10. Dez.
Bewertung:5

Ich habe Bücher aus meiner Kindheit, die ich mit Weihnachten, Geborgenheit, aber auch ein wenig Traurigkeit verbinde: die Bücher um das Mädchen Miranda aus der Feder von Kerstin Sundh. Erst in diesem Jahr habe ich herausgefunden, dass es mehrere Teile gibt und natürlich mussten alle Bücher, sofern übersetzt, bei mir einziehen. Ich habe mich immer gefragt, warum mich bereits früher die Geschichte so berührte und ich denke, ich weiß es: Es sind die Beschreibungen der Menschen in dem Buch und die stets leicht zu spürende Traurigkeit der Figuren. Miranda lebt mit ihrer Familie auf dem Eselsberg: Dort leben die armen Familien, Tagelöhner oder alten Menschen, die in der Stadt keinen Platz haben. Mirandas Mutter ist alleinerziehend und arbeitet häufig als Waschfrau in wohlhabenden Häusern, sodass sie häufig völlig erschöpft nach Hause kehrt. Miranda ist oft einsam: Zu ihrem älteren Bruder Otto hat sie kein gutes Verhältnis, sie leidet unter der Härte ihrer Mutter und wünscht sich vor allem Geborgenheit. Erst jetzt fällt mir auf, wie gut und auch treffend die Autorin das harte Los der Mutter beschreibt. Früher konnte ich mit dem Charakter der Mutter nur wenig anfangen, aber heute sehe ich vor allem eine Frau, die darum kämpft, ihre Familie versorgen zu können. In dem ersten Buch nimmt Miranda eine Perlenkette an sich, weil sie diese einem Mädchen schenken möchte, dass sich als Prinzessin sieht und von der Familie im Haus eingesperrt wird. Doch leider kommt Miranda nicht dazu, die Kette zu übergeben und versucht im Laufe der Geschichte verzweifelt, die Kette der reichen Familie des Goldschmieds zurückzugeben. Kerstin Sundh gelingt es, ein junges Mädchen zu zeichnen, das Gutes tun will, in ihrer kindlichen Naivität jedoch stets Grenzen überschreitet. Doch dabei trifft sie immer wieder auf liebe Menschen, die ihr helfen wollen: die alte Nachbarin, die immer mürrisch wirkt, Miranda jedoch bei sich aufnimmt, wenn Mirandas Mutter mit den Kesselflickern feiert. Aber auch Kinder, die Miranda helfen, als sie versucht, die Kette zurückzubringen. Es sind diese kleinen Lichtblicke im Alltag, die Kerstin Sundh so liebevoll beschreibt. Gleichzeitig macht die Autorin deutlich, wie ausgeschlossen sich Miranda aufgrund ihrer Herkunft fühlt. Der Eselsberg, Mirandas Zuhause, ist wie ein Makel, der dem Kind anhaftet. Es fragt sich stets, warum alle es für dreckig halten oder keinen Kontakt zu ihm wollen. Das Buch ist ein Kinderbuch, das mich sehr berührt, weil es stets zeigt, Dinge nicht für selbstverständlich zu nehmen. Und freundliche Gesten mehr zu schätzen, egal wie stressig das alltägliche Leben gerade ist.

Miranda / Das Geheimnis der Perlenkette
Miranda / Das Geheimnis der Perlenkettevon Kerstin SundhSchneiderbuch