12. Nov.
Bewertung:5

Die wildeste, fabulierfreudigste Erzählung dieses Bandes sind "Die vertauschten Köpfe". Zum Schreien komisch die Begegnung zwischen Sita und der Göttin, die ihr im pragmatischen Tonfall den Auftrag zur Reanimation der beiden Männer gibt. Die Mose-Erzählung ganz im altorientalischen Schwung der Josephs-Romane geschrieben. Nicht ganz gelungen für meine Begriffe die ironische Darstellung der Mose-Figur: Sie erscheint am Ende doch auf der Grenze zur Possierlichkeit, ja Lächerlichkeit, mit ihren weit stehenden Augen, dem Stottern und Fäusteschütteln und – vor allem anderen – dem Schwanken zwischen religiösem Eifer und Selbstbetrug. Das alles zu machen mit der Gründungsfigur des Judentums gerade in dieser Zeit ist doch recht bedenklich. Schließlich "Die Betrogene". Die schwächste Erzählung unter den drei und überhaupt einer der schwächeren von Thomas Mann. Der novellistische Charakter zwar durchaus schön herausgearbeitet, aber die Konversationen zwischen Mutter und Tochter ziehen sich gehörig. Deutliche Straffung hätte gut getan.

Sämtliche Erzählungen in vier Bänden: Die Betrogene
Sämtliche Erzählungen in vier Bänden: Die Betrogenevon Thomas MannFISCHER Taschenbuch