7. Juni
Bewertung:4

Lucile (Großmutter von Lisa), Marie (Mutter von Lisa) und Lisa erzählen in Couscous mit Zimt ihre Geschichte. Lisa kehrt in die Wohnung in Paris zurück, da die ihre Großmutter und ihre Mutter verstorben sind und sie die Wohnung geerbt hat. Die Geschichte von Französinnen in Tunesien, die zurück nach Frankreich gingen und dann dort versuchen ein Leben in Europa aufzubauen, ist voller Schmerz und einem kleinen Glück. Contenwarnung: Gewalt, sexuelle Übergriffe und Abtreibung

Couscous mit Zimt
Couscous mit Zimtvon Elsa KoesterFrankfurter Verlagsanstalt
21. Apr.
Bewertung:4

die hauptfigur, lisa, erbt die wohnung ihrer verstorbenen großmutter in paris, und außerdem die komplexe familiengeschichte, geheimnisse, schuldgefühle und erinnerungen... das buch war für mich ganz und gar nicht einfach zu lesen, aber es hat sich so sehr gelohnt. die unterschiedlichen stimmen, die komplizierten beziehungen, die fragen nach identität und umgang mit geschichte - das alles hat 'couscous mit zimt' für mich unglaublich lesenswert gemacht und ich kann es nur empfehlen! über pied noirs in frankreich habe ich persönlich auch noch nie ein buch gelesen. und queere figuren, die einfach queer sind und wo es nicht im fokus der handlung steht, brauchen wir sowieso noch viele viele mehr!

Couscous mit Zimt
Couscous mit Zimtvon Elsa KoesterFrankfurter Verlagsanstalt
20. Okt.
Bewertung:3

Habt ihr schon mal was von den Pied Noir gehört? Ich bisher auch nicht! Doch ihre Geschichte ist es wert erzählt zu werden! Ein Buch über eine Französisch-Tunesische Kolonialgeschichte im Gewand 3er Frauen aus 3 Generationen. Lucille lebte bis an ihr Lebensende in Paris in ihrer Wohnung, sie hat ihre glücklichsten Jahre aber in Tunesien verbracht und kam als Witwe mit ihrer kleinen Tochter zurück nach Frankreich. Ihre Enkelin Lisa in der Gegenwart muss diese Wohnung nun auflösen nachdem Lucille verstorben ist. Was sie dort alles findet und welche Geschichten in der Rückschau erzählt werden müsst ihr selbst entdecken. Ich fand das Buch athmosphärisch und gut erzählt vom Schreibstil. Nicht alle Protagonistinnen waren mir gleich sympathisch, aber das muss auch nicht immer sein. So wirkte es natürlicher und "echter". Eine tiefe Familiengeschichte voller Sehnsucht, Identitätsfindung und Heimatlosigkeit mit dem Fokus Tunesien und Frankreich.

Couscous mit Zimt
Couscous mit Zimtvon Elsa KoesterFrankfurter Verlagsanstalt
23. Sept.
Bewertung:2

