3. Juni
Was für eine bewegende Lektüre!

Nada Chekh erzählt in diesem Buch von ihrer Reise zu ihrem heutigen Leben, wie sie selbst es im Vorwort ausdrückt, welches sich so stark von jenem unterscheide, das ihr als Zweitjüngster unter fünf Geschwistern von ihrem aus Palästina stammenden Vater und ihrer ägyptischen Mutter sowie der arabischen Community in Wien vorgelebt wurde. Eine (emotionale) Verbindung zu den beiden Herkunftsländern der Eltern hat sie nicht wirklich, am ehesten noch zum Islam, doch auch religiös ist sie heute nicht. Heute ist sie Journalistin, die vor allem über die Beweggründe der multiethnischen Community in Österreich schreibt, Missstände und Langzeittabus mit inbegriffen.
Bewertung:5

Was für eine bewegende Lektüre! Nada Chekh erzählt in diesem Buch von ihrer Reise zu ihrem heutigen Leben, wie sie selbst es im Vorwort ausdrückt, welches sich so stark von jenem unterscheide, das ihr als Zweitjüngster unter fünf Geschwistern von ihrem aus Palästina stammenden Vater und ihrer ägyptischen Mutter sowie der arabischen Community in Wien vorgelebt wurde. Eine (emotionale) Verbindung zu den beiden Herkunftsländern der Eltern hat sie nicht wirklich, am ehesten noch zum Islam, doch auch religiös ist sie heute nicht. Heute ist sie Journalistin, die vor allem über die Beweggründe der multiethnischen Community in Österreich schreibt, Missstände und Langzeittabus mit inbegriffen.

Was für eine bewegende Lektüre! Nada Chekh erzählt in diesem Buch von ihrer Reise zu ihrem heutigen Leben, wie sie selbst es im Vorwort ausdrückt, welches sich so stark von jenem unterscheide, das ihr als Zweitjüngster unter fünf Geschwistern von ihrem aus Palästina stammenden Vater und ihrer ägyptischen Mutter sowie der arabischen Community in Wien vorgelebt wurde. Eine (emotionale) Verbindung zu den beiden Herkunftsländern der Eltern hat sie nicht wirklich, am ehesten noch zum Islam, doch auch religiös ist sie heute nicht. Heute ist sie Journalistin, die vor allem über die Beweggründe der multiethnischen Community in Österreich schreibt, Missstände und Langzeittabus mit inbegriffen. Eben das sind auch die Themen, mit denen sie sich bereits ihr Leben lang gezwungenermaßen auseinandersetzt. Privatsphäre war während ihres Aufwachsens ein absolutes Fremdwort und ihre Tagebücher der einzige Zufluchtsort. Die in diesem Buch ebenfalls abgedruckten Zeichnungen stammen daraus. Es ist sowohl beeindruckend als auch schmerzhaft darüber zu lesen, wie sehr sie unter den Freiheitseinschränkungen zuhause zu leiden hatte, ihre Freundschaften an den kulturellen Unterschieden zerbrachen, wie Community sowohl Zugehörigkeit als auch Überwachung, Kontrolle, Gefängnis und Konkurrenzkampf bedeuten kann und letztlich auch über das Erlernen davon, die eigenen Grenzen zu verteidigen und auszubrechen. Es hat mich sehr gefreut, dass sie ihr Leben nun frei leben und ihre Meinung frei äußern kann und dennoch einen versöhnlichen Umgang mit ihrer Familie pflegt – die durch ihre Heirat im letzten Jahr noch gewachsen ist. Allerdings ist ihr Mann Russe und durch den Ukraine-Krieg von seiner Familie abgeschnitten. Wäre dieses Buch nur etwas später erschienen, hätte der inzwischen an Schärfe gewonnene Nah-Ost-Konflikt mit Sicherheit ebenfalls Erwähnung gefunden und ich kann mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlen muss, von gleich zwei Kriegen auf einmal betroffen und auseinandergerissen zu sein. Von mir eine klare Lese-Empfehlung! Herzlichen Dank an den Haymon Verlag für dieses Rezensionsexemplar! TW: Krieg, (häusliche) Gewalt, Depression, Selbstverletzung (diese Themen werden auch im Vorwort genannt), Genozid, Tierschlachtung, Ableismus, Rassismus

Eine Blume ohne Wurzeln
Eine Blume ohne Wurzelnvon Nada ChekhHaymon Verlag
12. Jan.

Nada ist Österreicherin und Tochter arabisch-muslimischer Migraten, die in einem Wiener Sozialbau aufwächst. Das heißt für sie: 🗣️ Die Sprache ihrer Eltern nicht fließend zu sprechen, 🇦🇹 Unter Österreicher:innen nicht als solche wahrgenommen zu werden, 🔥 Ständig zu rebellieren & 🚺 Gegen das Patriarchat zu kämpfen

In „Eine Blume ohne Wurzeln – Wie ich Selbstbestimmung zwischen Doppelleben und Doppelmoral fand“ von Nada Chekh, erschienen im Haymon Verlag, erzählt die Autorin uns anhand ihrer eigenen Biografie, wie es ist in keine Welt wirklich zu gehören und zwischen den Stühlen aufzuwachsen. Gerade das Aufwachsen mit geschlechterspezifischer Doppelmoral und Vorurteilen hat viel Schmerz in der Autorin ausgelöst. Trotzdem vermittelt sie ihre Vergangenheit mit viel Humor und Einfühlungsvermögen. Dadurch macht sie der Leserschaft sichtbar, dass nicht alles schwarz-weiß ist. Ich fand beeindruckend, wie kritisch sie ihr eigenes Leben reflektiert hat und wie offen sie mit ihren Ängsten und Problemen umgegangen ist. Gerade weil sie ihre Community liebt, kann sie diese offen kritisieren und man spürt die Liebe zu ihrer Familie genauso, wie ihren noch immer andauernden Kampf mit den Ungerechtigkeiten. Der Haymon Verlag hat das Buch um ihre eigenen Illustrationen ergänzt, die das schmale Format noch abrunden. Im Oktober wurde ich für dieses Leseexemplar vom Verlag angefragt und freue mich wirklich, dieses Buch gelesen zu haben – auch wenn die Rezension krankheitsbedingt länger gedauert hat.

Eine Blume ohne Wurzeln
Eine Blume ohne Wurzelnvon Nada ChekhHaymon Verlag