14. Jan.
Bewertung:5

Conni führt ein Leben auf der Überholspur. Mit ihrer Freundin Irene lässt sie nichts anbrennen. Ob Parties, Alkohol oder Männer: beide nehmen sich, was sie möchten. Ihre Clique versucht zwar, die beiden zu bremsen, was ihnen aber nur mäßig gelingt. Eines Tages verschwindet Irene spurlos. Als Connis Vater stirbt, brennt Conni mit ihrem neuen Freund durch und zieht nach Belgien. Doch die Beziehung zerbricht, und Conni kommt ausgebrannt nach Wetterbach zurück. Dort erwartet sie alles andere als die heile Welt. Ihre Schwester ist mit Connis großer Jugendliebe zusammen, die Mutter ein schwerer Pflegefall, die Clique reagiert verhalten auf das Wiedersehen. Und Conni muss erkennen: sie muss wohl erst einiges gut machen, bevor sich wieder alles zum Guten wendet. Denn es scheint jemand auf sie abgesehen zu haben. Sie bekommt anonyme Briefe, und ihr Auto wird beschädigt. „Alles schläft“ ist mein erstes Buch von Lisbeth Jarosch. Beim ersten Lesen des Klappentextes hatte ich zugegebenerweise etwas mehr in die Ermittlungsarbeit rein interpretiert, bzw. erwartet. Wer hier einen reinen Krimi mit viel klassischer Ermittlungsarbeit erwartet, liegt hier falsch. Doch dieses Buch ist nicht minder spannend. Mit dieser Geschichte erwartet einen eine spannende Reise. In zwei Erzählungssträngen wird die Geschichte von Conni und Irene erzählt. Die eine spurlos verschwunden, der anderen wird nach dem Leben getrachtet. Nach und nach erfährt man, welches Verhältnis die Clique um Irene und Conni untereinander hat. Was hat dazu geführt, dass Conni so einen schlechten Ruf hatte? Und welchen Hintergrund hat Irenes Verschwinden? Conni muss nach und nach ihre eigene Vergangenheit aufdröseln und muss ihre eigene Gefühlswelt sortieren. Dabei hat sie nicht nur Feinde im Freundeskreis, sondern auch in der Familie. Mir hat an diesem Buch zum einen die Aufteilung der zwei Erzählstränge gefallen. Der eine Erzählstrang beschäftigt sich mit den Rückblenden bis hin zu Connis Flucht und Rückkehr nach Wetterbach. Der zweite Erzählstrang legt den Fokus auf Connis Erleben nach der Rückkehr nach Wetterbach. Hier begegnet sie ihrer verbliebenen Familie, aber auch ihrer Jugendliebe und ihrer Clique. Stück für Stück dröselt sich die Gesichte auf und kommt die Wahrheit ans Licht. Zugegeben, ich habe mich von der Autorin hinters Licht führen lassen. Ich war bis zum ende auf der falschen Fährte, und hab mit der Auflösung so in der einen Form gar nicht gerechnet. Manches Verhalten gewisser Protagonisten hatte ich auf dem Schirm, manch Protagonist hat mir ein Schnippchen geschlagen. Ich könnte jetzt hier schreiben, um wen es geht, aber dann wär das schöne Ende des Buches verraten, und das möchte ich nicht. Zum Thema Protagonisten: Ich fand jeden Charakter in sich schlüssig. Conni hätte ich oft gerne eine mitgegeben, weil ich sie stellenweise schon sehr zickig und hochnäsig fand. Sie ist die klassische Partymaus, ohne Rücksicht auf Verluste. Ihre Schwester: das krasse Gegenteil: Bieder, vielleicht nicht gerade altbacken, doch sehr bedacht auf ihren guten Ruf. Ich mochte gerade Connis Weg, dass sie ihren Weg gegangen ist und auch irgendwann selbst reflektieren konnte, dass hier ganz schön was schief lief in ihrem Leben. Es ist kein Buch mit einem kompletten Happy End. Aber: es ist durchweg spannend zu lesen, wie sich die zwischenmenschlichen Verbindungen lösen, erklären, wie alles zusammen hängt. Man fiebert richtig mit, und überlegt sich, wie alles zusammen hängt. Ich hatte meine Verdächtigen schnell zusammen, und wurde im Verlauf des Buches doch mit den Twists überrascht. Ich hab mich im Buch sehr wohl gefühlt, und es genossen zu lesen. Wer eine Geschichte sucht, in der es nicht um einen Kriminalfall handelt, man aber dennoch miträtseln möchte, wer der Täter war, wie eine junge Frau verschwindet und eine weitere bedroht wird, ist hier richtig. Hier wird sehr viel mit einer Jugendclique mitgefiebert und den Fokus auf das private Umfeld, nicht auf die Polizeiarbeit gelegt. Klare Leseempfehlung!

