
Was für eine bewegende Lektüre! Nada Chekh erzählt in diesem Buch von ihrer Reise zu ihrem heutigen Leben, wie sie selbst es im Vorwort ausdrückt, welches sich so stark von jenem unterscheide, das ihr als Zweitjüngster unter fünf Geschwistern von ihrem aus Palästina stammenden Vater und ihrer ägyptischen Mutter sowie der arabischen Community in Wien vorgelebt wurde. Eine (emotionale) Verbindung zu den beiden Herkunftsländern der Eltern hat sie nicht wirklich, am ehesten noch zum Islam, doch auch religiös ist sie heute nicht. Heute ist sie Journalistin, die vor allem über die Beweggründe der multiethnischen Community in Österreich schreibt, Missstände und Langzeittabus mit inbegriffen.
Was für eine bewegende Lektüre! Nada Chekh erzählt in diesem Buch von ihrer Reise zu ihrem heutigen Leben, wie sie selbst es im Vorwort ausdrückt, welches sich so stark von jenem unterscheide, das ihr als Zweitjüngster unter fünf Geschwistern von ihrem aus Palästina stammenden Vater und ihrer ägyptischen Mutter sowie der arabischen Community in Wien vorgelebt wurde. Eine (emotionale) Verbindung zu den beiden Herkunftsländern der Eltern hat sie nicht wirklich, am ehesten noch zum Islam, doch auch religiös ist sie heute nicht. Heute ist sie Journalistin, die vor allem über die Beweggründe der multiethnischen Community in Österreich schreibt, Missstände und Langzeittabus mit inbegriffen. Eben das sind auch die Themen, mit denen sie sich bereits ihr Leben lang gezwungenermaßen auseinandersetzt. Privatsphäre war während ihres Aufwachsens ein absolutes Fremdwort und ihre Tagebücher der einzige Zufluchtsort. Die in diesem Buch ebenfalls abgedruckten Zeichnungen stammen daraus. Es ist sowohl beeindruckend als auch schmerzhaft darüber zu lesen, wie sehr sie unter den Freiheitseinschränkungen zuhause zu leiden hatte, ihre Freundschaften an den kulturellen Unterschieden zerbrachen, wie Community sowohl Zugehörigkeit als auch Überwachung, Kontrolle, Gefängnis und Konkurrenzkampf bedeuten kann und letztlich auch über das Erlernen davon, die eigenen Grenzen zu verteidigen und auszubrechen. Es hat mich sehr gefreut, dass sie ihr Leben nun frei leben und ihre Meinung frei äußern kann und dennoch einen versöhnlichen Umgang mit ihrer Familie pflegt – die durch ihre Heirat im letzten Jahr noch gewachsen ist. Allerdings ist ihr Mann Russe und durch den Ukraine-Krieg von seiner Familie abgeschnitten. Wäre dieses Buch nur etwas später erschienen, hätte der inzwischen an Schärfe gewonnene Nah-Ost-Konflikt mit Sicherheit ebenfalls Erwähnung gefunden und ich kann mir nicht vorstellen, wie es sich anfühlen muss, von gleich zwei Kriegen auf einmal betroffen und auseinandergerissen zu sein. Von mir eine klare Lese-Empfehlung! Herzlichen Dank an den Haymon Verlag für dieses Rezensionsexemplar! TW: Krieg, (häusliche) Gewalt, Depression, Selbstverletzung (diese Themen werden auch im Vorwort genannt), Genozid, Tierschlachtung, Ableismus, Rassismus


