Klug erzählte Mythen-Dekonstruktion mit sympathischem Menschenbild – nur ökonomisch bleibt das Fundament dünn.
Rutger Bregman vertritt in „Im Grunde gut" eine optimistische Anthropologie: Der Mensch sei von Natur aus kooperativ, nicht der zivilisatorisch nur mühsam gebändigte Egoist der „Fassadentheorie". Stark ist das Buch dort, wo Bregman populäre Belege für ein düsteres Menschenbild auseinandernimmt – vom Stanford-Prison-Experiment über Milgram bis zur wahren Geschichte der gestrandeten Jungen von ʻAta. Diese Dekonstruktion ist quellennah, gut erzählt und über weite Strecken überzeugend. Auch die praktische Pointe trägt: Vertrauen, Dezentralisierung und Selbstorganisation (etwa am Beispiel Buurtzorg) funktionieren oft besser als Steuerung und Kontrolle von oben. Etwas anders liegt der Fall, wo seine Anthropologie in Wirtschaftskritik übergeht. Eigentum, Geld und Markt erscheinen Bregman eher beiläufig als Ausdruck eines zynischen Menschenbilds – weniger als These, die er prüft, mehr als Grundhaltung, die das Buch durchzieht. Das überrascht ein wenig, weil er Adam Smith an anderer Stelle zustimmend zitiert: Dass sich Smiths Eigeninteresse und Bregmans Kooperation gerade im freiwilligen Tausch begegnen (der Markt als die größte Sphäre der Zusammenarbeit unter Fremden), läge eigentlich nah. Auch der „homo economicus", gegen den er anschreibt, ist eher ein neoklassisches Modellartefakt als das, was eine handlungstheoretisch fundierte Ökonomik je behauptet hätte: dass Menschen zweckgerichtet und nach subjektiven Werten handeln, nicht dass sie kühle Geldmaximierer sind. So sprechen seine schönsten Beispiele – spontane Ordnung von unten und gelebte Dezentralisierung – eher für als gegen den Markt; denn woher sonst sollte eine Gesellschaft wissen, was sie wo braucht? Wer das mitliest, hat ein lehrreiches, sympathisches Buch vor sich – und sieht zugleich, wo der ökonomische Unterbau dünner ist als die Erzählung.



















































