17. Mai
Bewertung:4

Ein historischer Krimi, der aufwühlt und zu einem späteren Zeitpunkt im Buch in ein ganz anderes Genre abdriftet 8/10

Fräulein Lina Kaufmeister hinkt seit ihrer Jugend, ist ledig und Haushälterin ihres autoritären und jähzornigen Bruders Georg Kaufmeister. Ihm gehört - zusammen mit dem Schwager - das Familienunternehmen des Vaters und ihr "gehören" die auslaugenden Aufgaben im Hause Kaufmeister und die Pflege des kranken Vaters. Sie wünscht sich insgeheim ein anderes Leben und hat mit allerlei - mal alltäglichen, mal ungewöhnlichen - Problemen zu kämpfen. Als die Stadt Ruhrort von brutalen Mordfällen heimgesucht wird, beginnt die Arbeit für den zugezogenen Kommissar Borghoff ungemütlich zu werden. Auch die neugierige Lina Kaufmeister kann es nicht lassen, eigene Nachforschungen anzustellen. In Das rote Licht des Mondes ist sehr Vieles drin, viele kleine Geschichten, die zusammen ein großes spannendes und eindrucksvolles Bild ergeben. Die verschiedenen Charaktere des Buches sind sehr stark ausgearbeitet und funktionieren zusammen sehr gut. Man fiebert mit den Hauptfiguren wirklich mit, die - finde ich - sehr sympathisch gezeichnet sind. Die langsame Aufklärung der Mordfälle hat einige starke Wendungen und Einfälle zu bieten, die man nicht zwingend kommen sieht. Auch die Geschichte um Lina Kaufmeister und ihr Kampf gegen damalige Zwänge, die ihr das Leben zu einer Qual machen, ist sehr ausdrucksstark und zieht einen in den Bann. Warum also "nur" 4 von 5 bzw. 8 von 10? Am Anfang lässt sich die Autorin viel Zeit mit den Beschreibungen der historischen Gegebenheiten der Region, der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung etc., das lässt einen nicht so leicht einsteigen. Doch hat man diesen (berechtigt ausführlichen) Teil hinter sich, entfalten sich die zuvorgenannten Stärken dieser Erzählung voll. Außerdem ist die Sprache der damaligen Zeit ein wenig angepasst worden, woran man sich mit der Zeit aber gut dran gewöhnen kann. Mir (verwöhntem Leser) hat hier und da auch ein wenig die "Action" gefehlt, aber dennoch hat mich der Roman von Silvia Kaffke überzeugt und sehr wahrscheinlich werde ich auch den zweiten Teil der Lina Kaufmeister Reihe lesen.

Das rote Licht des Mondes
Das rote Licht des Mondesvon Silvia KaffkeROWOHLT Taschenbuch
18. Juli
Bewertung:5

Reihe: Lina Kaufmeister #1 Grundidee: Im Ruhrgebiet der 1850er Jahre lebt die Anfang Dreißigjährige Lina Kaufmeister. Der Roman erzählt, wie sie sich von ihrer Familie abnabelt und selbstbestimmt leben möchte. Desweiteren handelt die Geschichte von mysteriösen Morden an jungen Frauen, die den Commissar Robert Borghoff auf den Plan rufen, der zusammen mit Lina ermittelt. Charaktere: Lina Kaufmeister ist Anfang Dreißig und Spross einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie. Sie lebt im Haushalt ihres schwerkranken Vaters. Durch ein Hüftleiden seit ihrer frühen Kindheit hinkt sie und hat daher keine Aussicht auf eine Heirat. Daher führt sie den Haushalt, pflegt den Vater und widmet sich ihrer Leidenschaft, der Schneiderei. Ihr Bruder Georg hat die Vormundschaft für Lina, dieser nutzt sie allerdings nur aus und gängelt sie, wo er nur kann. Commissar Robert Borghoff ist noch recht neu in seinem Amt in Ruhrort und bekommt es mit mysteriösen Morden an jungen Frauen zu tun. Handlungsschauplatz: Ruhrort, ein Stadtteil Duisburgs, im Jahr 1854. Handlung: Lina Kaufmeister möchte nicht länger unter der Fuchtel ihres Bruders Georg leben. Sie ist eine modern eingestellte junge Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt und ihr Leben selbst bestimmen möchte. Daher zieht sie in eine kleine Wohnung bei der Witwe Clara Dahlmann, die ein Geschäft für Stoffe und Nähereien betreibt. Doch Georg macht ihr das Leben weiterhin schwer, wo er nur kann und streicht ihr sämtliche Gelder. Lina beginnt, ihre Leidenschaft, das Schneidern, als Beruf auszuüben und sich selbstständig zu machen. Als sie auf einem Spaziergang zwei Mädchenleichen entdeckt, macht sie die Bekanntschaft von Commissar Robert Borghoff, der ebenfalls bei der Witwe Dahlmann logiert. Die beiden bekommen es mit weiteren Morden zu tun und ermitteln fortan zusammen. Ende & Auflösung: Zwar weiß man bereits recht früh, was es mit den Morden in Ruhrort auf sich hat, doch konnte mich Silvia Kaffke mit ihrem Mix aus Krimi und Historie durchweg überzeugen. Man erfährt als Leser viel über die Entwicklung der Stadt, die sich mitten in den Zeiten der Industrialisierung befindet, die damals noch schwere Stellung der Frauen in der Gesellschaft und auch über das Elend, das in den ärmeren Vierteln herrschte. Anschaulich sind auch sämtliche Charaktere geschildert, vor allem Lina Kaufmeister war mir von Beginn an sehr sympathisch. Ihre offene Art und moderne Einstellung, mit der sie es zu diesen Zeiten wirklich nicht leicht hatte, machen sie zu einer Protagonistin, mit der man mitfiebert und der man ein besseres Leben als das, was sie im Haushalt ihres Bruders fristet, wünscht. Für Fans des historischen Genres gepaart mit einem spannenden Kriminalfall kann ich diesen Roman nur weiterempfehlen. Linas Geschichte geht übrigens in dem Folgeband Das dunkle Netz der Lügen weiter, den ich sicherlich bald lesen werde.

Das rote Licht des Mondes
Das rote Licht des Mondesvon Silvia KaffkeROWOHLT Taschenbuch