich nie gelangweilt oder genervt, ich konnte das Buch nämlich meistens nicht aus der Hand legen. Der Schreibstil war einvernehmend und man konnte vollends in eine neue Welt abtauchen. Auch nachdem ich fertig war, habe ich sogar noch von Ardor, den Inseln und den Drachen geträumt. Zum Ende gibt es (zum Glück!) auch keinen Cliffhanger und die Geschichte scheint vorerst in sich abgeschlossen. Ich bin gespannt auf den Folgeband und habe mir das Erscheinungsdatum schon im Kalender notiert. Ein wirklich epischer Auftakt, der mich begeistern, überzeugen und total überraschen konnte!

Die Tausend Leben des Ardor Benn - Die Abenteuer des Meisters von List und Tücke 1
Die Tausend Leben des Ardor Benn - Die Abenteuer des Meisters von List und Tücke 1von Tyler WhitesidesPanini
15. Mai
Bewertung:3

Witzige, leichte Heist-Story mit großartiger Welt, super Anfang und langwierigem Ende.

Ich wollte es mögen. Wirklich. Ich wollte es in die Reihen meiner Lieblingsbücher hinzufügen, und Ardor Benn sollte einen Platz neben Locke Lamora und Kaz Brekker bekommen. Und das Potenzial ist da! Der Coup könnte gewagter nicht sein, es kommen mehr und mehr finstere Geheimnisse ans Licht, und es gibt einen Verräter in den eigenen Reihen. Allerdings ist die Sache mit dem Verräter ziemlich lahm, die zweite Hälfte des Buches fühlte sich für mich ziemlich schnell runter gerattert an und irgendwie fehlte so das gewisse Etwas, das einen so richtig mit den Charas mitfühlen lässt. Das fand ich nach der Etablierung der außergewöhnlichen und spannenden Welt und des großartigen Magiesystems und der herrlichen ersten Hälfte des Coups dann doch ein bisschen enttäuschend. Ich konnte mich sogar mit der großen Enthüllung über das Paladinmalm anfreunden - nach einem ersten WTF-Moment fand ich die Idee wirklich gut. Aber im Großen und Ganzen war es dann doch nicht meins. Mal sehen, ob ich mir die anderen beiden Teile mal zu Gemüte führe. Außerdem: Charas für den Schock töten, die dann nicht wirklich tot sind? Ich dachte, diese fürchterliche Trope wäre mittlerweile passé.

Die Tausend Leben des Ardor Benn - Die Abenteuer des Meisters von List und Tücke 1
Die Tausend Leben des Ardor Benn - Die Abenteuer des Meisters von List und Tücke 1von Tyler WhitesidesPanini
6. März
Bewertung:4

Kein Diebstahl ist Ardor Benn, dem Meister von List und Tücke, zu gewagt, keine Gefahr zu groß. Als er dann den Auftrag für ein unmögliches Unterfangen bekommt, fackelt er nicht lang und stimmt zu. Zusammen mit seinem besten Freund Raek und der Diebin Quarra macht er sich auf das Unmögliche zu schaffen. Zu Beginn hatte ich meine Probleme in die Geschichte hineinzukommen. Der Schreibstil ist bildhaft und ausschweifend was gepaart mit den ganzen fremden Namen und Begriffen etwas überfordernd ist. Stellenweise hatte ich das Gefühl etwas verpasst zu haben, wenn sie über vergangene Gegebenheiten und die verschiedenen Völker geredet haben. Hier hätte ich mir mehr Hintergrundwissen gewünscht. Völlig aus dem Konzept hat mich schlussendlich das religiöse System gebracht. Inzwischen ist es mir um einiges klarer, doch es hat gedauert. Es fehlt eindeutig ein Glossar, welches im englischen vorhanden sein soll. Schlussendlich, nachdem ich mich in die Geschichte hineingefunden habe, hat mir der Schreibstil gut gefallen. Es ist etwas distanzierter als ich es gewohnt bin, aber das stört mich nicht. Die Story hat mir sehr gut gefallen und war sehr gut durchdacht. Das Team rund um Ardor steht vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe und niemand außer Ardor kennt den kompletten Plan. Gleichzeitig funkt der Feind immer mal dazwischen und es schleicht sich der Verdacht auf, dass es einen Verräter gibt. Zum Inhalt kann ich hier nichts sagen ohne zu spoilern. Allerdings hat der Autor es geschafft, seine Hinweise so zu streuen, dass die Lösung nicht direkt offensichtlich ist und man das ganze Buch über mit den Charakteren miträtseln kann. Die Welt und das Magiesystem fand ich sehr spannend. Mit der Religion, die hier eine zentrale Rolle spielt, habe ich wie gesagt so meine Probleme. Das Magiesystem hingegen finde ich sehr spannend. Es baut eher auf Wissenschaft. Magie entsteht also durch die chemische Reaktion von mehreren Stoffen. Diesen Ansatz finde ich sehr interessant. Mein einziger schwerwiegendere Kritikpunkt liegt bei diesem Buch in den Charakteren. Sie sind ausnahmslos alle interessant, mir Stärken und Schwächen, und jeder hat seine Rolle. Allerdings sind sie doch alle sehr oberflächlich geblieben. Die Beziehung zwischen den Charakteren war dadurch leider auch sehr oberflächlich und kalt. So konnte ich beispielsweise eine aufkommende Romanze absolut nicht nachvollziehen. So gut die Story auch ausgearbeitet ist, hier sehe ich definitiv noch Luft nach oben. Auch wenn das Buch seine Schwächen hat, fand ich es doch grundsätzlich gut und werde die Reihe weiterverfolgen.

Die Tausend Leben des Ardor Benn - Die Abenteuer des Meisters von List und Tücke 1
Die Tausend Leben des Ardor Benn - Die Abenteuer des Meisters von List und Tücke 1von Tyler WhitesidesPanini
27. Jan.
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Bewertung:4.5

Ein 800-Seiten-Schmöker, den ich in aller Ruhe gelesen habe. Auch wenn die Spannung durchwegs gehalten wurde und ich die Geschichte auch schneller hätte lesen können. Aber da die Welt so neu ist, das Magiesystem, Gesellschaft, Religionen und Politik, hat es super gepasst, alles eher langsam anzugehen. Dadurch war es ein intensives, fast einen Monat andauerndes Abenteuer, voller Finten und Täuschungen, mit Verkleidungen und Rollenspielen, mit viel List und Tücke. Dabei gefiel mir vor allem die Abschnitte einer Protagonistin sehr, mit deren Häufigkeit ich überhaupt nicht gerechnet habe. Der titelgebende Ardor Benn tritt da fast ein bisschen in den Hintergrund. Aber das macht gar nichts, er drängt sich eh wieder in den Vordergrund. Mit viel Pauken und Trompeten. Hach, ich werde die Truppe schon ein bisschen vermissen. Einziger Wermutstropfen: Ein Twist zum Ende hin hat sich für mich nicht so stimmig angefühlt. So, als ob mit Gewalt nochmal dieses Fantasyelement eingebaut hätte werden müssen. Hat zwar dann schon seinen Sinn gehabt und die Story vorangebracht, gemocht habe ich diese Idee aber nicht soo sehr. Bis zum nächsten Abenteuer! 4 5 Sterne.

Die Tausend Leben des Ardor Benn - Die Abenteuer des Meisters von List und Tücke 1
Die Tausend Leben des Ardor Benn - Die Abenteuer des Meisters von List und Tücke 1von Tyler WhitesidesPanini