Chaos in Buchform – mal herzerwärmend, mal vorhersehbar
Als ich die erste Seite von „Kriegt das Papa, oder kann das weg?” aufschlug, fühlte es sich an, als würde ich durch ein überfülltes Kinderzimmer stolpern, überall Spielzeug, Geschrei, Unordnung und mittendrin ein Vater, der versucht, den Überblick zu behalten. Ich habe das Buch mit gemischten Gefühlen gelesen. Tillmann Prüfer, der als Redakteur des ZEIT-Magazins aus seiner beliebten Kolumne „Prüfers Töchter” schöpft, erzählt vom Alltag mit vier Töchtern laut, chaotisch und voller kleiner Katastrophen. Während ich durch die Seiten blätterte, musste ich ab und zu schmunzeln, etwa wenn er beschreibt, wie er beim Essen die Reste von allen abbekommt oder sich fragt, ob er wirklich vier „The Voice”-Kandidatinnen großzieht, die pausenlos ihre Songs üben. Doch gleichzeitig fühlte sich vieles wie eine angenehme Unterhaltung an, die keine bleibenden Spuren hinterlässt. Was mir gefallen hat, war Prüfers Selbstironie. Er nimmt sich nicht zu ernst, sondern stellt sich als gutmütigen, aber hemmungslos überforderten Vater dar, der ehrlich zugibt, dass er oft keine Ahnung hat, was er tut. Der Humor ist fein dosiert und nie bissig, man merkt, dass hier jemand schreibt, der seine Familie liebt, auch wenn sie ihn manchmal in den Wahnsinn treibt. Einige Szenen sind tatsächlich kurzweilig und treffen den Nerv von Eltern, die sich in ähnlichen Situationen wiedererkennen. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass das Buch nicht über seine Prämisse hinauswächst. Die Anekdoten plätschern vor sich hin, ohne dass sich echte Tiefe oder überraschende Wendungen ergeben. Nach einer Weile wurde das Muster vorhersehbar: Chaos, Vater ist überfordert, alles löst sich irgendwie auf. Manche Leserinnen bemängelten zudem, dass die Mutter nur am Rande auftaucht ein Punkt, der mir ebenfalls auffiel. Es ist nett zu lesen, aber es bleibt an der Oberfläche, ohne wirklich zu berühren oder neue Perspektiven zu eröffnen. Am Ende fühlte sich „Kriegt das Papa, oder kann das weg?” an wie ein angenehmer Plausch mit einem sympathischen Bekannten unterhaltsam für den Moment, aber nicht unvergesslich. Das Buch ist solide Unterhaltung für zwischendurch, doch es fehlt ihm das gewisse Etwas, das es von vielen anderen Eltern-Kolumnen abheben würde. Wer leichte Kost sucht und gelegentlich lachen möchte, wird hier fündig. Wer mehr Substanz erwartet, bleibt etwas unbefriedigt.



