
So wichtig und gleichzeitig so schwierig. Uns selbst maßregeln und beschimpfen, streng sein, das können wir alle. Aber wie schwer fällt es uns, uns nachsichtig und selbstfürsorglich zu behandeln? Wenn uns das schon nicht mit uns selbst gelingt, wie sollen wir dann Nachsicht mit anderen haben, Fremden sogar? Ich habe Erwartungen an das Buch und erhalte gleich meine erste Lektion im Nachsicht üben, weil mir der Autor zunächst bis Seite 142 (von 254) in zahlreichen Beispielen die evolutionär notwendige Negativfokussiertheit menschlichen Verhaltens darlegt, bevor er sich dem eigentlichen Thema zuwendet. Das Nachsicht ansteckend ist, zufrieden macht, die psychische Gesundheit stärkt, insgesamt unser Wohlbefinden erhöht, sind keine überraschenden Informationen. Das der Weg dahin steten Praktizierens bedarf auch nicht. Dabei helfen kann der vorgestellte Kiesler-Kreis (auch Circumplex-Modell genannt) zur Interaktionsbeschreibung. Er ist ein einfaches Modell, um zwischenmenschliche Situationen zu reflektieren. Anhand vieler Beispiele aus der psychotherapeutischen Arbeit des Autors wird erläutert, dass die Veränderung des Denkens ein langer und anstrengender Prozess ist und der einzig Nachhaltige. Neu ist das nicht. Fazit: Wer Inhalte gerne in Geschichten verpackt vermittelt bekommt, für den lohnt sich das Buch, mir war es auf 250 Seiten zu wenig Input. So schenke ich nachsichtige 💜💜💜 und freue mich, wenn der Autor viele Menschen mit dem Thema erreicht.



