Bewertung:3★
So viel Potential.2019 habe ich Martin Sonneborn und Nico Semsrott noch ins EU-Parlament gewählt, von Nico bin ich immer noch großer Fan, von Martin Sonneborn nicht mehr wirklich. Und das hat sich auch mit diesem Buch wieder bestätigt. Politisch ist das so wahnsinnig interessant, was va. die EU-Kommission fleißig verbockt, wie schlecht die Weltlage teilweise aussieht, ohne dass die breite Öffentlichkeit davon mitbekommt (oder Medien eben lieber davon berichten, dass PARTEI-Mitglieder in den Fernsehgartenpool gehüpft sind, statt über den Angriff auf und die Annektion von Bergkarabach durch den EU-Partner Aserbaidschan). Das ist wieder wirklich gut gemacht gewesen und locker erzählt, in einer Mischung aus persönlichem Erfahrungsbericht und Zeitungsartikeln oder bspw. Internetkommentaren. Und inhaltlich auch einfach wahnsinnig erschreckend. Aber dann kommt eben der Sonneberg'sche "Humor" durch, der wieder einmal beweist, dass Sonneberg auch ein alter weißer Mann ist. Von seinen fettfeindlichen oder aufs Äußerliche negativ reduzierten Beschreibungen oder Benennungen von ihm verachteter Politiker:innen (von der Leyens Betonfrisur, Peter Altmeiers Gewicht, Elmar "Brocken"s Gewicht), bis hin zu rassistischen Witzen und Seitenhieben (L/R-antiasiatische Kommentare, bewusst falsche Aussprachen,...) wegen denen ja letztlich auch Nico die PARTEI verlassen hat, das ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Und das Buch ist gespickt davon, inklusive - im Rahmen der Nico-Ausstiegs-Diskussion getätigten - Angriffen auf die ach so politisch korrekte Generation Z, die sich aber nicht um die Befindlichkeiten von Minderheiten kümmern soll, sondern um wichtige Dinge?! Ich mein wo sind wir hier, im BSW-Parteiprogramm? Dazu passend übrigens auch, dass Sonneborn sich verteidigt hat, weil er das unsägliche Pamphlet von Putinknecht & Schwartzer unterschrieben hat, das hatte ich schon wieder vergessen und das hat mich dran erinnert, dass ich Sonneborn eigentlich eh meiden wollte. Das war wirklich alles wahnsinnig anstrengend, und das Buch hätte so viel Potenzial gehabt - da aber dann vielleicht lieber Nico Semsrotts Buch "Brüssel sehen und sterben" lesen. Das kritisiert aber eher den EU-Apparat an sich statt die Weltlage und wie sich die EU da verhält.
Herr Sonneborn bleibt in Brüsselvon Martin SonnebornE-Books im Verlag Kiepenheuer & Witsch