Haruko – Ein Leben für die Tiere wird von Carlsen Manga überraschenderweise als Comedy-Manga kategorisiert, wobei ich persönlich ihn deutlich als Slice-of-Life-Manga beschreiben würde. Ich hatte zwar eine ruhige Geschichte erwartet, aber wie emotional und gleichzeitig authentisch sich der Alltag im Zoo anfühlt, hätte ich ehrlich gesagt so nicht erwartet. Was mir direkt positiv aufgefallen ist, dass der Manga Tiere nicht einfach nur „süß“ darstellt. Gerade die ersten Kapitel machen schnell klar, dass die Arbeit als Tierpflegerin eben nicht nur aus Tiere streicheln besteht. Haruko geht voller Euphorie in ihren neuen Job im Hidamari-Zoo, merkt aber ziemlich schnell, wie schwierig der Umgang mit den Tieren eigentlich ist. Viele reagieren scheu oder aggressiv und selbst kleine Fehler können ernste Konsequenzen haben. Dadurch wirkt die ganze Geschichte bodenständig. Besonders stark fand ich die Szene rund um den Löwen-Ausbruch. Dass Haruko aus Nervosität vergisst das Gehege richtig zu sichern und danach plötzlich die Möglichkeit im Raum steht, dass der Löwe erschossen werden könnte, hat der Geschichte sofort eine viel ernstere Stimmung gegeben. Genau dadurch merkt man aber auch, wie sehr ihr die Tiere wirklich am Herzen liegen. Sie handelt oft impulsiv und manchmal etwas tollpatschig, aber ihre Gefühle wirken immer ehrlich. Auch die ganze Handlung um die Elefantendame Sumire mochte ich extrem. Dass Sumire seit dem Wechsel der Zooleitung niemanden mehr an sich heranlässt und Haruko dann ausgerechnet die Aufgabe bekommt, ihr Vertrauen zurückzugewinnen, war emotional wahrscheinlich mein Lieblingspart des Bandes. Vor allem weil der Manga dabei sehr schön zeigt, dass Tiere ebenfalls auf Veränderungen, Verlust oder Einsamkeit reagieren können. Was für mich zusätzlich viel ausmacht, sind die Zeichnungen. Die Tiere wirken erstaunlich realistisch und haben teilweise unglaublich starke Gesichtsausdrücke, ohne vermenschlicht zu werden. Gerade bei Sumire oder auch den Giraffen merkt man richtig, wie viel Persönlichkeit allein über die Bilder transportiert wird. Allgemein erzählt der Manga oft sehr ruhig über Blicke, Körpersprache und kleine Momente und genau sowas liebe ich persönlich total. Haruko ist keine perfekte Protagonistin, sondern eher jemand, der sich ständig unsicher fühlt, Fehler macht und trotzdem nicht aufgibt. Dadurch wirkt ihre Entwicklung umso greifbarer. Für mich war Band 1 ein schöner Einstieg. Wer Slice of Life, Tiergeschichten oder allgemein ruhigere Manga mit emotionalerem Fokus mag, sollte hier mal reinschauen. Bin mal gespannt, was hier in 4 Bänden insgesamt erzählt wird.
1. Juni3 Tage vor
Haruko − Ein Leben für die Tiere 1von Saku YamauraCarlsen

