»Was ist das für ein beschissenes System, in dem alle gleich viel bekommen, ungeachtet dessen, wie viel oder wenig sie dafür geleistet haben?« Auf der Insel Ebria herrschen andere Gesetze, denn die Menschen haben das gewohnte System bewusst hinter sich gelassen und neue Regeln gemeinschaftlichen Miteinanders etabliert. Ihre Gemeinschaft auf der Insel soll ein Neuanfang sein und zugleich eine Abkehr von patriarchalischen Strukturen und einer hierarchischen Leistungsgesellschaft, hin zu einem Leben in Gemeinschaft und im Einklang mit der Natur. Alle werden respektiert, Ressourcen sorgfältig eingesetzt und es wird füreinander Verantwortung übernommen. Eine Utopie, wie sie zu wünschen wäre! Nachdem Lahea von ihrer Mutter Zaina verkündet bekommen hat, dass sie ihr bisheriges Amt der Dorfvorstehende bald übernehmen soll und sie anschließend auch gewählt wird, verlässt sie – wie es verlangt wird – Ipane und macht sich auf, die restliche Insel zu erkunden. Dabei stößt sie auf Geheimnisse, die nicht nur bisherige vermutete Gleichgewicht innerhalb der Gesellschaft ins Wanken bringt, sondern auch ihre eigene Welt. Es wird Zeit, dass lange verborgene Geheimnisse endlich ans Licht kommen… Dieser Roman war gleich zu Beginn etwas ganz besonderes, weil er von einer Welt handelte, die schöner nicht sein könnte. Doch dann bricht – wie es zu erwarten war – die schonungslose Realität ein. Machtgierige Männer, die beherrschen wollen statt ein gleichberechtigtes Glied in dieser Gesellschaftsordnung zu sein. Während Laheas Reise fühlte ich mich oftmals an die „Herr der Ringe“ Filme erinnert, da die Autorin es geschafft hat, wahnsinnig atmosphärische und zugleich sprachgewaltige Bilder zu erzeugen. Ansonsten ging mir die Reise teilweise etwas zu schnell und zu viele Ereignisse rettete der Zufall in positiver Hinsicht, was manchmal – der Häufigkeit geschuldet – irgendwann eher unglaubwürdig klang. Dennoch ist das Buch auf jeden Fall definitiv eine Leseempfehlung! Noch dazu würde ich mir aufgrund der sprachlich eindrucksvollen Bilder, die noch lange nachhallen, eine Verfilmung des Romans sehr wünschen.
Puh, ich hab mir eher etwas schwer mit diesem Buch getan. Kam absolut nicht in die Story rein und irgendwie konnte es mich generell nicht so wirklich packen. Obwohl die Story gar nicht so uninteressant wär. Aber für mich war es eher nichts.
Spannende Dystopie (oder Utopie?). Aus wechselnden Blickwinkeln entdecken wir das Leben auf der Insel Ebria, wo alle in Harmonie und Gleichheit leben. Doch es gibt ein düsteres Geheimnis, das der Hauptperson Lahea beinahe zum Verhängnis wird und die gesamte Insel bedroht. Ich fand es spannend, aber das Ende hat mich nicht restlos überzeugt.
„Was ihr die letzten Tage genommen haben: das Sicherheitsgefühl, das Vertrauen, dass diese Insel und alle, die sie bewohnen, ihr aus Prinzip nichts Böses wollen.“ Auf der Insel Ebria leben alle friedlich und gleichberechtigt. Eine ihrer Bewohner:innen ist Lahea, die Vorsteherin ihres Dorfs Ipane werden soll. Bevor dies soweit ist, muss sie alle Orte der Insel und ihre jeweiligen Vorsteherinnen besuchen. Auf dieser Reise begegnet sie jedoch nicht nur ihr gut gesinnte Menschen, sondern deckt eine im Untergrund entstehende Rebellion auf, die der Ruhe auf Ebria gefährlich wird. In „Lahea“ entwirft Lisa-Viktoria Niederberger die Utopie eines Matriarchats, das den Kapitalismus und patriarchale Strukturen hinter sich gelassen hat und nun aus einer Gesellschaft eines eher archetypischen Miteinanders besteht. Das Konzept fand ich von vornherein sehr spannend, insbesondere in einem so kleinen Inselkosmos, der weitestgehend isoliert existiert. Doch der Roman macht deutlich, dass auch die Verantwortlichen auf Ebria, die selbst noch die Zeiten des Patriarchats miterlebt haben, sich nicht vollends von alten Strukturen befreien können. Der differenzierte Umgang mit dieser gesellschaftlichen Utopie hat mir gut gefallen — die message des Buchs ist nicht einfach „In einer rein von Frauen geführten Gesellschaft wäre alles besser“. Stattdessen stellt es ethische Fragen und plädiert für ein Miteinander aller Geschlechter. Konzeptionell mag ich das Buch, allerdings habe ich lange gebraucht um in die Story zu finden, was bestimmt auch an den vielen Namen lag, die ich nicht immer gut verknüpfen konnte. Das liegt einerseits an der Menge der Figuren, andererseits aber auch evtl. daran, dass die Story viel zwischen den Orten springt und dementsprechend die Figuren wechseln. Die Dialoge konnten mich leider auch nicht überzeugen, wie auch die Figuren, blieben sie häufig flach. Aber: Der Roman hat irgendwann richtig an Fahrt und Spannung gewonnen und sich gegen Ende immer weiter zugespitzt. Das letzte Drittel habe ich deshalb gern gelesen. Dazu kommt, dass mich das Buch inhaltlich aus meiner Komfortzone geholt hat — fiktive Welten sind eigentlich nicht so meins, vielleicht hat es also auch daran gelegen, dass ich länger gebraucht habe um damit warm zu werden. Auf jeden Fall ist „Lahea“ ein spannendes Buch, das einen zum Nachdenken animiert und uns unsere gesellschaftlichen Defizite aufzeigt!

