
Ich hatte die erste Dilogie, die in deutscher Sprache erhältlich war, von Yudori schon verschlungen und war ziemlich fasziniert. Da musste ich natürlich auch in ihre andere Reihe reinschnuppern - und dieses Mal geht es nach Korea in die ausgehenden 1920er Jahre. Eine Zeit des Umbruchs, eine Zeit, in der Korea unter japanischer Herrschaft steht und immer mehr unter westlichen Einfluss gerät. Koreanische Sprache und Kultur werden unterdrückt. Eine spannende, brisante Zeit also! Und mitten drin folgen wir zwei Jugendlichen: Jun ist der Sohn eines gefallenen Landadligen, der gemeinsam mit seiner Mutter Zuflucht bei einem aufstrebenden Kaufmann in der Stadt gefunden hat. Dessen Tochter ist der Inbegriff einer modernen jungen Frau, die viele neidische Blicke auf sich zieht. Westlich gekleidet, westlich geschminkt, westliches Gebaren. Das sorgt dafür, dass sie nicht viele Freunde an der Schule hat. Jun hat nur eines im Kopf. Wenn er den Schulabschluss hat, will er etwas erreichen. Dafür fokussiert er sich aufs Lernen. Da die beiden unter einem Dach wohnen, bekommt Jun unweigerlich viel von Arisas Lebensweise mit. Einerseits findet er ihr Verhalten erschreckend, andererseits ist er fasziniert. Die Anziehungskraft zwischen den beiden ist spürbar. Deutlich merkt man den zentralen Konflikt, der sich sowohl durch die Beziehung der beiden Protagonisten zieht als auch durch das gesamte Korea. Die Spaltung zwischen Tradition und Moderne, zwischen westlichem Fortschritt und uralten Bräuchen wächst immer mehr und die Einwohner werden entweder in die eine oder andere Richtung gedrängt. Wut auf das Andersartige. Missgunst. Wir erleben Kinosäle, französische Küche und westliche Bildung, traditionelle Mode und die bittere Armut und Verzweiflung der Landbevölkerung auf der anderen Seite, nur um einige Beispiele zu nennen. Diese Spaltung ist packend geschrieben, spiegelt sie sich doch in den beiden Protagonisten wieder. Ich war praktisch hautnah bei ihnen. Yudori hat am Ende jedes Kapitels eine Skizzenseite eingeschoben, in der sie die damalige Mode oder die unterschiedlichen Stände noch einmal näher erklärt - für mich war das insbesondere spannend, da ich in der koreanischen Geschichte und Gebräuchen nicht so bewandert bin. Ein toller erster (vollfarbiger) Band, der eine historische Etappe von Korea beleuchtet, von der ich bisher nur am Rande etwas gehört hatte.






