
Eine zähe Angelegenheit
Die Geister von Swanton (so der Untertitel des zweiten Bandes um Ermittlerin Shana Merchant) müssen nochmal eine Fortbildung machen, um zu lernen wie man richtig spukt. Denn....das war nichts. Nicht, dass es sich hier um einen Grusel- oder Horrorroman handelt. Aber nicht mal im übertragenden Sinne konnten die Geister für Begeisterung (Achtung Wortspiel, haha) sorgen. Der Roman kommt nur schwer in Gang und verliert sich in endlosen Beschreibungen völlig unwichtiger Dinge. Nur dass man bis zum Ende eben nicht weiß, dass es unwichtig ist und sich Mühe gibt, am Ball zu bleiben. Ich habe versucht, selbst die langweiligsten Stellen aufmerksam zu lesen, denn es hätte ja sein können, dass etwas Substantielles dabei ist. War aber nicht, so viel sei gesagt. Und obwohl das Buch nur etwas mehr als 300 Seiten hat, kam es mir ewig vor. Wie Dostojewskis Krieg und Frieden oder ein zwölfstündiger Vortrag über Steuerrecht. Immerhin würde ich dort vielleicht ein paar Tipps erhalten, wie ich das Finanzamt ausnehmen kann (beim Vortrag, nicht bei Dostojewski). Eigentlich ist das Setting gar nicht mal so übel: Kurz nach den Ereignissen von Band 1 ("Ein rätselhafter Mord") kehrt Shana in ihren Heimatort zurück. Die Atmosphäre, die Natur, die abgelegenen Inseln - alles nicht schlecht, da hätte man viel mehr draus machen können. In der beschaulichen Kleinstadt wird die Leiche von Shanas seit Jahrzehnten vermissten Onkels gefunden - oder was davon übrig blieb. Zeitgleich verschwindet ein kleiner Junge: Shana und Kollege Tim ermitteln - und stellen fest: Kleinstädte haben ihre Tücken - nicht, dass man das nicht hätte ahnen können. Im ersten Band um Shana hatten wir wenigstens noch einen recht unterhaltsamen "Whodunit"-Thriller. Und hier? Langeweile pur. Die beiden Fälle scheinen zusammenzuhängen - aber wie, das hat mich einfach nicht interessiert. Shana als gebeutelte Ermittlerin (Stichwort: Bram) zog mit ihrer ewigen Jammerei meine Stimmung runter. Ich mag Charaktere, die schwierig sind, die Ecken und Kanten haben und bei mir muss auch nicht immer alles in Regenbogenfarben leuchten, aber Shanas Art und ihre Ermittlungen waren einfach nur anstrengend. Selbst Brams Spielchen konnten mich dieses Mal nicht überzeugen. Das wirkte alles zu gezwungen, zu konstruiert. Das einzig Interessante war Shanas Beziehung zu Kollege Tim. Ob ich mir einen eventuellen dritten Band antue? Ich weiß es noch nicht. Grundsätzlich würde mich die Story um Bram interessieren, aber dazu müsste das Ganze lebhafter gestaltet sein. Wenn man schon mal einen mutmaßlichen Serienkiller in der Familie hat, muss man da doch mehr draus machen. Genauso gut hätte Bram Steuerberater sein können - das ist ebenso langweilig wie Tessa Weigert's zweites Werk. Daher leider nur 2,5 💫💫. Sorry, Tessa. Dennoch schöne Grüße nach Thousand Islands!