Gestern hatte ich die wunderbare Gelegenheit, bei einem Blogger:innen-Event zum Roman „LAHEA“ dabei zu sein. Neben spannenden Einblicken in die Geschichte selbst war es besonders interessant, mehr über den Entstehungsprozess des Buches zu erfahren, wie sich Ideen entwickeln, verändern und teilweise wieder verworfen wurden. „LAHEA“ hat eine atmosphärische Erzählweise. Die Welt wirkt lebendig und durchdacht, das Worldbuilding ist detailreich, ohne überladen zu sein. Man spürt beim Lesen, wie viel Feingefühl in die Gestaltung dieser Welt geflossen ist. Besonders schön fand ich, wie wichtige Themen, wie beispielsweise Zyklusernährung ganz selbstverständlich in die Handlung integriert werden. Sie stehen nicht belehrend im Vordergrund und werden nicht künstlich aufgebauscht, sondern sind Teil der Geschichte und unterbrechen nicht den Lesefluss. Ich persönlich hätte mir mehr Details zur Außenwelt gewünscht, kann aber durch das Event gut nachvollziehen, dass aus Sorge vor Logikfehlern darauf verzichtet wurde, mehr darüber zu erzählen.
Eine feministische Utopie in einer dystopischen Welt
Ein Roman der mich sehr begeistert und sich einen festen Platz im Bücherregal gesichert hat. Ich kann mir sogar gut vorstellen, ihn noch einmal zu lesen. Nachdem ich bereits am Essay der Autorin„Dunkelheit“ vor allem die utopischen Ausblicke am Ende jedes Kapitels geliebt habe, war meine Vorfreude groß, einen ganzen Roman voll davon lesen zu dürfen. Und ich wurde nicht enttäuscht. LAHEA ist eine spannende und toll erzählte feministische Utopie in einer zeitlich unbestimmten und sich irgendwie erschreckend nah anfüllenden dystopischen Welt. Allein schon dieser Widerspruch einer Utopie in einer Dystopie macht die Geschichte besonders. Hinzu kommen Elemente des magischen Realismus. Einfach wunderbar. Ich bin Lahea so gerne auf ihrer abenteuerlichen Reise über die Insel Ebria gefolgt. Lahea gehört zu der Generation, die als Kinder auf die Insel kamen. Man erfährt wenig über das genaue Warum und das Wie. Doch immer wieder ist von Umweltzerstörung, Ausbeutung der Erde, Naturkatastrophen und der Flucht vor all dem die Rede. Wie man diese wundersame und geheimnisvolle Insel Ebria gefunden hat, wird ebenfalls nicht erklärt. Doch dass diese Insel etwas ganz besonderes ist, eine verborgene Enklave, fern der restlichen Welt, wird im Laufe des Romans immer deutlicher. Schon bald kommt es unter der Elterngeneration zu einem Kampf um Leben und Tod darüber, nach welchen Grundprinzipien das Leben auf der Insel ablaufen soll. Dieser „Bürgerkrieg“ liegt mehrere Jahrzehnte in der Vergangenheit und die Frauen sind siegreich daraus hervorgegangen. Unter ihrer Führung haben sie eine nachhaltige und solidarische Gesellschaft aufgebaut, in der alle alles teilen und die Natur nicht ausgebeutet wird. Nur ihre Geheimnisse und ihre Macht haben die inzwischen älteren Frauen nicht geteilt. Nun ist es an der Zeit, die Verantwortung an die Generation der Töchter weiterzugeben. Lahea ist eine dieser Töchter. Bevor sie die Verantwortung für ihre Dorfgemeinschaft übernimmt, soll sie die ganze Insel bereisen und möglichst viele Bewohner:innen kennen lernen. Doch ist wirklich alles so wunderbar und friedvoll, wie die Älteren es allen weismachen wollen? Laheas Reise wird zu einem Abenteuer, auf der sie alles hinterfragen wird, was sie kennt und um alles kämpfen muss, was ihr wichtig ist. Doch kann sie ihre kleine Inselwelt retten und ihr eine Zukunft geben? Der Roman war ein Lesehighlight für mich. Ich kann ihn euch wirklich von Herzen empfehlen.





