22. Apr.
Bewertung:5

Zart, einzigartig, von Hoffnung durchzogen

Dieser zweigeteilte Roman nimmt den Leser/die Leserin mit auf eine ganz eigene, teils einsame Reise in kalte Landschaften, in die Zukunft, in die Schweiz und ins historische Chicago 1893. Die Aufteilung der Handlung spiegelt sich in der Erzählweise wider. Im ersten Part reist die Protagonistin nach einem Kometeneinschlag durch den Weltraum und landet allein in einer fremden Eiswüste. Die Sprache beleuchtet sehr ruhig und träumerisch die Kälte, die Einsamkeit, die Rückblenden zur Kindheit mit grönländischen Vorfahren und Erlebnissen. Stavarič flechtet viele Begriffe der Inuit-Sprache Inuktitut ein und verleiht Schnee und existenziellen Ängsten eine bereichernde neue Perspektive, die nachvollziehbar und sehr fern zugleich ist.. „Bei den Inuit hieß das Papier titiraakhaq, ‚ein dünnes Eis, das nicht wegschmilzt, weil es sich warm anfühlt‘, eine Formulierung, die keinen weiter verwundern dürfte, wo doch die alten Völker schon vor Jahrtausenden ihre ersten Zeichen ins Eis geritzt und diese allmählich verschriftlicht hatten.“ Der zweite Teil spielt Ende des 19. Jahrhunderts und lässt die neu eingeführten Personen deutlich mehr erleben und interagieren. Die poetischen Feinheiten in der Formulierungen nehmen ab und machen Platz für eine zügige, weniger abstrakte Handlung. Alles in allem ein ganz besonderes, substanzielles Buch, das historische Wurzeln und Aufbruch in eine ungewisse Zukunft formvollendet verknüpft. (Und das hat man auch nicht häufig: Mit einer vom Autor kuratierten niedergeschriebenen Playlist im Anhang für die perfekte musikalische Klammer) „Ich war nicht einfach allein,[…] ich war die letzte, noch zu erzählende Geschichte der Menschheit.“

Fremdes Licht
Fremdes Lichtvon Michael StavaričLuchterhand
18. Apr.
Bewertung:4

Dieser lange Roman (knapp 500 Seiten) hat mich beeindruckt, ist aber nicht weder leicht noch in einem Rutsch zu lesen. Den Schreibstil fand ich nicht einfach und sehr bildgewaltig - ich habe eine Weile gebraucht, bis ich in das Buch hineingefunden hatte. Im Prinzip besteht das Buch aus 2 Teilen. Einer ist dystopisch und spielt im 24. Jahrhundert, der andere Teil ist historisch und im 19. Jahrhundert angesiedelt. Beide Teile handeln von jeweils einer Frau, die Frau im historischen Teil ist eine Vorfahrin der anderen. Ich will gar nicht viel von der Story verraten, da ich nicht spoilern will aber ich fand es beeindruckend, wie der historische Teil in den Zukunftsteil "hineingeflossen" ist. Wir erleben die Geschichte im 24. Jahrhundert und verfolgen zeitgleich die historische Geschichte, die aber auch irgendwie die Grundlage der anderen ist. Klingt etwas kompliziert? Ist es zum Teil auch. Aber es ist auch faszinierend. Und durch den Schreibstil des Autors wird man hineingezogen in diese Welt aus Kälte, Eis und Einsamkeit und in zwei Überlebenskämpfe. Auch wenn es keine leichte Lektüre war, hat es mir gefallen!

Fremdes Licht
Fremdes Lichtvon Michael StavaričLuchterhand