Ein leichter Lesesnack – aber ohne Überraschung
Als ich die erste Seite von Neuerscheinung aufschlug, hatte ich mir eigentlich einen vergnüglichen Ausflug in eine unterhaltsame Geschichte erhofft. Was ich fand, war ein Buch, das sich anfühlte wie ein Spaziergang durch einen bekannten Park, angenehm genug, aber ohne Ecken, die wirklich in Erinnerung bleiben. Ich begann die Lektüre mit der Erwartung, mich amüsieren zu lassen, und Michael Gantenberg liefert durchaus Momente, in denen ein Lächeln aufkommt. Sein Schreibstil fließt leicht dahin, die Seiten lassen sich ohne Anstrengung umblättern. Doch schon nach den ersten Kapiteln merkte ich, dass mich der ständigen Perspektivwechsel zwischen dem Autor im Buch und seiner Romanfigur immer wieder aus dem Lesefluss warf. Manchmal fühlte es sich an, als würde ich zwei verschiedene Geschichten parallel verfolgen, die nicht ganz zueinander finden wollten. Einmal in der Welt der Figuren angekommen, wurde ich regelmäßig wieder herausgerissen, wenn plötzlich der Schriftsteller selbst das Wort ergriff. Diese Meta-Ebene hätte funktionieren können, wirkte hier aber eher wie ein Stolperstein als wie eine clevere Erzähltechnik. Auch die Geschichte selbst blieb merkwürdig konturlos, sie plätschert vor sich hin, ohne wirklich Tiefe oder überraschende Wendungen zu bieten. Am Ende hatte ich das Gefühl, ein Buch gelesen zu haben, das man lesen kann, aber nicht muss. Was dem Buch zugutekommt, ist seine Alltagsnähe. Die Grundidee ist nachvollziehbar, die Reaktionen der Figuren wirken authentisch. Man kann sich gut vorstellen, dass eine solche Geschichte auch in der Realität ähnlich ablaufen könnte. Mit all den kleinen menschlichen Schwächen und Überraschungen. Gantenbergs Sprache ist zugänglich und unkompliziert, was das Lesen angenehm macht, wenn man nach etwas Unaufgeregtem sucht. „Neuerscheinung“ ist wie ein freundlicher Bekannter, den man auf der Straße trifft, man unterhält sich kurz, nickt wohlwollend, geht aber ohne bleibenden Eindruck weiter. Wer eine leichte Lektüre für zwischendurch sucht und keine großen Erwartungen hat, wird hier nicht enttäuscht. Wer aber auf Esprit, Überraschung oder literarische Finesse hofft, wird eher mäßig begeistert sein.


