22. Juli
Bewertung:4

P.J. Harrison konzentriert sich in seinem Buch vor allem auf die Zeit nach der Trennung von Oasis im Jahr 2009 und beleuchtet die anschließenden Solo-Karrieren der beiden Gallagher-Brudis. Insgesamt ist das Buch gut lesbar – mir war beispielsweise gar nicht so klar, wie erfolgreich auch Liam mit seinen Solo-Alben bzgl. Chart-Platzierungen war. In einigen Foren wird allerdings auf viele Recherchefehler hingewiesen, was ich persönlich immer etwas ärgerlich finde. Außerdem habe ich den Eindruck, dass der Autor in Bezug auf das Privatleben der Gallaghers sowie ihres Umfelds eher spekuliert, als dass er wirklich über belastbare, persönliche Einblicke verfügt.

Gallagher
Gallaghervon PJ HarrisonPiper
6. Juli
Bewertung:5

"Noel und Liam Gallagher sind mit Abstand die erfolgreichsten und faszinierendsten Geschwister in der Geschichte der britischen Musik." (Einleitung | S. 12) Seit Mitte der 90er schlägt mein Herz für diese Band! Im Januar 2009 habe ich Oasis in der Hamburger Sporthalle zum letzten Mal live gesehen. Es sollte eines ihrer letzten Konzerte sein, bevor Noel endgültig die Schnauze voll hatte von seinem kleinen Bruder. Am 28. August 2009 waren Oasis Geschichte. Fast auf den Tag genau fünfzehn Jahre später gehörte auch ich zu den euphorisierten Fans, die sich an einem Samstagmorgen naiv in eine virtuelle Schlange einreihten, um Tickets für die Reunion des Jahrhunderts zu ergattern. Cardiff sollte es werden. Das erste Konzert dieser Tour, denn wer weiß, wie und ob es danach weitergeht. Vor verschlossenen Türen hatte ich schließlich schon mal gestanden, als Liam sich am Abend zuvor geprügelt und seine Schneidezähne eingebüßt hatte. Konzert-Absagen waren für die Gallaghers nichts ungewöhnliches. Auch einen Auftritt ohne Noel habe ich schon erlebt. You never know ... Platz 127.032 also im Ticketmaster und was soll ich sagen: Das war alles, was ich von dieser Tour miterleben durfte. No ticket for ya, luv! Aber meine Handvoll Gigs, die ich mitgenommen habe, reicht, um für immer #madferit zu sein. "Gallagher" - das sind zwei Brüder, zwei Individuen, zwei scheinbar ewige Rivalen. Alben, die bereits am Erscheinungstag Kultstatus erlangten. PJ Harrison blickt auf das, was Oasis erschaffen und zertrümmert haben und was sie nun wohl wieder aus der Asche emporsteigen lassen werden. Die ersten siebzehn Jahre der Band sind eher Randnotizen. Das Buch beschäftigt sich vor allem damit, was nach 2009 geschah - nachdem "einer von ihnen in einer Pariser Garderobe mit einer Pflaume nach dem anderen warf" und damit den Schlussakkord der Band setzte. Und genau da steigt Harrisons Buch ein: am Ende, das auch ein Neuanfang war. Woher kommt die Hassliebe, was hat Noel und Liam geprägt und wie schafften sie es, auch getrennt voneinander ihren musikalischen Erfolg fortsetzen zu können - im Schatten ihres Vermächtnisses? Denn auch in ihren Solokarrieren war weiterhin Oasis zu hören. Mit Kennerblick und -ohr beschreibt der Autor, wie sich das musikalische Schaffen der Brüder weiter entwickelte und wie sie gar ein Stückchen erwachsener wurden. Es ist mehr als eine weitere Band-Biographie. "Gallagher" ist ein Psychogramm, das hinter den Rüpeln des Britpop die Jungs mit rauer Vergangenheit erkennen lässt und nachvollziehbar macht, warum der Bruch wohl unausweichlich war. Da ist mehr zu kitten als eine zerstörte Gitarre und direkt nach ihren Familien sind es wahrscheinlich die Fans, die sich wünschen, dass ein Stück ihrer Welt wieder zusammenfindet. Wie kaum eine andere Band haben Oasis die Pop-Kultur weit über die 90er Jahre hinaus geprägt - von Musik über Mode bis hin zur Attitude. Sie lieferten den Soundtrack zum Leben einer ganzen Generation. "Gallagher" lässt dieses Gefühl wieder aufleben. In jedem seiner Worte liest man den Fan. In Harrisons Adern fließt Oasis-Blut!

Gallagher
Gallaghervon PJ HarrisonPiper