Das Buch ist einfach total langweilig. Es gibt ein paar sprachliche Highlight aber sonst wird mir viel zu viel besprochen was nicht wichtig für die Handlung ist. Über die Auflösung bin ich einfach nur sauer: mal wieder ein „gebrochener“ „liebender“ Mann der den Verlust einer Frau nicht erträgt und anstatt sich Hilfe zu suchen um zu verarbeiten einfach eine 8-Jährige tötet weil sie seiner geliebten ein bisschen ähnelt - alles ganz normal… und dann noch ein Erzähler der diese Tat romantisiert und als rein und frei von niedertracht betitelt 🫠 er ist btw Bulle und hätte diesen mord eigentlich aufklären sollen. ich kann das alles nicht mehr… aber turns out er hat selber sein Säugling gerötet weil seine geliebte bei der Geburt gestorben ist und auch er es nicht verarbeiten konnte stattdessen dem Baby die Schuld gibt und es deshalb tötet. Männer unter sich, Täter schützen Täter. So ist es und so wird es immer bleiben.
Während des Lesens dachte ich mehrfach, warum ich das Buch eigentlich weiter lese. Anfangs springt der Ich-Erzähler, der niemals wirklich greifbar ist und zu dem man keine wirkliche emotionale Nähe aufbaut, völlig planlos in seiner Erzählung zwischen den verschiedenen Zeiten hin und her. Mal erzählt er etwas aus dem Leben eines Dorfbewohners, das im späten 19. Jahrhundert geschehen ist. Dann weiß man wieder nicht genau, ist er jetzt gerade im Jahr 1915 oder in den 1920er Jahren. Dies hat meinen Lesefluss gestört und ich war mehrmals kurz davor, einfach die Lektüre abzubrechen. Doch bin ich dran geblieben, da ich wissen wollte, wer der Mörder war.
Der Ich-Erzähler berichtet eigentlich von den Umständen, die zu verschiedenen Todesfällen während des 1. Weltkrieges in seinem Dorf führten. Ein Mädchen wird erwürgt, ein Protagonist begeht Selbstmord, es wird gefoltert und gemordet. Im Grunde verspürt man während des Lesens eine beständige Trostlosigkeit.
Doch schlussendlich lösen sich diese ganzen Verkettungen auf und in der Rückschau auf das Buch versteht man dann, was es mit der Psyche der Menschen machen kann, die jahrelang in Hörweite einer Kriegsfront leben, permanent den Schlachtgeräuschen ausgesetzt sind und tagtäglich junge Soldaten zur Front ziehen sehen und parallel schwer verletzte junge Männer im Lazarett ankommen sehen. Die Sinnlosigkeit des Krieges wird hier dem Leser fast nebenbei vermittelt.
In dem Buch erfährt man einiges über die damaligen Hierarchien und Standesunterschiede, an denen sich die Menschen festhalten, um den zusammen brechenden Strukturen und der fortschreitenden Demoralisierung der Bevölkerung entgegen zu wirken. Gleichwohl gibt es dann Menschen, die ihre Machtpositionen gnadenlos ausnutzen und sogar auskosten. Eine tiefe Hoffnungslosigkeit ist bei allen Protagonisten erkennbar.
Man stellt sich mehrere Fragen: Verblasst Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen nicht irgendwann? Und welche Taten rechtfertigt Trauer?
Am Ende ist man entsetzt über die Gefühllosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber der Gewalt, die sich irgendwann bei den Protagonisten einzustellen scheint.
So findet die Lumpensammlerin Joséphine die passenden Worte als sie die grauen Seelen beschreibt: "Ich kenne keine Schweine und keine Heiligen. Nichts ist ganz schwarz oder ganz weiß; das Grau setzt sich durch. So ist es auch bei den Menschen und ihren Seelen. Du bist eine graue Seele, hübsch grau, wie wir alle."
Ein erschütterndes Werk.