25. Mai
Bewertung:3

Rant auf 288 Seiten

Alt werden es nun wirklich kein Spaß. Ich versuche zwar, wie bei allem das Beste daraus zu machen, aber ich hätte gerne meine Figur und meine Fitness von 2003. Auch meine Belastbarkeit geht langsam zurück. Wie kann ich dem jetzt noch was Gutes abgewinnen? Christiane Rösinger hat das eindringlich versucht. Schauen wir mal, ob sie es geschafft hat Sie überlegt einen Ratgeber über artgerechtes Altern zu schreiben, und während sie noch überlegt, bringt sie ihre Gedanken zu Papier und wir folgen ihr dabei. Im ersten Teil teasert sie Vieles an. Die nachlassende Fitness, der Schönheitswahn inklusive innovativer Kosmetikprodukte, die Freiheit, die man im Alter hat und die Hürden die das mit sich bringt. All das ist mir sehr wohl bekannt und auch mir sind schon von vielen Seiten bioidentische Hormone angeboten worden. Ich hab sie jedes Mal dankend abgelehnt. Ich bin mit der Autorin nicht immer einer Meinung, kann mich aber über ihre Art, sich auszudrücken köstliche amüsieren. Manchmal ist sie mir doch zu viel „Boomer“ obwohl sie selbige Einkategorisierung vehement kritisiert. Dann wiederum muss ich heftig nicken und ihr zustimmen. Auch mir ist manches einfach zu drüber. Brauchen wir wirklich das 500. Buch über das Klimakterium? Ich muss das Thema echt nicht noch mal durchkauen. Aber irgendwas fehlt. Ich bin ziemlich unbefriedigt und das liegt diesmal nicht an der schwindenden Libido. Viele Themen reißt die Autorin nur an, geht nicht in die Tiefe und verbringt viel Zeit damit, sich zu mokieren, zu schimpfen und einfach ihr Ding zu machen. Sie will einfach auch ganz anders sein als der durchschnittliche Rentner. Das ist zwar ihre ganz besondere Art, aber auf Dauer dann doch nicht so unterhaltend, wie es vielleicht sein möchte. Im zweiten Teil des Buches berichtet sie von ihren Erfahrungen mit einem Schlaganfall, den sie mit 42 hatte. Spätestens da hätte sie uns ihren Umgang damit, sicherlich auch humorvoll, schildern können, aber es blieb sehr an der Oberfläche. Alles war irgendwie schlecht, die Krankenhäuser sind blöd, die Ärzte können alle nichts und am schönsten ist es zu Hause, auch wenn man nicht richtig klarkommt. Natürlich kann ich ihr die Erfahrungen, die sie gemacht hat, nicht absprechen. Aber wenn es denn tatsächlich alles so negativ war, kann ich mich schon insofern positionieren, dass ich das nicht gerne lese. Somit blieb das Buch ein Rant auf 288 Seiten. Was mit Stefanie Sargnagel super funktioniert hat, ist mir hier zu einseitig. Es passt irgendwie zu ihr, aber leider nicht zu mir und deswegen spreche ich nur bedingt eine Empfehlung aus und zwar für die Menschen, die es lieben rumzumeckern und jemand Gleichgesinnten suchen

The Joy of Ageing
The Joy of Ageingvon Christiane RösingerRowohlt
17. Apr.
Bewertung:5

"Wir Frauen sollten nicht über unsere selbst diagnostizierte Unsichtbarkeit jammern, sondern uns die Deutungshoheit über das eigene Älterwerden zurückholen." (S. 167) Obwohl ich mich immer freue, wenn ich rund fünf Jahre jünger geschätzt werde als ich eigentlich bin, muss ich sagen, ich bin gerne so alt wie ich bin. Denn so wie Christiane Rösinger fühle auch ich "The Joy of Ageing". Okay, hier und da zwickt es schon und täglich kommen neue graue Haare hinzu, aber who cares?! "Das Älterwerden bringt doch auch eine schöne Gelassenheit mit sich, weniger Gefühlsverwirrung, mehr Seelenfrieden." (S. 17) In diesem, wie die Autorin ihr Buch selber bezeichnet, Altersratgeber geht es kein bisschen darum, sich zu optimieren, Falten wegzucremen oder Gebrechen zu therapieren. Es ist eine Ode an die Gelassenheit und vor allem an die Freiheit, die es bedeutet, wenn man sich von den Erwartungen anderer lossagt. Mit Ende vierzig Single zu sein, heißt keineswegs, sich jetzt aber flott nochmal auf den Dating-Markt zu stellen. Im Gegenteil! Rösinger spricht mir aus der Seele, wenn sie von ihrem Glück spricht, ungebunden und einigermaßen frei durchs selbstbestimmte Leben zu gehen. Denn das bedeutet nicht im Umkehrschluss, einsam zu sein. Stattdessen ist sie umgeben von Freundinnen, mit denen sie auf keinen Fall tauschen wollen würde. Da ist die Hundefrau, die sich im wahrsten Sinne des Wortes eine Beschäftigungsverpflichtung ans Bein bindet. Oder die Freundin, die mit ihrem neuesten Hobby alles um sich herum verfilzt. Und ein besonderer Graus sind ihr diejenigen, die darauf bestehen, dass auch sie gefälligst medizinisch gegen die Symptome der Menopause vorgehen soll. Das ist alles nix für Rösinger, die schließlich ein Urgestein (ist das Ageismus?) der Berliner Musikszene mit eigener Band (Lassie Singers) ist. Die lässt sich nicht mal von zwei Schlaganfällen und komplizierten Knochenbrüchen ins Bockshorn jagen. Mit diesem Buch ist Rösinger ein realistischer Blick auf das Leben und ein gelassener Ausblick auf das Älterwerden gelungen. Abseits von Ageismus, Klassismus oder Beschönigung. Gerade weil es eben kein klassischer Ratgeber, sondern eher ein ironischer, stellenweise bissiger Essay ist, wirken ihre Beobachtungen so nahbar und ehrlich. Und während ich immer wieder eifrig nicken musste, gilt meine besondere Zustimmung einem Ratschlag: "Frauen dieser Welt, oder wenigstens ältere Frauen dieser Welt: Gebt die Idee auf, Männern gefallen zu wollen, erst dann werdet ihr wirklich frei sein." (S. 166)

The Joy of Ageing
The Joy of Ageingvon Christiane RösingerRowohlt