5. März
Bewertung:5

"Hätte sie gekonnt, die feindlichen Armeen wären auf ihre Veranlassung sofort dem Feuertod überliefert worden. Alles wegen des Landes im Osten. Dabei vermochte sie einem Fremden niemals ein böses Wort zu sagen. Kam ein Handwerker nicht zur verabredeten Stunde, so bedrohte sie ihn bis zu dem Augenblick, in dem er an der Haustüre schellte. Wenn er dann vor ihr im Korridor stand, bemerkte sie höchstens, dass er sich vermutlich in der Zeit geirrt habe. Aus der Nähe zu hassen, fiel ihr schwer." (Zitat Seiten 58, 59) Dies ist der erste Roman von Siegfried Kracauer, der 1928 erschien. Der Antiheld der Geschichte ist zugleich titelgebend; der junge Ginster, welcher der Euphorie über den Ausbruch des 1. Weltkrieges in seiner Heimatstadt Frankfurt so gar nicht nachvollziehen kann und sich nach Kräften wehrt, als er von Maschinerie des Heeres vereinnahmt werden soll. Braucht das Land denn schließlich keine fähigen Architekten, die Granatfabriken und Ehrenfriedhöfe planen? Mit spitzer Feder schrieb der Autor diese hochaktuell wirkende Geschichte,dessen Protagonist viel mit dem Schöpfer gemein hat. Lebensecht wirken nicht nur die Figuren um Ginster, wie der Onkel, die Tante oder Mutter (die im obigen Zitat skizziert wird), auch Dingen werden Eigenschaften zugewiesen, was den Stil dem Expressionismus zuordnet. Die manchmal recht eigenwillige Grammatik und Zeichensetzung machen den besonderen Charme des Werkes aus. Rein sprachlich betrachtet, ist es eine wahre Freude diesen Roman zu lesen. FAZIT Dieser Antikriegsroman, der schon einmal der Bücherverbrennung zum Opfer fiel, ist ein moderner Klassiker, der unbedingt lesenswert ist!

Ginster
Ginstervon Siegfried KracauerSuhrkamp