
Kurzes Buch, aber erstaunlich viel darin. Zwei Menschen, die nirgendwo reinpassen.
Ich und du war mein erstes Buch von Niccolò Ammaniti und ich wusste am Anfang ehrlich gesagt noch gar nicht so richtig, wohin die Geschichte eigentlich will. Ein Junge, der seine Eltern belügt und sich heimlich im Keller versteckt, damit niemand merkt, dass er gar keine Freunde hat, klang erstmal einfach nur interessant und ein bisschen seltsam. Lorenzo ist dabei kein Charakter, zu dem man sofort eine emotionale Verbindung aufbaut. Er wirkt distanziert, beobachtet alles mehr, als wirklich Teil davon zu sein. Und genau so fühlt sich auch der Schreibstil an. Ruhig, eher kühl und nie wirklich nahbar. Ich glaube aber, dass genau das komplett zu Lorenzo passt. Besonders wurde das Buch für mich dann ab dem Moment, in dem Olivia auftaucht. Ab da hat die Geschichte plötzlich richtig viel Gefühl bekommen. Die beiden wirken beide komplett verloren und trotzdem verstehen sie sich auf eine Art, die man beim Lesen spürt. Vor allem die Szenen nachts im Keller sind mir im Kopf geblieben. Musik hören, reden, Erinnerungen, dieses nebeneinander existieren. Das hatte etwas total Echtes. Nicht kitschig oder übertrieben emotional, sondern eher leise und traurig. Obwohl das Buch so kurz ist, steckt unglaublich viel darin. Es geht um Einsamkeit, darum dazuzugehören, um Geschwister, Sucht und dieses Gefühl, irgendwie anders zu sein als alle anderen. Und trotzdem passiert nach außen eigentlich gar nicht so viel. Ich hätte mir stellenweise etwas mehr Tiefe gewünscht. Vieles ging ziemlich schnell und ich glaube, mit etwas mehr Raum hätte mich die Geschichte emotional noch stärker treffen können. Trotzdem hat mir das Buch wirklich gut gefallen. Gerade das Ende hat nochmal nachgewirkt, weil es nicht versucht, alles schön oder leicht zu machen. Für so ein kurzes Buch hat es erstaunlich viel erzählt.

