Selbst ein Stern ist noch zu viel
Ich schließe gar nicht aus, dass die Recherchen und Gespräche zu diesem Buch ergreifend waren. Beim Lesen kommt das emotionale Innenleben der Hinterbliebenen überhaupt nicht rüber. Man merkt eher, dass die Autoren emotional sehr involviert haben. Angefangen dabei, dass es sehr intensiv über die Begrifflichtkeit „Schoah“ geschrieben wird, da er von der Bedeutung her besser dir Gräueltaten des 2. WK beschreibt als „Holocaust“. Nach Meinung der Autoren ist der Begriff Holocaust eine Verharmlosung. Dabei wird vollständig außer Acht gelassen, dass die allgemeine Bevölkerung zum Wort Schoah keinerlei emotionalen Bezug hat und mit dem Begriff Holocaust sicher auch Taten assoziiert, die nicht im ursprünglichen Sinn des Wortes steht. Die einzelnen Lebens- bzw. Familiengeschichten werden für meinen Geschmack zu oberflächlich beschrieben, sodass von den tiefen Wunden, die ja vorhanden sind, nicht wirklich etwas zu spüren ist. Zu Beginn geht es den Autoren darum, dass sich zu wenige mit ihrer Familiengeschichte auseinandersetzen. Dann geben einige Leute an, dass sie einfach nicht gern darüber reden, sich aber sehr wohl mit der eigenen Familiengeschichte auseinandergesetzt haben. Offenbar reicht den Autoren eine reine Auseinandersetzung mit der Thematik nicht aus, sondern sie muss öffentlich diskutiert oder zumindest geteilt werden. Die Autoren setzen stellenweise eine staatliche Würdigung der Geschehnisse (zb Erklärung des 8. mai zum Feiertag) mit der Präsenz der Thematik in der Bevölkerung gleich. Das ist meiner Meinung nach ziemlich naiv, da die christlichen Feiertage Bestand haben und die Bevölkerung dennoch nicht weiß, was wir an diesen Tagen wirklich feiern. Abschließend geht es den Autoren dann darum, dass wir gleichzeitig eine kultur des Vergessens haben und doch das Interesse an der Herkunft so groß ist wie nie zuvor. Alles in allem wird keine klare Meinung ersichtlich. Die Thematik „Innenleben der Hinterbliebenen“ die ich mir von dem Buch erhofft habe findet gar keine angemessene Bühne. Für mich absolut überflüssiges Werk zu einem maßlos überteuerten Preis :(


