15. Mai
Bewertung:4

While I didn't know much about Haiti before reading this book, it was very interesting and inspired me to look into Haiti's history a bit more. The story was mesmerizing and I couldn't put it down. The editor's note in the German translation explains the context of the story very nicely, as well as the translation choices I wouldn't have noticed otherwise! 

Töchter Haitis
Töchter Haitisvon Marie Vieux-ChauvetManesse
3. Mai
Bewertung:4

Lotus lebt im Port-au-Prince der 1940er Jahre allein in dem Haus, das sie von ihrer Mutter geerbt hat. Trotz ihrer finanziell privilegierten Situation, dank der sie nicht arbeiten muss, ist sie eine gesellschaftliche Außenseiterin: Als Tochter einer Prostituierten wird sie von ihren Mitmenschen verachtet. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter beinahe auf sich allein gestellt, begibt sich Lotus auf die Suche nach sich selbst und ihren Platz in der haitianischen Gesellschaft. Ich bin in der Bücherei zufällig über das Buch gestolpert und habe es mitgenommen, weil der Klappentext mich gecatcht hatte. Meistens sind das ja entweder die besten oder schlechtesten Bib-Funde; in diesem Fall definitiv ersteres! Selten habe ich bisher einen Roman gelesen, in dem die Entwicklung der Protagonistin so natürlich, realitätsnah und, trotz der vielen traurigen Momente, schön dargestellt wurde. Ich war anfangs nämlich gar kein Fan von Lotus und ihrem Verhalten, aber das hat sich, parallel zu ihrer Charakterentwicklung, zunehmend geändert. Sie wird immer politischer und gesellschaftskritischer, auch, weil sie durch politische Maßnahmen selbst Teil der unterprivilegierten Gesellschaftsschicht wird. Und hier sind wir beim nächsten Pluspunkt: Der Roman spielt in der Mitte des 20. Jahrhunderts, die in Haiti von großer gesellschaftlicher Ungerechtigkeit, Rassismus und politischer Instabilität geprägt war. Wer gestern noch als privilegiert galt, fiel am nächsten Tag in Ungnade — ein Schicksal, das auch Lotus trifft. All diesen Kontext liefert das Buch in Form seiner Anmerkungen ganz hinten, die den Text historisch einordnen und die aus dem Original übernommene französisch-kreolischen Begriffe erklären. Die Anmerkungen waren mit mein liebster Part während der Lektüre, weil man so viel von ihnen lernt was die haitianische Geschichte angeht. „Töchter Haitis“ thematisiert die gesellschaftlichen Zwänge, der schwarze Frauen und Frauen mit weißem und schwarzem background ausgesetzt waren in einem Land, das lange von politischen Unruhen geplagt war. Ein super wichtiges Buch, das ich sehr gerne gelesen habe!

Töchter Haitis
Töchter Haitisvon Marie Vieux-ChauvetManesse
18. Feb.
Bewertung:4

In Mittelamerika kenne ich mich so gar nicht aus, umso gespannter war ich auf ein klassisches Werk einer Frau aus Haiti. "Töchter Haitis" hat mir dann auch gut gefallen. Es geht viel um Gesellschaft und Politik, Ausgrenzung, Armut und Aufopferung. Der Schreibstil ist angenehm, nur die ständige Selbstreflexion der Protagonistin war manchmal etwas langatmig. Ich persönlich habe noch einiges nebenbei über Haitis Geschichte nachgelesen und gelernt. Insgesamt eine klare Empfehlung, von der Autorin möchte ich unbedingt noch mehr lesen.

Töchter Haitis
Töchter Haitisvon Marie Vieux-ChauvetManesse
10. Feb.
Bewertung:4

Ein tolles Buch!

