Rant auf 288 Seiten
Alt werden es nun wirklich kein Spaß. Ich versuche zwar, wie bei allem das Beste daraus zu machen, aber ich hätte gerne meine Figur und meine Fitness von 2003. Auch meine Belastbarkeit geht langsam zurück. Wie kann ich dem jetzt noch was Gutes abgewinnen? Christiane Rösinger hat das eindringlich versucht. Schauen wir mal, ob sie es geschafft hat Sie überlegt einen Ratgeber über artgerechtes Altern zu schreiben, und während sie noch überlegt, bringt sie ihre Gedanken zu Papier und wir folgen ihr dabei. Im ersten Teil teasert sie Vieles an. Die nachlassende Fitness, der Schönheitswahn inklusive innovativer Kosmetikprodukte, die Freiheit, die man im Alter hat und die Hürden die das mit sich bringt. All das ist mir sehr wohl bekannt und auch mir sind schon von vielen Seiten bioidentische Hormone angeboten worden. Ich hab sie jedes Mal dankend abgelehnt. Ich bin mit der Autorin nicht immer einer Meinung, kann mich aber über ihre Art, sich auszudrücken köstliche amüsieren. Manchmal ist sie mir doch zu viel „Boomer“ obwohl sie selbige Einkategorisierung vehement kritisiert. Dann wiederum muss ich heftig nicken und ihr zustimmen. Auch mir ist manches einfach zu drüber. Brauchen wir wirklich das 500. Buch über das Klimakterium? Ich muss das Thema echt nicht noch mal durchkauen. Aber irgendwas fehlt. Ich bin ziemlich unbefriedigt und das liegt diesmal nicht an der schwindenden Libido. Viele Themen reißt die Autorin nur an, geht nicht in die Tiefe und verbringt viel Zeit damit, sich zu mokieren, zu schimpfen und einfach ihr Ding zu machen. Sie will einfach auch ganz anders sein als der durchschnittliche Rentner. Das ist zwar ihre ganz besondere Art, aber auf Dauer dann doch nicht so unterhaltend, wie es vielleicht sein möchte. Im zweiten Teil des Buches berichtet sie von ihren Erfahrungen mit einem Schlaganfall, den sie mit 42 hatte. Spätestens da hätte sie uns ihren Umgang damit, sicherlich auch humorvoll, schildern können, aber es blieb sehr an der Oberfläche. Alles war irgendwie schlecht, die Krankenhäuser sind blöd, die Ärzte können alle nichts und am schönsten ist es zu Hause, auch wenn man nicht richtig klarkommt. Natürlich kann ich ihr die Erfahrungen, die sie gemacht hat, nicht absprechen. Aber wenn es denn tatsächlich alles so negativ war, kann ich mich schon insofern positionieren, dass ich das nicht gerne lese. Somit blieb das Buch ein Rant auf 288 Seiten. Was mit Stefanie Sargnagel super funktioniert hat, ist mir hier zu einseitig. Es passt irgendwie zu ihr, aber leider nicht zu mir und deswegen spreche ich nur bedingt eine Empfehlung aus und zwar für die Menschen, die es lieben rumzumeckern und jemand Gleichgesinnten suchen



