Eine Reise zu sich selbst
r Freundinnen, die sich zwanzig Jahre nicht gesehen haben und deren Leben sich in komplett unterschiedliche Richtungen entwickelt haben. Das klang für mich erst mal total interessant. Vor allem, weil absehbar war, dass die vier Frauen sich im Laufe des Romans zu ihrem Besten hin entwickeln werden. Franzi, Katja, Linda und Susanne waren einst Freundinnen, die im Internat nichts trennen konnte. Wie das im Alltag nach dem Schulabschluss so ist, haben alle vier den Kontakt zueinander verloren. Doch dann flattert eine Einladung von Franzi bei den drei anderen Frauen ins Haus: Sie lädt zu einer Bergwanderung mit Übernachtung in einem kleinen Holzhaus ein. Nach einigem Überlegen auf allen Seiten entschließen sich alle vier, dass ein gemeinsames Wiedersehen eine tolle Idee ist. Was sie nicht wissen: Jede von ihnen hat ihr Päckchen zu tragen und das, was eigentlich als amüsante Ausflugstour geplant war, wird zum Seelenstriptease. Die Idee des Buches hat mir richtig gut gefallen, denn ich stehe ja bekanntermaßen auf Romane, in denen sich die Figuren mit sich selber auseinandersetzen und am Ende ein besseres Leben haben, weil sie eine Lösung für ihr Dilemma gefunden haben. Der Aufbau der jeweiligen Probleme war total realistisch gestaltet, weil keine der Frauen sich vorstellen konnte, dass die jeweils andere ein Leben hat, in dem sie sich nicht wohlfühlt. Beispielsweise haben alle die lebenslustige Susanne bewundert, die scheinbar voller Leichtigkeit die Großfamilie versorgt, die Gäste ihres Hofes zufriedenstellt und dann auch noch im Dorf gemeinnützigen Arbeiten nachgeht. Wie es in ihrem Inneren aussieht und dass sie eigentlich kurz vor dem Burnout steht, kommt erst nach und nach ans Licht. Da das Buch aus der Perspektive der jeweiligen Frauen geschrieben wurde, wusste ich als Leserin natürlich schon früher, wie es um die jeweilige Frau steht. Einige rätselhafte Ereignisse aus der Vergangenheit der Frauen blieben bis zum Schluss verborgen, um Spannung aufzubauen. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, warum Katja von Ort zu Ort zieht und Franzi ein schlechtes Verhältnis zu ihrer Tochter Elisa hat. Linda wurde meiner Meinung nach etwas überspitzt dargestellt, wobei ich nicht einordnen konnte, ob das Absicht war oder ob die Autorin vielleicht ebenso esoterisch lebt. Nebenfiguren gibt es so gut wie gar nicht, was aber genau richtig war, denn mit den Geschichten der vier Frauen und deren Lebensbeichten den andere Frauen gegenüber war ich völlig ausgelastet. Ein wenig schade fand ich, dass ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass Teile der Geschichte nicht erzählt wurden. Es war als hätte die Autorin eine Handlung im Kopf, hätte aber nur einen Teil davon tatsächlich aufgeschrieben. Das hat mich ab und an ein wenig irritiert, aber insgesamt gesehen, war es nur ein kleiner Kritikpunkt. Wenn du Romane magst, die sich mit verschiedenen Fragen des Lebens auseinandersetzen und Lösungsansätze bieten, bist du mit “Das Geschenk der Adlerin” gut beraten. Das Buch wurde mir von Daniela Alge zur Verfügung gestellt. Ich bedanke mich dafür herzlich. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

