
Toller historischer Roman, der uns in ungewöhnliche Gefilde verschlägt.
In "Eisiges Land" nimmt uns der norwegische Autor Tore Kvæven mit ins karge, unwirtliche Grönland des Jahres 1293. "In der Welt, in der er lebte, und in den Träumen, die ihn beflügelten, hatte ihm die Zukunft offengestanden. Noch hatte er nicht verstanden, dass Träume aus Luft und Menschen aus Stein sein konnten." Wir lernen den jungen Wikinger Arnar Vilhjalmsson kennen und begleiten ihn direkt zu seiner ersten Walrossjagd, die sich als wahnsinnig aufregend entpuppt. Auf dieser Jagd lernt Arnar Hûnvarg kennen, den Sohn eines anderen Stammesfürsten. Vom ersten Augenblick an sind sich beide Jungen spinnefeind. Und so bleibt es nicht aus, dass es immer wieder Ärger zwischen den beiden gibt, wann immer sich ihre Wege kreuzen ... "So etwas nennt man Gerechtigkeit. Andere würden es Sühne nennen, sich von Unglück befreien. Deine Sippe in den Bergen würde es vielleicht ein Opfer nennen. Du kannst sagen, was du willst, aber wenn du etwas vom Land bekommst, musst du dem Land auch etwas zurückgeben. Denn ohne Gegenleistung wird dir dieses Land nichts geben." Dieser Roman ist in erster Linie ein Coming-of-Age Roman. Wir begleiten Arnar durch sein Leben, erfahren von seinen Wünschen und Sehnsüchten. Erleben seine Hochs und Tiefs, leiden und freuen uns mit ihm. Dabei lässt uns Kvæven an der Schönheit dieses kargen Landes teilhaben. Besonders angetan bin ich von der wirklich sehr anschaulichen Schilderung des Lebens der Wikinger zu jener Zeit. Wir dürfen an aufregenden, allerdings auch sehr brutalen, Walrossjagden und Walfängen teilnehmen. Aber genauso nimmt uns Kvæven mit in die Berge, wo wir mehr vom Leben der Schafzüchter erfahren. Dabei ist seine Erzählweise sehr atmosphärisch und spannend und Kvaevens teilweise sehr poetische Prosa macht dieses Buch zu einer wirklich schönen Lektüre. "Denn er wusste, dass das Schicksal in mannigfacher Gestalt erscheinen konnte, auch im Lächeln eines schönen Mädchens, und er wusste, wenn die Blindheit kam und alle Vernunft und alle Vorsicht verflogen, dann war das Schicksal dabei, seine Schlinge zu knüpfen und diese zur geplanten Tat bereit zu machen." Übersetzt aus dem Norwegischen von Andreas Bunstermann und Gabriele Haefs.