Marie Vieux-Chauvet erzählt in ihrem Roman die Geschichte der jungen Lotus, die als „Mulattin“ der herrschenden Elite Haitis angehört, und vom politischen Umbruch des Landes in den 1940ern. Lotus, die ihren Vater nie kannte und ihre verstorbene Mutter verhöhnt, scheint an ihrem eigenen Charakter zu zerbrechen. Auf der Suche nach der Ursache für ihre Verbitterung und einer inneren Versöhnung mit sich selbst, erkennt Lotus zunehmend die Ungerechtigkeiten in ihrem Land. Die Erkenntnis über die Lebensrealtitäten der Einwohner von Port-au-Prince machen ihr zwar ebenfalls zu schaffen, doch gleichzeitig ist sie gewillt, für eine Veränderung in der Gesellschaft zu kämpfen. „Töchter Haitis“ ist ein beeindruckendes Werk, das sich mit der Emanzipation der Frauen und der sozialen Klassifizierung in der Gesellschaft auseinandersetzt. Auf geschickte Weise verknüpft der Roman die politischen Umwälzungen und gesellschaftlichen Probleme Haitis mit der Geschichte einer jungen verliebten Frau, die um ihre Selbstbestimmung und gegen ihre inneren Dämonen kämpft. Lotus, zunächst als unglaublich arrogant und oberflächlich dargestellt, hat sich allmählich in mein Herz geschlichen. Von einer versnobten Frau entwickelt sie sich zunehmend zu einer willensstarken Heldin, die sich den Ungerechtigkeiten widersetzen will. Ein zentrales Thema dieser zunehmenden Unruhen auf der karibischen Insel ist der colorism, also die Unterscheidung und Klassifizierung verschiedener Hautschattierungen. Der Roman spielt zu einer Zeit, als der erste schwarze Präsident nach der Besetzung durch die USA an die Macht gelangt. Seine Aufwiegelung der schwarzen haitianischen Bevölkerung gegen die „mulattische Elite“ führte zu großen Unruhen und Gewalt auf dem karibischen Inselstaat. Ein interessantes Nachwort von K. L. Glover setzt die schriftstellerische Tätigkeit und das Leben der Autorin in Bezug zu der damaligen politischen Lage des Landes. Dieser Teil hat den Roman für mich umso wichtiger erscheinen lassen. Ich halte dieses Buch für eine große Bereicherung, sowohl inhaltlich als auch sprachlich, und möchte es auch euch ans Herz legen. Es spricht viele wichtige Themen an, die bis heute leider nichts an Relevanz verloren haben.

Töchter Haitis
Töchter Haitisvon Marie Vieux-ChauvetManesse
1. Dez.
Bewertung:5

Unbekanntes Terrain „Das ist der Unterschied zwischen Regierungen und Menschen. Regierungen kümmern sich nicht, Menschen schon.“ (Mark Twain) Haiti, der mir bisher (literarisch) unbekannte Inselstaat in der Karibik, ist nicht unbedingt ein Urlaubsziel für mich – zu warm *g*. Wie gut, dass man die Hitze dort beim Lesen von Romanen nicht spürt. Dank des Manesse-Verlags war ich jetzt aber wenigstens lesend dort. Im Rahmen seiner „Mehr Klassikerinnen“-Reihe wurde jetzt „Töchter Haitis“ von Marie Vieux-Chauvet in der Übersetzung von Nathalie Lemmens veröffentlicht. Dabei handelt es sich um den Debüt-Roman (Erstveröffentlichung: 1954) der Autorin. Sie beschreibt darin die persönliche Entwicklung ihrer Protagonistin Lotus, einer zwischen der Oberschicht und dem einfachen Volk stehenden Tochter einer Prostituierten. Lotus hat von ihrer Mutter ein Haus geerbt, in dem sie zusammen mit zwei Bediensteten lebt und eins, dass sie vermietet hat. Entsprechend ihrer „Privilegien“ gegenüber dem einfachen Volk lebt sie ihr Leben zwischen flüchtigen Männerbekanntschaften und ihrer Freundschaft mit dem alten Charles, der ihr aus der Bibel zitiert. Als sie den Revoluzzer Georges Caprou trifft, ändert sich Lotus´ Leben von Grund auf… Marie Vieux-Chauvet hat Lotus nicht von vornherein als Sympathiecharakter angelegt – im Gegenteil: ihre teils naive Art und Weise nerven den Leser, die Augen geben einen rotierenden Rotor ab *Übertreibmodus aus*. Und doch packt die Geschichte die geneigte Leserschaft bei den Haaren, zieht sie durch Hoch und Tiefs in der Beziehung Lotus/Georges – und lässt sie zum Schluss mit einem Paukenschlag fallen. Doch das ist nur die eine Seite des Romans. Die andere befasst sich mit den politischen (Macht-)Strukturen Haitis, den Aufständen gegenüber dem korrupten Regime, dem sich ein tödlicher Disput zwischen Mulatten und Schwarzen anschließt. Dem eigentlichen Roman schließen sich ein umfangreicher Anmerkungsteil, ein Glossar und ein ausführliches Nachwort von Kaiama L. Glover an. Die Anmerkungen und das Nachwort zeichnen die historische Einordnung des Romans nach und geben einen Überblick über religiöse, kulturelle und örtliche Belange und Gegebenheiten. Die Leserinnen und Leser erhalten so also mehr als einen Roman für das (gut) investierte Geld, zumal die Aufmachung des ganzen Buches äußerst edel und geschmackvoll ist. Zu meinen nach der Lektüre spontan gezückten 4* Sternen muss ich jetzt doch noch den fünften zücken, da mich das Buch und die Geschichte auch nach ein paar Tagen nicht loslässt. Ich lege diesen Roman somit allen ans Herz, die Einblick in die haitianische Kultur, Geschichte und Literatur bekommen wollen. Somit 5* und eine absolute Leseempfehlung. „Ich kann nicht zu gestern zurückkehren, weil ich damals eine andere Person war.“ (Lewis Carroll) ©kingofmusic

