Interessante Distopie
Die Welt, die George Orwell geschaffen hat, ist spannend und schockierend. Eine komplexe Distopie, die sich viele Gedanken um die Gesellschaft und die internationalen und nationalen Machtgefüge macht. Die Partei, die alles kontrolliert, alles hört und sieht. Komplette Abschaffung des Individualismus. Komplette Unterordnung und Anpassung an die Ideologie der Partei. Es gab sehr viele interessante Themen in dem Buch und regte mich auf jeden Fall zum Nachdenken und Mitdenken an. Meiner Meinung nach hatte das Buch ein paar Längen, aber war insgesamt spannend. Das letzte Drittel war etwas hart zu lesen. Da eine Triggerwarnung: Folter. Das Buch ist wahrscheinlich immer relevant, da es verschiedene Strategien aufzeigt, wie Macht und Kontrolle immer wieder politisch oder auch in Sekten ausgeübt werden. Die Idealisierung der Gruppe oder Person an der Macht, die Verfolgung aller Gegner, Abschaffung der Meinungsfreiheit, das Etablieren des eigenen Vokabulars, ein klares und simples Feindbild, die Isolation von jeden äußeren Kontakten und Informationen usw. Mich hätte in diesem Buch aber noch ein tieferer Einblick in das Leben der Proles interessiert. Wie sehr ist ihr Leben wirklich von der Partei beeinflusst im Vergleich zu den Parteimitgliedern. Sie scheinten gar nicht so stark überwacht. Deswegen würde mich interessieren, wie sich ihre Gedanken unterscheiden. ++Spoiler zu bestimmten Themen++ Mit dem Konzept des Doppeldenk zeigt George Orwell gut über wie viele Hürden man oft springen muss, um der Ideologie komplett zu verfallen. Aber weil die Manipulation gut funktioniert und die drohenden Folgen noch schwerer zu ertragen sind, wird es ein Leichtes sich diesem Doppeldenk unterzuordnen. Dies findet man, wo komplette Unterordnung gefordert ist. Spannend sich in dieses Konzept reinzudenken. Das Thema der Verfälschung der Vergangenheit fand ich sehr interessant. Die Partei kontrolliert die geschichtlichen Aufzeichnungen und vernichtet alles, was nicht in ihre Erzählungen passt. Es zeigt, dass ohne Aufzeichnungen aus der Vergangenheit, die Aufarbeitung der Geschichte eine sehr subjektive Angelegenheit ist. Und auch historische Aufzeichnungen sind natürlich nicht komplett objektiv verfasst worden, sondern stellen eine bestimmte Position aus der Vergangenheit dar. Durch einige Aspekte merkt man die Perspektive kurz nach dem 2.WK, aus der das Buch geschrieben wurde. Einmal durch das Bild der Frau. Eigentlich scheinen Frauen und Männer in der Gesellschaft 1984 gleichgestellt zu sein, da beide der Partei untergeordnete Zahnräder sind, die zu funktionieren und sich unterzuordnen haben. Trotzdem spürt man wie sehr der Protagonist vor allem am Anfang Frauen hasst und Gewalt- und Vergewaltigungsphantasien ihnen gegenüber hegt. Dies ist natürlich in der Szene angefeuert durch die Hassminuten. Aber auch, dass seine spätere Geliebte, dies eher lustig findet und selber zugibt Frauen nicht zu mögen als sie von ihrem Heim erzählt, zeigt, dass dies nicht der einzige Grund für eine solche Sicht in dem Buch ist. Auch, dass sie keine Aufmerksamkeit von O'Brien bekommt und sie den Protagonisten bittet ihr das erhaltene Buch zu erklären und kaum Interesse daran zeigt, obwohl sie ja als intelligent beschrieben wurde, die Partei hasste und mehr im kleinen rebellierte als er, fand ich komisch. Die Liebe zwischen den beiden, war für mich auch nicht ganz nachvollziehbar. Die Beziehung wirkte eher auf das Körperliche und die Gemeinsamkeit der Rebellion basiert, als auf echter Liebe. Als zweites denke ich, kann man inzwischen sagen, dass die Prämisse, dass der steigende allgemeine Wohlstand zur Abschaffung der Hierarchie in der Gesellschaft führe, sich als unrealistisch herausgestellt hat. Hier muss man eben die Perspektive der Nachkriegszeit und des immer steigenden technologischen Fortschritts beachten. Ich fand diese Sicht tatsächlich sehr interessant. Nicht ganz verstanden habe ich, warum die Gedankenpolizei so lange gewartet hat, um Winston festzunehmen, da sie schon lange wussten, dass er sich nicht konform verhielt. Und warum hat er extra noch das Buch von O'Brien bekommen? Als das Buch von O'Brien vorgestellt wurde, fühlte ich mich etwas in mein Studium der Interntionalen Beziehungen versetzt. Die Gedanken, die sich der Autor hier gemacht hat, fand ich sehr interessant.






















































