Leider bin ich wohl mit der falschen Erwartung an dieses Buch herangegangen. Ansonsten hätte ich es um einiges mehr genossen, denn theoretisch ist es genau das, was ich grundsätzlich mag: absurd. Aber ich hatte seltsamerweise im Kopf, dass es sich um Reportagen handelt. Oder Berichte aus den Südstaaten. Deshalb war ich ziemlich verwirrt, als ich mich plötzlich Kurzgeschichten gegenüber sah. Phu, ich und Kurzgeschichten. Genau das war mein Dilemma hier. Denn eigentlich sind die Geschichten richtig gut. Und oftmals sehr teuflisch, ich mag das. Beim Lesen von Flannery O'Connor wird es einem teilweise sehr unangenehm, man fühlt sich beobachtet und da alle Figuren irgendetwas Bedrohliches an sich haben, mag man gar nicht wirklich hinschauen. Man tut es dann eben doch. Ich muss der Autorin definitiv noch einmal eine Chance geben. Nächsten Oktober vielleicht, denn ihre Geschichten passen hervorragend in die Gruselzeit. Nur dass man es hier nicht mit Gespenstern und Monstern zu tun hat, sondern mit dem Unbehagen, das nur andere Menschen hervorrufen können.
21. Dez.21. Dez. 2024
Keiner Menschenseele kann man noch trauenvon Flannery O'ConnorArche Literatur Verlag AG

