22. Sept.
Bewertung:5

„Eines der schwersten Entscheidungen im Leben ist, zu wählen, ob man loslassen oder noch härter kämpfen soll.“ Ein Kalenderspruch, ja, das stimmt – und doch auch der Ton, in dem Jente Posthuma ihr leises Meisterwerk komponiert. Posthuma montiert Erinnerungsfragmente einer Schwester, deren Bruder Suizid beging, mit den Namen von Trump, Madoff oder gar Goebbels – ein irritierendes Verfahren, das sich als geniale Projektion erweist: private Verzweiflung verschmilzt mit globaler Ohnmacht, bis beides ununterscheidbar wird. Die Erzählung folgt keiner linearen Entwicklung. Sie schreibt nicht nur über den Schmerz der Erinnerung, sie lässt uns erfahren: brüchig, assoziativ, grotesk, schmerzhaft und sehr berührend. Die absurden Gegensätze zwischen banalen Alltagsszenen – fein, lakonisch – und der Wucht von Trauer und Verlust hatten auf mich eine unfassbar starke Wirkung und machen aus meiner Sicht die eigentliche Kraft dieses Buches aus. Das Banale erdet das Unfassbare, und umgekehrt wird das Alltägliche durch die Trauer bis ins Groteske überhöht. „Ich wusste erst, wie viel Angst ich gehabt hatte, als die Angst vorbei war, als mein Bruder sich ertränkt hatte.“ - Dieses Loslassen habe selbst ich gefühlt. Ein Roman, der Trauer, Schuld und Verzweiflung literarisch großartig verdichtet – leichtfüßig und schwer zugleich.

Woran ich lieber nicht denke
Woran ich lieber nicht denkevon Jente PosthumaLuchterhand
7. Mai
Konnte mich nicht ganz überzeugen!
Bewertung:3

Konnte mich nicht ganz überzeugen!

Als die Protagonistin ihren Zwillingsbruder durch Suizid verliert, verliert sie ihren Halt. Sie orientierte sich immer an ihren Bruder, wollte ihn immer nahe sein und muss sich nun die Frage stellen, wer sie ohne ihn ist. In kurzen Kapiteln erzählt die Ich-Erzählerin aus dem Leben mit ihrem Bruder, ohne Dramatik, dennoch vermitteln sie gut das Gefühl der Trauer und die Schuldgefühle die sie plagen. Auch wenn die Trauer gut rüberkommt und die Darstellung des ganzen Trauerprozesses gut umgesetzt wurde, hat mir etwas gefehlt und mir fehlte der Zugang, um mich wirklich tief berühren zu können.

Woran ich lieber nicht denke
Woran ich lieber nicht denkevon Jente PosthumaLuchterhand
6. Mai
Bewertung:5

Leseerlebnis über Trauer und Identität, gekonnt verwebt mit einer Prise Humor und Tragik.

Ganz große Leseempfehlung von Herzen! ✨ war nominiert für den Literaturpreis der Europäischen Union, Shortlist des International Booker Prize 2024. EINE JUNGE FRAU VERLIERT IHREN ZWILLINGSBRUDER. WER IST SIE OHNE IHN? Worum geht’s? Zwillingsbeziehung, Depression, Trauer, Suizid, Selbstfindung „Auch Virginia Woolf hatte einen Pelzmantel angezogen, wusste ich. Sie füllte die Taschen mit Steinen und ertränkte sich im Fluss. Wie mein Bruder, aber das wusste ich damals noch nicht.“ Mein Leseeindruck: Jente Posthuma schreibt in präzisen Szenen subtil, ergreifend, melancholisch sanft, über eine Trauer, die nach dem Tod eines geliebten Menschen, den Zwillingsbruder, an den die Protagonistin immer als erstes gedacht hat. Eine Trauer und Einsamkeit, die nicht weichen will. Ein Ringen um ein Verständnis, die die Einsamkeit und Trauer noch vertieft. Ich sah dieses schön gestaltete Buch, hier auf Instagram und wusste sofort, das ist etwas für mich und so war es auch. Ein weiterer sehr gelungener Roman einer niederländischen Autorin! Fazit: Ein tief bewegendes Leseerlebnis über Trauer und Identität, gekonnt verwebt mit einer Prise Humor und Tragik. Ein authentisches Buch, das noch lange nachhallt!

