6. Feb.
Einsamkeit im Endstadium
Bewertung:2.5

Einsamkeit im Endstadium

Ein alter Mann, dessen Leben sich fast nur noch aus Erinnerungen speist. Die schlafenden Schönen erzählt von Einsamkeit im Endstadium, Einsamkeit, die so still geworden ist, dass sie merkwürdig laut dröhnt. Auf Anraten eines Bekannten besucht der Protagonist ein Etablissement, das weniger Bordell als moralisches Minenfeld ist. Dort liegen junge Mädchen, künstlich in einen tiefen Schlaf versetzt, einzig dafür da, neben alten Männern zu liegen. Keine Sexualität, keine Gegenwehr, kein Bewusstsein. Nur Körper, Nähe, Stille. Allein diese Idee lässt einen frösteln, weil man unwillkürlich denkt: Das ist zu nah an einer denkbaren Realität. Die Jugendlichkeit dieser schlafenden Körper wirkt wie ein Katalysator für Erinnerung. Der Mann wird zurückgeworfen in seine eigene Vergangenheit: erste Liebe, erste Berührungen, das Gefühl von Begehren, als es noch Hoffnung trug. Gleichzeitig steigen dunkle Gedanken auf - Gewalt, Grenzüberschreitung, Machtfantasien. Er denkt sie, er bekämpft sie, er schämt sich ihrer. Genau in diesem inneren Ringen entfaltet das Buch seine eigentliche Spannung. Nicht in Handlung, sondern im moralischen Druck. Kawabata beschreibt viel, sein Fokus liegt auf Atmosphäre, Körper, Räume, Gedanken. Es passiert wenig, aber das Wenige das passiert ist schwer bedrückend. Die Sprache ist ruhig, klar, unaufdringlich schön, ohne lyrische Überhöhung. Das macht das Gelesene nicht leichter, eher im Gegenteil: Die Nüchternheit verstärkt das Unbehagen. Es ist ein düsteres, verstörendes und leises Buch über Alter, Begehren, Selbstbeherrschung und die Abgründe, die man lieber nicht ausleuchtet. Eindrucksvoll, ja. Erschreckend, definitiv. Aber auch unerquicklich statisch. Warum 2.5/5⭐️: Mir fehlte Bewegung, Entwicklung, Handlung.

Die schlafenden Schönen
Die schlafenden Schönenvon Yasunari KawabataSuhrkamp