“Kibogos Himmelfahrt” von Scholastique Mukasonga (ins Deutsche übersetzt von Jan Schönherr) erzählt in vier Kapiteln, die miteinander verwoben sind, anhand eines kleinen Dorfs in den Bergen die Geschichte Ruandas in den 1930ern-1950ern und die christliche Missionierung durch die Kolonialherren im Land, aufgehängt am Mythos von Kibogo, der bei der Beschwörung des Regens gen Himmel gefahren sein soll. Immer wieder vermischen sich, fehlender schriftlicher Aufzeichnungen geschuldet, Legenden und reale Ereignisse in der Erinnerung der Menschen. Der Autorin gelingt es, die grundlegenden politischen und religiösen Gegebenheiten im Land und die Unterdrückung der Bevölkerung ganz leicht und verständlich zu umreißen und in die Erzählungen einzubetten. Es macht Spaß, in diesen Mikrokosmos einzutauchen und den mit viel Witz geschilderten Ereignissen, von denen am Ende niemand mehr so genau weiß, was wie genau passiert ist, was christlich und was regionaler Aberglaube.
Als Ethnologin geht mir hier wirklich ein Herz auf. So eine spannende Sammlung und Aufbereitung eines alten Mythos, der für ein sehr breites Publikum zugänglich gemacht wird. Die Namen haben mich etwas verwirrt und ich musste überlegen wer das wann war. Dennoch hat mich das Buch sehr gut gefesselt und auch durch die "Kürze" sehr zu empfehlen. Man bekommt einen guten Einblick und die Geschichte ist auch spannend erzählt.

Ein Glossar wäre hilfreich gewesen
Beim Lesen dieses Romans, musste ich mich fast schämen. Es wird über die "Weißen" berichtet, die Ruanda ins Chaos gestürzt haben. Da kann man sich nur als "Weißer" schämen, dass es das eigene Volk war, was ein anderes zerstört hat. Besonders unsere religiösen Menschen, sollten sich in Grund und Boden schämen. Fast wäre eine ganze Kultur ausgelöscht worden wegen uns. Doch man sieht, dass die Sagen und Mythen überdauert haben, sonst könnte die Autorin sie nicht so schön wiedergeben. Es war schön über die Legenden zu lesen und über traditionelles Essen der Ruander. Manche afrikanische Begriffe konnte ich mir nur bedingt merken, da hätte ich mir einen Glossar vom Verlag gewünscht, den es nicht gab. Weder hinten im Buch, noch in den Fußzeilen, sehr schade. Ich empfehle dieses Werk unbedingt zu lesen, denn es erzählt die Geschichte eines Landes, was um seine Identität gekämpft hat. Mit vier Kurzgeschichten, die zusammenhängen, nimmt uns die Autorin auf eine kulturelle Reise mit.