Ich muss zugeben, dieser Roman hatte es spätestens ab dem Moment schwer, als mir klar wurde, dass hier wieder einmal Schuldzuweisungen von Töchtern an Mütter im Mittelpunkt stehen. Dieser Rückzug auf "Meine Mutter ist an meinem verkorksten Leben schuld" und das gebe ich auch so an die nachfolgenden Generationen weiter, ist zwar psychologisch gesehen nicht aus der Luft gegriffen, mir als Romanthema aber zu wenig und als Grundlage einer Figurenkonzeption zu einfach und vor allem nervend, da es meistens - und leider auch hier - damit endet, dass alle Töchterfiguren sich zu hysterischen, ewig weiter pubertierenden, lamentierenden und sich selbst bemitleidenden Frauen entwickeln. Ja, die Mamie dieser Geschichte ist schon ein ziemlicher Besen, streitsüchtig, egoistisch, die Töchter auf jeder Ebene missbrauchend, unversöhnlich, gefühlskalt und herrisch, aber warum sie so ist - das wird nicht erwähnt und hätte mich schon noch interessiert. Stattdessen wird Mamie zum Dämon der Geschichte, der auch die erwachsenen Töchter noch beherrscht und bis in den Tod verfolgt. Die zweite Generation, Marie, hat eine ungleich schöne Erzählstimme, wenn ihre Perspektive zu Wort kommt, und man entdeckt in ihr eine einfühlsame, aufstrebende Seele, die aber weder von ihrer Tochter Lisa, mit deren Erziehung Marie heillos überfordert zu sein scheint, wahrgenommen wird, noch von ihrer Schwester Solange, die - warum auch immer - im Erwachsenenalter die Sichtweise der bösen Mutter Mamie auf Marie übernimmt. Was dem Roman durch diese Figurenkonstellation gelingt, ist die Sichtbarmachung der Tatsache, dass es nie möglich sein wird, andere wirklich zu erkennen - selbst innerhalb der Familie, bleibt man sich letztlich fremd. Stattdessen sind es eher die familiären Wurzeln, das Aufeinanderfolgen von Generationen, das Verbindung stiftet und Heimat gibt. Ein, wie ich finde, schöner Gedanke. Es ist sicherlich ein absoluter Pluspunkt des Romans diese Note einzuflechten. Die Verbindung zwischen Gewesenem und Neuem will von der Autorin auch stilistisch eingebunden werden, indem sie zahlreiche Wörter und Satzteile immer wieder in unmittelbarer Nähe nochmals aufnimmt und wiederholt - S. 192 mag als einer der Höhepunkte dieses anstrengenden und enervierenden Stils gelten. Das ist zwischendurch mal ganz nett - aber in dieser Frequenz funktioniert es nicht, sondern stört. Schwierig finde ich auch die zahlreichen politischen Einlassungen und Statements. Sicher sind weder Kolonialisierungspolitik noch der Umgang mit Geflüchteten bei einem solchen Roman als Kontext unverzichtbar, aber eine elegantere Einbindung in den Handlungszusammenhang und vor allem ein dosierter Einsatz wären sehr wünschenswert gewesen. Wenn ich es zusammenfasse, läuft es hierauf hinaus: Ich mag das Cover sehr und finde den Titel großartig, das Ende des Romans ist richtig toll und sehr gelungen. Von der Dämonisierung alter Frauen, von hysterischen Frauen in der Mitte des Lebens und orientierungslosen jüngeren Frauen, politischen Einlassungen und stilistisch enervierenden Wiederholungen habe ich vorerst genug. Wer David Grosmans Was Nina wusste mochte, wird hier eine Heimat finden, wer wie ich dem Roman wenig abgewinnen konnte, wird auch mit Couscous mit Zimt seine Schwierigkeiten haben.

Couscous mit Zimt
Couscous mit Zimtvon Elsa KoesterFrankfurter Verlagsanstalt
30. Dez.
Bewertung:3

Ein interessantes Portrait dreier Generationen von Frauen: Die Großmutter lebt zunächst mit ihrer Familie in Tunesien, kehrt dann aber als pied-noir im Zuge der Unabhängigkeitsbewegungen in den Kolonien zurück nach Frankreich. Ihre Tochter erlebt den Mai 68 in Paris, hat zahlreiche Probleme mit der Art ihrer Mutter, was schließlich zu einem Bruch führt, sodass sie mit ihrer Tochter wiederum in Berlin lebt. Die Jugend- und Studienjahre der Mutter sowie die Zeit ihrer Tochter in Paris sind die beiden hauptsächlichen Zeitebenen - es werden die Ereignisse von 68 mit den nuits debouts parallelisiert. Insgesamt ein schönes Buch mit interessanten Persönlichkeiten und Einblicken in verschiedene Epochen der hauptsächlich französischen Geschichte. Elsa Koester gelingt ein interessantes, lesenswertes Buch. Dass es für mich trotzdem nur 3 Sterne geworden sind, liegt daran, dass mich das Buch trotz allem nicht so recht fesseln konnte, immer wieder habe ich über mehrere Tage nicht weitergelesen. Vor allem die frühere Zeitebene hatte für mich einfach Längen. Trotzdem kann es gut sein, dass ich zugreife, wenn Elsa Koester wieder ein Buch veröffentlicht. Eine junge Autorin, die hier ihr Debut schreibt, steigert sich ja auf einer guten Grundlage noch weiter. 3-3,5/5

Couscous mit Zimt
Couscous mit Zimtvon Elsa KoesterFrankfurter Verlagsanstalt