14. Feb.
Bewertung:2

Aus der Perspektive des jüngsten Sohnes einer syrischen Familie wird ein Generationenroman erzählt, der an unterschiedlichen Orten, aber hauptsächlich in Aleppo, Syrien, spielt. Nachdem der Vater der Familie für eine andere Frau und ein besseres Leben nach Amerika abgehauen ist, zieht die Mutter voller Groll und Schwierigkeiten, die ihr in den Weg gelegt werden, mit ihren Kindern vom Land nach Aleppo. Der Roman bespielt mehrere Ebenen: zum einen erfährt man viel über Aleppo vor und während des Assad-Regimes, dabei übt der Autor sehr deutliche Systemkritik - was mich sehr beeindruckt hat, insbesondere, da er bis zu seinem Tod 2023 selbst in Syrien gelebt hat und trotz eines Verbots seiner Bücher nie aufgehört hat zu schreiben. Viel Raum nehmen die Konflikte zwischen den Geschwistern und Eltern ein - sowohl in der Generation des Erzählers, als auch in der Generation seiner Mutter, und teilweise noch in der darüber. Es wird viel zwischen Jahren, Personen und Orten gesprungen, mit fließenden Übergängen, sodass ich leider mehrfach die Orientierung verloren habe. Es ist ein Generationenroman, in denen die zwei Haupt-Generationen sehr ähnlich aufgebaut sind und viel Verwechslungspotential herrscht. Meinem Eindruck nach erfordert der Roman viel Konzentration, um nicht den Faden zu verlieren. Während ich die Konflikte und auch die individuellen Entwicklungen sowie den individuellen Umgang mit der politischen Situation sehr spannend fand, fehlte mir bei manchen Personen die Tiefe. Es waren insgesamt so viele Figuren , dass viele nur angerissen werden, bevor schon zur nächsten gesprungen wurde. Auch der Erzähler selbst blieb nahezu komplett unsichtbar und ungreifbar. Darüber hinaus hat mich der male gaze sehr gestört, der sehr deutlich wurde, wenn weibliche Körper oder weibliche Sexualität beschrieben wurde. Grundsätzlich ist das meiner Meinung nach ein interessanter Roman mit spannenden Figuren, der aufgrund der Begebenheiten eine sehr triste Stimmung beinhaltet. Die meisten, wenn nicht alle Figuren, haben strukturell oder individuell Grausamkeiten erlebt und lassen ihre eigene Grausamkeit wiederum an anderen aus. Es ist auffallend, wie schlecht sich die meisten gegenseitig behandeln, vor allem die Ablehnung der Mutter gegenüber ihrer behinderten Tochter macht sehr betroffen. Doch in dieser Tristesse gibt es immer wieder Figuren, die mit Güte oder Widerstandskraft aufleuchten, manchmal auch nur temporär. Übersetzt von Hartmut Fähndrich. CN: T0d, F0lter, Able1smus, Homof3indlichkeit, Transf3indlichkeit, Verg3waltigung, Kindesmis$brauch, M1sogynie, häusliche G3walt, Fem1zid

Keine Messer in den Küchen dieser Stadt
Keine Messer in den Küchen dieser Stadtvon Khaled KhalifaRowohlt