3. Sept.
Bewertung:2

Der Fairness halber, muss ich zugeben, die gekürzte Hörbuchversion gehört zu haben. Das Buch hat in der gedruckten Variante 128 Seiten. Inklusive des Vorwortes befinden sich 9 Beiträge auf diesen paar Seiten. Da wird schon klar, dass das natürlich nur kurze Blitzlichter auf die einzelnen Themen sein können, die keine all zu große Tiefenanalyse vermuten lassen. Im Endeffekt wird Inhaltlich der gesamte Stoff aus [b:Zynische Theorien : Wie aktivistische Wissenschaft Race, Gender und Identität über alles stellt - und warum das niemandem nützt|58383940|Zynische Theorien Wie aktivistische Wissenschaft Race, Gender und Identität über alles stellt - und warum das niemandem nützt|Helen Pluckrose|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1624225398l/58383940._SY75_.jpg|73371092] sehr komprimiert und recht chaotisch reingepfropft. Neue bzw. erweiterte Aspekte habe ich aus folgenden Punkten entnehmen können: Ralf Hanselle mit seinem Exkurs zu Foucault , ein paar weiterführende Gedanken aus der Psychologie zur Transthematik, was bedacht werden muss, wenn sich jeder per Sprechakt einem anderen Geschlecht zuordnen kann, Woke-washing. Argumentativ bewegt sich das alles auf sehr dünnem Eis. Anekdotisch: ich hab da mit wem gesprochen, der glaub, das und das. Ich hab 2 Töchter, daher bin ich natürlich gegen das einfache Wechseln des Geschlechts. Hier wird jeder Penis unter Generalverdacht gestellt. Dass es Schutzräume geben muss, ist gar keine Frage. Aber das lässt sich alles regeln. Ist für mich jedenfalls kein Argument, um die Idee hinter dem Gesetz komplett zu verwerfen. Gefängnisse als Beispiel heranzuziehen ist billig. Ach, wer hätte gedacht, dass Menschen die im Knast landen, nicht immer lautere Absichten haben. Die Beiträge variieren stark in ihrer Polemik. Den Beitrag von Stefan Laurin, zu Identität ohne Klasse, fand ich am besten. Der hat viele Anknüpfungspunkte mit [b:Das Ende der Illusionen: Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne|48717533|Das Ende der Illusionen Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne|Andreas Reckwitz|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1573022552l/48717533._SY75_.jpg|74074625]. Gruselig wirds bei Ralf Hanselle, der dann ganz polemisch meint: einfacher Genderstern statt Löhne ausgleichen oder Bernd Stegemann, der leider sehr verkürzt die Dynamik des aktuellen Kapitalismus darstellt, in die Falle tappt, den Neoliberalismus als einziges Problem zu kennzeichnen und vergisst, dass Woke eigentlich ehr aus dem Linksliberalismus kommt, der dem Neoliberalismus genau gegenübersteht. Auch er drischt in die Kerbe: "Amazon Genderstern, statt bessere Löhne", "Modewelten der Moral", "statt Schulbildung Toilette fürs 3. Geschlecht".... und so tut als, sei das alles ne große Verschwörung und die Intention unterstellt, man würde glauben, man könne die Menschen damit ruhigstellen, bzw. ein gewisses Klientel würde sich dadurch blenden lassen. Das was gerade passiert, ist die Hyperdynamisierung eines politischen Paradigmas, das gerade im Sterben liegt und deutlich komplexer, als dieses einfache wischi waschi was hier hier im Buch veranstaltet wird. Auch die Klimaaktivisten dürfen sich freuen, wieder mal mit in den Topf der fehlgeleiteten Ideologen geworfen zu werden. Ich habe zufällig die Diskussion um den Krankenwagen auf Twitter verfolgt und kann sagen, dass das Framing hier im Beitrag unter aller Kanone ist. Die Situation hat sich so nicht zugetragen wie behauptet. Gendern sägt an unserer Kultur? Gegenderte Literatur manipuliert das Vorstellungsvermögen? Gibts da bereits verifizierte Erkenntnisse zu oder ist das auch wieder so ein Ding wie der Autor behauptet: Ich stelle mir da was weniger Differentes vor, wenn gegendert wird, deshalb ist das bestimmt bei anderen auch so. Der Text um kulturelle Aneignung war nichtssagend. Da wurde nur drum rum getanzt. Ist das der Qualitätsjournalismus den wir erwarten können? Jede Gesellschaft bekommt den Journalismus den sie verdient oder wie? Ich habe zu [b:Zynische Theorien : Wie aktivistische Wissenschaft Race, Gender und Identität über alles stellt - und warum das niemandem nützt|58383940|Zynische Theorien Wie aktivistische Wissenschaft Race, Gender und Identität über alles stellt - und warum das niemandem nützt|Helen Pluckrose|https://i.gr-assets.com/images/S/compressed.photo.goodreads.com/books/1624225398l/58383940._SY75_.jpg|73371092] bereits gesagt, dass das alles im Aufbau und der Argumentation nicht ganz geglückt ist. Trotzdem nehme ich mit, dass ein geschärfter Blick auf die Identitäspolitik angebracht ist. Allerdings empfinde ich es als zunehmend nervig, dass man sich natürlich überall die Extrembeispiele rauspickt und daraus die große Schlacht rechts gegen links veranstaltet. Da ist dieses Buch keine Ausnahme. Bin dem ganzen Spektakel überdrüssig.

Die Wokeness-Illusion
Die Wokeness-Illusionvon Verlag Herder