27. Juli
Bewertung:3

Gefühlsbetont-bildhafter Schreibstil, wenig überzeugende Geschichte

„Weil es nicht anders sein kann“ von Joanna Glen erzählt die zarte Liebesgeschichte von Addie und Sol, die sich auf einer kleinen, naturgewaltigen Insel vor der Küste Englands kennenlernen. Beide introvertiert, beide mit einem schlimmen Verlust im Herzen, der sie die Liebe in erster Linie mit Schmerz verbinden lässt. Obwohl es für beide Liebe auf den ersten Blick ist, müssen sie hart dafür kämpfen zusammensein zu können, doch vor allem müssen sie zunächst einmal lernen, wie Liebe eigentlich geht. Da mir der Klappentext so gut gefallen hat, wollte ich das Buch wirklich mögen und habe versucht mich auf die Geschichte einzulassen, was leider bis zum Schluss nicht geklappt hat. Die Story um Addie und Sol hat es einfach nicht geschafft mich in ihren Bann zu ziehen, zu fesseln oder zu berühren. Ich konnte insbesondere die beiden Hauptcharaktere einfach nicht fühlen, so wie ich ihre ganze schüchterne Zurückhaltung - auf die die ganze Geschichte in gewisser Weise aufbaut - in keinster Weise nachvollziehen konnte. Für mich ist die gesamte Vergangenheit der beiden einfach zu widersprüchlich, zu sehr an den Haaren herbeigezogen, zu unrealistisch, zu unbegreiflich. Zudem störte mich, dass sowohl Glaube, als auch Gott in dem Buch eine große Rolle spielen und somit immer und immer wieder thematisiert wurden. Aus der Beschreibung konnte ich diesbezüglich zuvor nichts herauszulesen, ansonsten hätte es mich im Vorfeld schon daran gehindert zu diesem Buch zu greifen. Nichts desto trotz ist der Schreibstil der Autorin wundervoll! Sie (be)schreibt Dinge auf eine ganz besondere, gefühlsbetont-poetische Art und Weise und führt großartige Metaphern an, die ich mir einfach markieren musste. Auch was die Naturbeschreibungen angeht, finde ich das Buch wirklich toll. Ich hätte nie gedacht, dass ich in einem Liebesroman mal so viel über Englands Vogelwelt dazulernen würde. Allein dafür verleihe ich die 3 Sterne. Fazit: Auch wenn ich weder mit der Story, noch mit den Charakteren etwas anfangen konnte, so bin ich von dem Schreibstil der Autorin doch so schwer beeindruckt, dass ich es nicht bereue das Buch gelesen zu haben.

Weil es nicht anders sein kann
Weil es nicht anders sein kannvon Joanna GlenArche Literatur Verlag AG
9. Juni
Bewertung:4

Joanna Glens neuer Roman erzählt von zwei Menschen, die sich vorsichtig aus dem Innersten ihres je eigenen Lebens lösen ohne große Worte, ohne dramatische Wendungen, aber mit einem genauen Blick für das, was Nähe bedeutet, wenn Sprache nicht reicht. Addie lebt mit ihrer Mutter auf einer kleinen britischen Insel. Sie näht Brautkleider, hilft bei Frauen-Retreats, schwimmt oft, doch innerlich fühlt sie sich fremd in dieser Welt. Auf der benachbarten Insel Ora versucht Sol, nach dem Tod seiner Mutter zur Ruhe zu kommen. In einem stillen Gebetshaus sucht er Halt, nicht im Religiösen, sondern im Rückzug. Zwei Figuren, die nichts voneinander wissen, aber beide mit Verlust, Schweigen und einem Gefühl der Unbehaustheit ringen. Glen verhandelt zentrale Themen leise, aber deutlich: Verlust, Nähe, Sprachlosigkeit, vorsichtige Selbstbehauptung. Sie zeigt, wie schwierig es sein kann, sich mitzuteilen und wie oft das, was nicht gesagt wird, genauso viel bedeutet wie das, was ausgesprochen wird. Die Sprache zwischen Addie und Sol bleibt begrenzt, fast vorsichtig und gerade darin liegt ihre Wirkung. Als die beiden einander begegnen, entsteht keine klassische Liebesgeschichte. Es beginnt ein vorsichtiges Annähern über kleine Gesten, Beobachtungen, geteilte Stille. Nach dem Moment, in dem sie sich näherkommen, folgt kein lineares Weiter, sondern - gemäß dem Titel - ein tastendes Hin und Her. Gerade dieses Zögern macht den Reiz des Romans aus, denn immer hofft man, dass sich Addie und Sol am Ende doch wirklich füreinander entscheiden. Auch die Landschaft ist hier nicht bloße Kulisse. Die Inseln, das Meer, das Wetter, die Vögel - all das spiegelt die Innenwelt der Figuren. Glen nutzt die Natur nicht zur Illustration, sondern als Resonanzraum für Einsamkeit, Sehnsucht und gelegentliche Klarheit. Manche Leser mögen das als zu vage empfinden, einige Nebenfiguren bleiben blass. Doch "Maybe, Perhaps, Possibly" ist kein Roman, der auf Auflösung hin erzählt. Er interessiert sich für das Dazwischen, für das, was entsteht, wenn zwei Menschen sich ernsthaft begegnen, ohne sich sofort festzulegen. Ein leiser, ernsthafter Roman über zwei Leben in Schwebe und die Frage, ob Vertrauen möglich ist, ohne dass man sich erklärt. Antworten gibt Joanna Glen nicht, aber sie schafft eine Atmosphäre, in der Leser sich in der Offenheit wiederfinden können.

Weil es nicht anders sein kann
Weil es nicht anders sein kannvon Joanna GlenArche Literatur Verlag AG