Woran ich lieber nicht denke
Woran ich lieber nicht denkevon Jente PosthumaLuchterhand
1. Mai
Einfühlsam und herausfordernd
Bewertung:3

Einfühlsam und herausfordernd

In Woran ich lieber nicht denke erzählt Jente Posthuma aus der Perspektive einer Zwillingsschwester, die den Suizid ihres Bruders zu verarbeiten versucht. Dabei taucht sie tief in Erinnerungen, gemeinsame Kindheitserlebnisse und die komplexe Geschwisterbeziehung ein. Rezension: Der Roman ist weniger eine lineare Erzählung als vielmehr ein Mosaik aus Gedankenfetzen, Momentaufnahmen und inneren Monologen, die sich wie sprunghafte Gedankengänge der Protagonistin anfühlen. Gerade dieser fragmentarische Stil macht das Buch besonders literarisch – und gleichzeitig herausfordernd. Für mich war die Sprache stellenweise schwer zugänglich, ich konnte mich nicht immer in die Erzählweise einfinden. Dennoch hat mich die emotionale Tiefe und die subtile, oft nüchterne Darstellung von Trauer und Erinnerung sehr berührt. Es ist ein leises, eindringliches Buch, das nicht alles erklärt, sondern Raum lässt – für Interpretation, für eigene Gedanken, für das, woran man vielleicht auch lieber nicht denkt.

Woran ich lieber nicht denke
Woran ich lieber nicht denkevon Jente PosthumaLuchterhand
14. Apr.
Post image
Bewertung:4

Woran ich lieber nicht denke von Jente Posthuma. Übersetzung aus dem Niederländischen von Andreas Ecke „Ein deutsches Wort für Suizid ist Freitod. Ein freier Tod. Ein Leben, das in ihren Augen nichts wert war …“ Jente Posthumas „Woran ich lieber nicht denke“ ist ein literarisches Werk, das in schlichten, aber intensiven Miniaturen eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Trauer, Verlust und Identität präsentiert. Die Geschichte folgt einer Frau, die immer wieder an ihren Zwillingsbruder denkt – nicht nur in den entscheidenden Momenten des Lebens, sondern in den alltäglichen, oft banalen, Situationen. Gleich zu Beginn der Geschichte erfahren wir, dass der Zwillingsbruder Suizid begangen hat. In Rückblenden schildert die Protagonistin von Augenblicken ihrer Kindheit und vom traumatischen Moment, als der Vater die Familie verlässt. Es ist eine ganz besondere Beziehung zwischen Bruder und Schwester, die hier skizziert wird. Doch mit dem Erwachsenwerden entfremden sich die beiden Geschwister immer mehr bis es schließlich zu diesen schicksalhaften Tag kommt, der das Leben der Schwester für immer verändern wird. Ein besonders eindrucksvoller Moment im Roman ist die reflexive Verbindung zu Virginia Woolf und der Trauer, die auch sie in ihrer Literatur und ihrem Leben trug. Die Parallele, die die Erzählerin zwischen dem tragischen Ende ihres Bruders und Woolfs eigenen Suizid zieht, macht das Buch zu einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir mit Verlust umgehen und wie dieser Verlust unsere Wahrnehmung von uns selbst prägt. „Auch Virginia Woolf hatte einen Pelzmantel angezogen, wusste ich. Sie füllte die Taschen mit Steinen und ertränkte sich in einem Fluss. Wie mein Bruder, aber das wusste ich damals noch nicht.“ Jente Posthuma gelingt es, mit feiner Hand und viel Gefühl eine Geschichte zu weben, die gleichermaßen von Tragik und Humor durchzogen ist. Die Trauer, die die Protagonistin empfindet, wird zu einer allgegenwärtigen Begleiterin, die sich in jede Faser ihres Lebens einmischt – sei es bei den einfachen Handlungen des Alltags oder in der intensiven Beschäftigung mit Literatur, wie bei ihrem Lesen von Sylvia Plath und Virginia Woolf. Der Verlust des Zwillingsbruders, der wie ein ewiger Schatten auf der Erzählerin lastet, wird dabei nicht nur als emotionaler Schmerz beschrieben, sondern auch als eine existenzielle Frage nach der eigenen Identität und dem Platz in der Welt. Die Sprache, die Posthuma wählt, ist präzise und poetisch, fast schon lapidar in ihrer Art, die Tragik zu vermitteln. Sie verzichtet auf melodramatische Übertreibungen und lässt die Emotionen oft im Stillen wirken. In der scheinbaren Leichtigkeit ihrer Erzählweise zeigt sich eine tiefe Melancholie, die sich über die Seiten zieht, während der überraschende Humor, der gelegentlich aufblitzt, den Schmerz der Erzählerin für einen Moment mildert. Der Roman lebt von seiner subtilen, fast meditativen Erzählweise, die das zentrale Thema der Trauer und der damit verbundenen Reflexion über die eigene Identität in den Vordergrund stellt. „Woran ich lieber nicht denke“ ist ein Buch, das leise, aber kraftvoll die Tiefen menschlicher Emotionen erforscht und die Leser*innen dazu einlädt, über das eigene Verhältnis zu Verlust und Erinnerung nachzudenken. „Woran ich lieber nicht denke“ ist ein bewegender, nachdenklich stimmender Roman, der uns zeigt, dass Trauer nicht nur eine Last, sondern auch eine unerklärliche Nähe zum verlorenen Menschen schaffen kann. Jente Posthuma hat ein Werk geschaffen, das sowohl literarisch als auch emotional berührt. Der Roman war übrigens für den Literaturpreis der Europäischen Union nominiert und stand auf der Shortlist des International Booker Prize 2024. Eine Leseempfehlung. 4/5 ⭐️⭐️⭐️⭐️

