
Eine sehr leise und traurige Geschichte
"Ich wollte, ich wäre mit deiner Fähigkeit zum Staunen geboren. Es würde mir nichts ausmachen, ein kürzeres Leben zu haben, wenn dieses kürzere Leben so sehr mit Leben erfüllt wäre wie deins." Ray ist 57 und ein vereinsamter Außenseiter in dem kleinen irischen Dorf, in dem er im Haus seines verstorbenen Vaters wohnt. Er geht keiner Arbeit nach und nur einmal pro Woche zum Einkaufen widerwillig unter Menschen. Er hat niemanden und ist so gezwungen, mit sich selbst zu sprechen. Dank einer Rattenplage im Haus adoptiert er einen Hund, den hässlichsten und traurigsten im ganzen Tierheim, der dank seiner Aggressionen kurz vor der Euthanasie steht. Einauge hat bei der Jagd den Kampf mit einem Dachs verloren, ist panisch davongelaufen und irgendwann im Tierheim gelandet. Die beiden werden schnell zu einem Team, denn sie sind sich sehr ähnlich und Ray hat zum ersten Mal jemanden, der ihn braucht und den auch er braucht. Und so ist es nun Einauge, dem er alles erzählt, das ihn bewegt und man merkt schnell, dass Ray ein großer Naturfreund und sehr aufmerksamer Beobachter ist. Man erfährt allerdings auch nach und nach etwas über seine traurige Lebensgeschichte, den frühen Tod der Mutter, den kaltherzigen Vater, der den zurückgebliebenen Sohn von der Außenwelt isolierte, ihn nie zur Schule gehen liess. Bei einem Spaziergang kommt es zu einer Beisserei und erneut droht Einauge die Euthanasie, was Ray dazu veranlasst, mit ihm zusammen abzuhauen. Mit dem Auto fahren sie über Irlands Landstraßen, ohne Ziel und in dem Wissen, dass das Geld irgendwann aufgebraucht und der Herbst irgendwann zum Winter wird. Es ist eine sehr leise und traurige Geschichte über einen Mann, der nie eine Chance hatte und über einen Hund, der ihn lehrt, im Hier und Jetzt zu leben. Dass es hier kein Happy End geben kann, dürfte klar sein, dass dieses Buch betroffen macht und nachhallt, ebenso.


