11. Apr.
Wenn Worte anfangen zu klingen
Bewertung:4

Wenn Worte anfangen zu klingen

Musik läuft. Erst leise im Hintergrund, dann plötzlich mitten im Kopf. Genau so fühlt sich dieses Buch an. Kein trockener Vortrag, sondern eher wie ein Gespräch nach Mitternacht, wenn jemand plötzlich anfängt, über Songs zu reden, die das Leben verändert haben. Zwischen Studien, Begegnungen und Beobachtungen entsteht ein ziemlich ehrlicher Blick darauf, was Musik eigentlich mit uns macht. Mal geht es um Gänsehaut, mal um Frühchenstationen, mal um Menschen, die ohne Klang irgendwie weniger sie selbst wären. Klingt groß, fühlt sich aber überraschend nah an. Während des Lesens taucht ständig der Gedanke auf, dass Musik eben nicht nur läuft, sondern wirkt. Still, unterschwellig, manchmal wie ein unsichtbarer Schubs. Manche Passagen schweifen ein wenig aus. Nicht schlimm, eher wie jemand, der beim Erzählen kurz abschweift und dann doch wieder den roten Faden findet. Dafür gibt es viele Momente, die hängen bleiben. Kleine Anekdoten, die plötzlich mehr sagen als jede Statistik. Und immer wieder dieses warme Gefühl, dass Musik mehr verbindet als jedes Argument. Kein Buch, das laut sein muss. Eher eins, das langsam lauter wird, je länger man darüber nachdenkt. Am Ende bleibt ein leiser Ohrwurm im Kopf und die Lust, sofort irgendwas aufzulegen. Vielleicht genau das größte Kompliment, das man so einem Buch machen kann.

Die Macht der Musik
Die Macht der Musikvon Ullrich FichtnerDVA