Ein witziger spritziger Unterhaltungsroman
nett und unschuldig
Das war mal ne nette Abwechslung. Diese norwegische Geschichte aus den 30er Jahren fühlte sich sehr nach Downton Abbey ganz ohne Drama an. Es war direkt süß sich in Erinnerung zu rufen wie Liebesgeschichten erzählt werden können, ohne dass die Liebesgeschichte im Zentrum steht und ohne jeglichen Spice. Zwischendurch fand ich es etwas zu langatmig, wurde aber dennoch recht gut unterhalten.
Einmaliger Briefroman mit Downton Abbey Vibes!
**** Worum geht es? **** Kann eine Frau aus gutem Hause mit anpacken? Helga ist davon überzeugt, doch der Rest glaubt nicht an sie. Also wettet sie mit ihrem Liebsten, für ein Jahr als Dienstmädchen in einem Haushalt zu arbeiten. Helga taucht in eine völlig andere Welt ein und teilt ihre Erfahrungen in Form von Briefen. Wird sie die Zeit durchhalten und was für ein Mensch wird sie am Ende sein? **** Mein Eindruck **** Der besondere Reiz des Buches liegt in der Briefform. Wir tauchen in ausgewählte Momente ein, bekommen alltägliche Erlebnisse präsentiert und die nachklingenden Empfindungen der Protagonistin mitgeteilt. Doch wir leben nicht direkt in den Momenten, erleben nicht den Dialog und nicht die unmittelbaren Gefühle. Die gewählte Erzählform stellt diesen Kontrast dar. Nur zu Beginn sind wir direkt in das Geschehen involviert, was bei mir einen ganz bestimmten Nerv traf. Es hat mich nachdenklich gestimmt und gleichzeitig großes Interesse an den Briefen geweckt. Was wird berichtet und wie? Wann lesen wir heute noch einen persönlichen Brief? Diese Neugier ließ mich vor allem stilistisch viel entdecken. Es färbte auf mich ab – das Leben, die Wertschätzung des Alltäglichen und das Gefühl, erschöpft, aber glücklich zu sein. Der Kontrast zwischen dem Stand der Protagonistin und ihrer Tätigkeit als Dienstmädchen ermöglichte es, die Diskrepanzen der Zeit sowie eine gewisse Leichtigkeit zu vermitteln. Ich mochte die Botschaften zwischen den Zeilen und die ruhige, erzählerische Struktur des Buches, die stets eine persönliche Note behielt. Ich kann mir vorstellen, dass manche Leser die Berichte als langwierig empfinden könnten, da die emotionalen Höhepunkte fehlen, aber für mich hat dieses Ausnahmewerk alles richtig gemacht – und vor allem stilistisch verdient es Lob. **** Empfehlung? **** Eine gewisse Begeisterung für Literatur und für den Ausdruck von Gedanken in Briefform sollte man hier auf jeden Fall mitbringen. Die persönlichen Berichte und die fehlende direkte Interaktion verleihen dem Buch eine auffällige Note, die ich besonders Leser*innen von ruhiger Lektüre ans Herz legen möchte.

Erstmals erschienen ist der Roman von Sigrid Boo 1930 in Norwegen. Heute bekommen wir die Geschichte von Helga in dieser hübschen Ausgabe erzählt. Helga geht eine Wette mit Jorgen ein – wenn sie ein Jahr lang als Dienstmädchen tätig ist, bekommt sie von ihm einen Diamantenring. Helga lebt sonst auf der Seite der Gesellschaft die Dienstmädchen beschäftigt. Sie hat grade ihr Abitur gemacht und möchte nach Paris reisen, doch ihr Vater bittet sie diese Reise aus finanziellen Gründen erst mal zu verschieben. So geht sie die Wette ein um allen zu beweisen das sie sehr wohl die Tätigkeiten eines Dienstmädchens ausüben kann und das ganz ohne Probleme oder Allüren. Bei der zweiten Familie angekommen, fühlt sich Helga sehr wohl, schließt Freundschaft mit den anderen Angestellten und verbringt eine erfüllende Zeit. In Berichten/ Briefen schreibt Helga an ihre Freundin Gerte wie es ihr geht und was sie alles erlebt. Boo erschafft mit Helga eine charismatische und starke junge Frau. Sie ist klug, durchsetzungsfähig und modern. Es hat mir sehr viel Freude gemacht Helgas Berichte an Grete zu lesen und ihre ehrliche und erfrischende Persönlichkeit kennenzulernen. Es war ein absolutes Wohlfühlbuch mit wichtigen Botschaften und feministischen Zügen. Helga ist eine sympathische Protagonistin und füllt ihre Freundschaften und Familie mit viel Freude, Vertrauen und Liebe. Der klare aber auch poetische Schreibstil Boos ist die Kirsche auf der Sahne und sorgt dafür das man einfach schmunzelnd durch die Seiten fliegt. Nicht nur das wir die Dynamik in Helgas privilegierten Familie mitbekommen, sondern auch das Miteinander auf Augenhöhe während ihrer Tätigkeit als Dienstmädchen machen das Buch zu einem tollen Leseerlebnis. Instagram: leeexieh

DIENSTMÄDCHEN FÜR EIN JAHR Sigrid Boo Norwegen in den 1930er-Jahren: Helga hat gerade ihr Abitur bestanden, doch ihr Traum von einem Aufenthalt in Frankreich wird von ihrem Vater, dem Direktor der großen Papierwerke, abrupt zunichtegemacht. Stattdessen verbringt sie ihre Tage in gehobener Gesellschaft, feiert mit ihren wohlhabenden Freunden und genießt das Leben in Bars und Cafés. Bei einem dieser Treffen stellt sich eine provokante Frage: Ist das moderne Mädchen von heute noch zu etwas anderem fähig als zum Flirten und Tanzen? Kann es eine anständige Mahlzeit zubereiten? Gekränkt in ihrer Ehre geht Helga eine folgenschwere Wette mit dem Mann ein, in den sie verliebt ist: Sie wird ein Jahr als Hausmädchen arbeiten - und wenn sie durchhält, erhält sie als Belohnung einen Brillantring. Ihr Vater und ihre Tante sind entsetzt über ihre Entscheidung, doch schließlich lassen sie sie ziehen. Schnell muss Helga feststellen, dass es ohne Zeugnisse und Referenzen schwierig ist, eine Anstellung zu finden. Doch dann erhält sie eine Stelle auf Gut Vinger - nicht als Gast, sondern als Dienstmädchen. Zum ersten Mal in ihrem Leben sitzt sie nicht mit den Herrschaften am Tisch, sondern bedient sie. Sie teilt sich ein Zimmer mit der Köchin, schrubbt Böden und erledigt Arbeiten, die ihr bisher fremd waren. Doch Helga wächst an ihren Aufgaben. Immer wieder wird sie auf die Probe gestellt - sei es durch eine verschwundene Brosche der Herrin oder durch ihre Gefühle für den attraktiven Chauffeur. Sigrid Boo (*1898, †1954) war eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen Norwegens. Mit einem wunderbar distanzierten Erzählstil, der perfekt zur Zeit des Romans passt, schildert sie die Geschichte einer jungen Frau, die ihrer Epoche ein wenig voraus war. Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen. Eine erfrischend andere Geschichte – deshalb spreche ich gerne eine Leseempfehlung aus. 4/5




