8. Jan.

Da dies ein biographischen Werk ist, möchte ich keine Punktebewertung abgeben - aber eine große Empfehlung für alle, die gern von Menschen lesen, die schwierige Lebenssituationen meistern müssen. Unbeschönigt und nüchtern erzählt die Autorin ihre Geschichte. Sie berichtet chronologisch, mit kleinen wissenschaftlichen Ergänzungen aus der Sucht- und Coabhäbgigkeit, weist auf Hilfsabgebote hin und zeigt, wieso es für Heranwachsende und auch Erwachsene so schwer ist, sich aus den Kreisläufen von Coabhängigkeit und Unterdrückung in der Partnerschaft zu befreien. Wie in einem Lebenslauf erzählt sie, wie sie in Hamburg 1968 als späte Tochter in eine Familie mit alkoholabhängigen Eltern geboren wird. Es ist erschüttert zu lesen, wie sie damit überwiegend allein fertig werden muss. Sie erzählt von Scham, Armut, Hilflosigkeit. Aber auch von Liebe zu den Eltern und Brüdern, von Befreiung und Mustern, denen sie auch als erwachsene Frau verfällt. Und von Stärke, Tatkraft und Hoffnung. Ein Buch, das sich leicht liest, obwohl schwierige Themen zugrundeliegen, das Mitgefühl und Verständnis weckt und das aufzeigt, wie schwer Abhängigkeit und Co-Abhängigkeit zu überwinden sind. Das aber auch Hoffnung macht. Ich habe diesen Lebensbericht gern gelesen und wünsche dem Buch viele aufmerksame Leser.

Säuferkind
Säuferkindvon Cornelia HoppeUllstein Taschenbuch Verlag