Als erste Polizeiassistentin schrieb Schwester Henriette Arendt Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland Geschichte. Für Henny ein Job, an dem ihr Herz hängt, denn sie will mehr sein, als nur eine Anstandsdame bei der Untersuchung von Frauen, die durch die Polizei aufgegriffen wurden. Und so sieht sie auch immer wieder die armen Kinder, die in die Elend aufwachsen müssen, wenn ihre Mütter so durch die Gesellschaft geächtet werden, In der Geschichte „Das Bettelmädchen“ von Helene Winter lernt man den Arbeitsalltag von Schwester Henny, wie sie von allen genannt wird, kennen und erlebt ihren Arbeitsalltag und die Widrigkeiten, mit denen sie täglich zu kämpfen hat, um Frauen und Kinder zu schützen. So lernt sie auch eines Tages das Bettelmädchen Sophie kennen, das durch ihren Zuhälter entstellt und zur Bettelei gezwungen wird. Doch allein im Kampf gegen die Gleichgültigkeit ihrer Vorgesetzten verliert sie zusehends den Mut und die Kraft. Als sie eines Tages die junge Mitzi davor bewahren kann, als Prostituierte abgestempelt zu werden, findet sie eine mutige Mitstreiterin. Der Autorin gelingt es wirklich sehr gut, das aufregende Leben von Henny zu erzählen. Man spürt, wie sehr sich Henny in ihrem Herzensprojekt aufreibt und merkt doch auch gleich, wie aktuell die Herausforderungen auch heute noch für Frauen sind. Spannend war für mich auch der Einblick in das Leben der Frauen zu dieser Zeit, die ein selbstbestimmtes Leben führen wollten oder sogar mussten. Auch wenn der Titel und der Klappentext auf ein Bettelmädchen hinweisen, bei dem es sich augenscheinlich um Sophie handeln soll, steht dieses Mädchen doch hier nicht im Fokus. Vielmehr ist es Schwester Henny, um die es sich in der Geschichte dreht. Und irgendwie bekommt man das Gefühl, dass auch Mitzi hier zukünftig eine entscheidende Rolle spielen soll. Ich muss sagen, dass dies zunächst etwas irritierend war, aber ich habe die Geschichte sehr gern gelesen. Wer also gern spannende Geschichten über starke Frauen liest, sollte sich diesen Roman nicht entgehen lassen.
Historischer Roman über Henriette Ahrendt
"Das Bettelmädchen" von Helene Winter ist ein historischer (Kriminal)roman, der und eine mutige Frau aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts nahebringt. Stuttgart 1906: Hauptprotagonistin des Romans ist Schwester Henny, die der historisch belegten Henriette Ahrendt nachempfunden wurde. Henny ist Polizeiassistentin setzt sich für Frauen und vor allem für Kinder ein, was wiederum ihre männlichen Vorgesetzten, Kirchenvertreter und den Gemeindewaisenrat erbost. Sie wird schikaniert, wo es nur geht, muss endlose Listen über ihre Tätigkeit erstellen und sich immer wieder rechtfertigen.. Im Verlauf ihrer Tätigkeit begegnet sie Mitzi und bewahrt sie davor, als Prostituierte abgestempelt zu werden. In ihr findet sie Unterstützung. Henny stößt auch auf das Schicksal von Sophie, dem Bettelmädchen, die von einem Mann zur Bettelei gezwungen wird. Der Roman, den ich eher als historischen Roman als als historischen Kriminalroman bezeichnen würde, lässt sich flüssig und angenehm lesen. Helene Winter schildert die Protagonist*innen lebensecht, besonders Henny mit ihrem Mut und ihrem Durchhaltevermögen wird gut beschrieben und zieht in die Geschichte. Mir waren Henny und Mitzi äußerst sympathisch. Winter bringt uns das Schicksal der vielen Kinder nah, die verkauft werden und für die sich Henny im Verlauf ihres Lebens einsetzt. Die Autorin hat gekonnt Tatsache und Fiktion miteinander verbunden, sodass es mir nicht langweilig wurde und ich den Roman recht schnell durchgelesen hatte. In ihrem Nachwort erklärt die Autorin, was den Tatsachen entspricht und wo Fiktion eingearbeitet wurde. Ohne Frauen wie Henriette Ahrendt stünden wir heute nicht da, wo wir sind, gerade was die Rechte von Kindern betrifft. Von mir bekommt der Roman solide 4 Sterne und eine Leseempfehlung für Liebhaber*innen historischer Romane!

