20. Dez.
Bewertung:5

Sacha Batthyany studierte in Zürich und Madrid und arbeitet mittlerweile als Journalist für den Tages-Anzeiger und die Süddeutsche Zeitung in Washington. Vor einigen Jahren hörte Batthyany, dass seine Großtante, Gräfin Margit Thyssen-Batthyány, während einer Feier auf ihrem Anwesen an dem Mord an 180 Juden beteiligt wesen sein soll. „Die Gastgeberin der Hölle“, betitelt sie eine Zeitung. Er begibt sich auf Spurensuche, spricht mit seiner Familie, reist nach Ungarn, Sibirien, Auschwitz und Buenos Aires. Seine mehrjährige Suche ändert sich in ihrem Verlauf. Sein Großvater war Armeeangehöriger und landete in einem Gulag in Sibirien. Auch darüber recherchiert er viel. Seine Großmutter hatte eine Freundin aus dem Dorf, die in Auschwitz landete. Auch mit ihr spricht er während seiner Recherchen. Letztlich wird aus seiner Suche nach der Wahrheit über seine Großtante eine Beweisaufnahme, welche Einflüsse der Krieg auf seine Familie hatte. Und er stößt auf ein weiteres Familiengeheimnis, das siebzig Jahre lang im Dunkeln lag. Dadurch, dass Batthyany direkt betroffen ist, ist dieses Buch sehr persönlich. Er schreibt nicht nur über die Ereignisse, sondern auch über die Auswirkungen seiner Erkenntnisse auf andere Menschen und vor allem auf ihn selbst. Er lässt den Leser an seinen Gefühlen und Gedanken teilhaben. Ein wichtiges Thema nimmt auch die Frage ein „Und was hat das mit mir zu tun?“; eine Frage, die Batthyany selbst gestellt worden ist, voller Verachtung. Während er sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt, beschäftigt er sich auch immer mit sich selbst. Er besucht einen Psychoanalytiker und schreibt auch über diese Unterhaltungen, in denen es darum geht, was diese Suche mit ihm macht. Obwohl das Buch so persönlich ist, merkt man auch, dass Batthyany fiel recherchiert hat. Er kennt wichtige Daten und Personen der damaligen Zeit, setzt Familienereignisse in ihren politischen Kontext. Er muss unheimlich viel Zeit in Bibliotheken verbracht haben, unzählige Bücher und Zeitungen gewälzt haben. Doch nicht nur der Inhalt des Buches ist spannend. Batthyany kann auch gut schreiben. Er arbeitet viel mit wörtlicher Rede, wodurch vieles Verständlicher wird, aber eben auch Meinungen anderer Personen Ausdruck finden. Er hat auch viele Tagebucheinträge einfließen lassen, die das Geschehene greifbarer machen. Und was hat das mit mir zu tun? hat mich sehr beeindruckt. Ich bewundere Batthyany, dass er sich mit diesem schweren Stück Familiengeschichte auseinander gesetzt hat, und ihm ist ein äußerst empfehlenswertes Buch gelungen. Schau doch auch gern mal auf meinem Blog www.buchstuetze.wordpress.com vorbei!

Und was hat das mit mir zu tun?
Und was hat das mit mir zu tun?von Sacha BatthyanyKiepenheuer & Witsch
29. Apr.
Bewertung:5

Sacha Batthyany lebt in der Schweiz, ist Journalist und es geht ihm gut. Da trifft ihn völlig unerwartet der Artikel einer Zeitung, in der seine verstorbene Tante Margit als Monster beschrieben wird, die 1944 den Tod von 180 Jüd*innen zu verantworten hat. DIE Tante Margit? Soll WAS getan haben? Der Autor begibt sich auf die Suche, nach Ungarn, Deutschland und Argentinien und verändert damit das Leben zweier Familien und deren generationenübergreifende Traumata. Sacha Batthyany hat es geschafft, die traurige Geschichte seiner Familie und der Familie der jüdischen Freundin seiner Großmutter sehr stimmig und spannend zu lesen aufzuschreiben. Das Buch hat mich sehr berührt und es wird mir eine Weile nicht aus dem Kopf gehen. Lesenswert!

Und was hat das mit mir zu tun?
Und was hat das mit mir zu tun?von Sacha BatthyanyKiepenheuer & Witsch
14. Nov.
Bewertung:5

Ein sehr interessant geschriebenes Buch über eine Familiengeschichte. Der Autor bringt verschiedene SIchtweisen ein, denkt sich in die Köpfe der Protagonisten in der Vergangenheit, versucht die Geschehenisse zu rekonstruieren und bleibt dabei trotzdem meist sachlich und schweift nicht allzu sehr ab. An manchen Stellen war es mir ein wenig zu viel des "was wäre wenn...", aber alles in allem war das Buch stets nachvollziehbar und folgte einem roten Faden. Hat mir gut gefallen.

Und was hat das mit mir zu tun?
Und was hat das mit mir zu tun?von Sacha BatthyanyKiepenheuer & Witsch