Woran ich lieber nicht denke
Woran ich lieber nicht denkevon Jente PosthumaLuchterhand
6. Apr.
Bewertung:3

Ich weiss nicht genau, was ich von dieser Geschichte halten soll. Ich habe das Buch sehr schnell gelesen. Die Gleichgültigkeit und gleichzeitige Trauer im Ton der Protagonistin war faszinierend. Ich denke, dass man das Buch mehrmals lesen muss, um es besser durchblicken zu können. Beeindruckend war für mich, wie es die Autorin geschafft hat, in so kurzen, knappen Sätzen und Kapiteln, so viel zu sagen. „Woran ich lieber nicht denke“ ist ein besonderes Leseerlebnis, das nachdenklich stimmt.

Woran ich lieber nicht denke
Woran ich lieber nicht denkevon Jente PosthumaLuchterhand
8. März
Bewertung:5

Eine fast fragmentarische Textsammlung über die Erinnerungen an den geliebten Zwillingsbruder, der sich auf die gleiche Weise wie Virginia Woolf das Leben nahm. Wer ist die Ich-Erzählerin überhaupt ohne ihren Bruder? Und hat der Verlust schon längst vor seinem Suizid begonnen? Ich war schon nach wenigen Seiten den melancholischen Vibes der Erzählerin verfallen. Kurze Kapitel, kurze Sätze und trotzdem große Gefühle. Ich hab‘s geliebt!

Woran ich lieber nicht denke
Woran ich lieber nicht denkevon Jente PosthumaLuchterhand
26. Feb.
Klare Empfehlung für alle, die ruhige, aber eindringliche Bücher mögen – und Geschichten, die zeigen, dass Trauer kein geradliniger Prozess ist.
Bewertung:5

Klare Empfehlung für alle, die ruhige, aber eindringliche Bücher mögen – und Geschichten, die zeigen, dass Trauer kein geradliniger Prozess ist.

„Woran ich lieber nicht denke“ fühlt sich an wie eine Sammlung von Erinnerungen – Bruchstücke eines Lebens, das plötzlich fehlt. Die Erzählerin verliert ihren Zwillingsbruder durch Suizid und versucht zu verstehen, warum. Gleichzeitig muss sie lernen, ohne ihn weiterzumachen. Doch das ist nicht so einfach, denn sie war immer sein Schatten – der Bruder war klüger, charismatischer, besser in allem. Aber hinter der perfekten Fassade war er längst zerbrochen. Sein Desinteresse am Leben? Kein Geheimnis. Während sie langsam ihren eigenen Weg findet, zieht er sich immer mehr zurück. Obwohl er nur gegenüber wohnt, meldet er sich kaum noch. Sie baut sich etwas auf – er verliert sich. Besonders spannend fand ich, wie wir seine Entwicklung durch ihre Augen sehen. Wie sie erst nach seinem Tod begreift, wie schlecht es ihm wirklich ging. Wie abhängig sie eigentlich von ihm war. Manche Kapitel waren richtig langweilig – und genau das mochte ich. Weil das Leben halt manchmal langweilig ist. Die Erzählerin denkt ständig an ihren Bruder, egal wie banal ihr Alltag ist. Jente Posthuma schreibt unaufgeregt, aber tiefgehend. Ich habe das Buch verschlungen, obwohl ich mir im Nachhinein gewünscht hätte, langsamer zu lesen. Denn obwohl wenig gesagt wird, steckt in jeder Zeile so viel.

Woran ich lieber nicht denke
Woran ich lieber nicht denkevon Jente PosthumaLuchterhand