Töchter Haitis
Töchter Haitisvon Marie Vieux-ChauvetManesse
1. Dez.
Bewertung:5

Unbekanntes Terrain „Das ist der Unterschied zwischen Regierungen und Menschen. Regierungen kümmern sich nicht, Menschen schon.“ (Mark Twain) Haiti, der mir bisher (literarisch) unbekannte Inselstaat in der Karibik, ist nicht unbedingt ein Urlaubsziel für mich – zu warm *g*. Wie gut, dass man die Hitze dort beim Lesen von Romanen nicht spürt. Dank des Manesse-Verlags war ich jetzt aber wenigstens lesend dort. Im Rahmen seiner „Mehr Klassikerinnen“-Reihe wurde jetzt „Töchter Haitis“ von Marie Vieux-Chauvet in der Übersetzung von Nathalie Lemmens veröffentlicht. Dabei handelt es sich um den Debüt-Roman (Erstveröffentlichung: 1954) der Autorin. Sie beschreibt darin die persönliche Entwicklung ihrer Protagonistin Lotus, einer zwischen der Oberschicht und dem einfachen Volk stehenden Tochter einer Prostituierten. Lotus hat von ihrer Mutter ein Haus geerbt, in dem sie zusammen mit zwei Bediensteten lebt und eins, dass sie vermietet hat. Entsprechend ihrer „Privilegien“ gegenüber dem einfachen Volk lebt sie ihr Leben zwischen flüchtigen Männerbekanntschaften und ihrer Freundschaft mit dem alten Charles, der ihr aus der Bibel zitiert. Als sie den Revoluzzer Georges Caprou trifft, ändert sich Lotus´ Leben von Grund auf… Marie Vieux-Chauvet hat Lotus nicht von vornherein als Sympathiecharakter angelegt – im Gegenteil: ihre teils naive Art und Weise nerven den Leser, die Augen geben einen rotierenden Rotor ab *Übertreibmodus aus*. Und doch packt die Geschichte die geneigte Leserschaft bei den Haaren, zieht sie durch Hoch und Tiefs in der Beziehung Lotus/Georges – und lässt sie zum Schluss mit einem Paukenschlag fallen. Doch das ist nur die eine Seite des Romans. Die andere befasst sich mit den politischen (Macht-)Strukturen Haitis, den Aufständen gegenüber dem korrupten Regime, dem sich ein tödlicher Disput zwischen Mulatten und Schwarzen anschließt. Dem eigentlichen Roman schließen sich ein umfangreicher Anmerkungsteil, ein Glossar und ein ausführliches Nachwort von Kaiama L. Glover an. Die Anmerkungen und das Nachwort zeichnen die historische Einordnung des Romans nach und geben einen Überblick über religiöse, kulturelle und örtliche Belange und Gegebenheiten. Die Leserinnen und Leser erhalten so also mehr als einen Roman für das (gut) investierte Geld, zumal die Aufmachung des ganzen Buches äußerst edel und geschmackvoll ist. Zu meinen nach der Lektüre spontan gezückten 4* Sternen muss ich jetzt doch noch den fünften zücken, da mich das Buch und die Geschichte auch nach ein paar Tagen nicht loslässt. Ich lege diesen Roman somit allen ans Herz, die Einblick in die haitianische Kultur, Geschichte und Literatur bekommen wollen. Somit 5* und eine absolute Leseempfehlung. „Ich kann nicht zu gestern zurückkehren, weil ich damals eine andere Person war.“ (Lewis Carroll) ©kingofmusic

Töchter Haitis
Töchter Haitisvon Marie Vieux-ChauvetManesse