Alles schläft
Alles schläftvon Lisbeth JaroschPiper
27. Dez.
Bewertung:3

Nur noch etwa ein Monat bis Weihnachten! Ein bisschen weniger sogar! Wo sind meine Kekse, wo ist mein Adventskalender, wo ist mein Weihnachtspunsch? Leider noch nicht in meiner Hand. Allerdings habe ich jetzt das erste Weihnachtsbuch des Jahres gelesen. Also, wirklich Weihnachtsstimmung kam beim Lesen nicht auf, aber es spielt zu Weihnachten und das ist doch auch schon was wert, nicht? Die Hauptfigur ist Conni. Sie ist etwa zwanzig Jahre alt und ist gerade wieder in ihr Heimatdorf zurückgekehrt. Conni ist eine eher unangenehme Zeitgenossin. Sie zickt herum, manipuliert und lässt jeden spüren, dass sie sich eigentlich für was besseres hält. Sie zieht wieder bei ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester ein, interessiert sich aber für keinen der beiden so wirklich. Ihre Mutter hatte nachdem sie weggezogen ist, einen Schlaganfall und ist seitdem auf fremde Hilfe angewiesen. Die Pflege hat Connis ältere Schwester übernommen. Aber das ist Conni egal. Helfen und sich nützlich machen? Fehlanzeige! Lieber verkriecht sich Conni in ihrem Zimmer, ignoriert ihre Familie und motzt ihre Schwester an, wenn sie sie darum bittet, einkaufen zu gehen. Klar, warum auch nicht? Wie kann die es bloß wagen, sie um sowas zu bitten! Das, was Conni aber am meisten an ihrer Schwester stört, ist, dass sie nun mit Connis Ex zusammen ist. Mit dem Conni Schluss gemacht hat, vor Jahren. Den sie eigentlich auch während sie zusammen waren immer nur ausgenutzt hat. Aber klar, natürlich ist Conni das Opfer und ihre Schwester ist böse. Wie man vielleicht merkt, ging mir Conni ziemlich auf die Nerven. Ich kann es nicht ausstehen, wenn Leute denken, dass sie immer die Opfer sind, egal was sie tun. Diese Doppelmoral halte ich nicht aus, auch nicht in einem Buch. Die Geschichte war schon in Ordnung. Conni kommt halt zurück in ihre Heimat, verscherzt es sich gleich mit einem großen Teil der Einwohner, mit denen sie sich schon als Kind nicht verstanden hat, und bekommt plötzlich Drohungen, die ihr befehlen, wieder aus der Stadt zu verschwinden. Denn sonst endet sie wie ihre Freundin, Irene, die vor drei Jahren spurlos verschwand. Hört sich ganz spannend an, nicht? Wäre es eigentlich ja auch gewesen. Wenn nicht Conni so unglaublich unsympathisch gewesen wäre. Leider ging Conni mir aber so auf die Nerven, dass ich mich gar nicht so richtig auf die eigentliche Handlung konzentrieren konnte. Obwohl die ja gar nicht so schlecht gewesen wäre und stellenweise sogar echt spannend. Aber tja, so sieht man wieder mal, wieviel eine unsympathische Hauptfigur zerstören kann. Der Schreibstil war ganz gut. Ich hatte eigentlich von Anfang an ein Bild vor Augen und konnte mir alles problemlos vorstellen. Das Buch liest sich gut und sehr schnell. Ich brauchte nur einen Abend als Babysitterin, um dieses Buch fertig zu lesen, was sogar für mich sehr schnell ist. Mein Fazit? Sehr guter Schreibstil, gute Geschichte, aber leider eine unausstehliche Hauptfigur, die sehr viel kaputt macht.

Alles schläft
Alles schläftvon Lisbeth JaroschPiper