
was bin ich hier lesend?
Halten wir fest: Du bist also selbst schuld, wenn du zwar keine Angst vor dem Altern hast, den Tod aber nicht als Erlösung betrachtest und dir selbst nur einmal Unsterblichkeit gewünscht hast. Gleichzeitig werden alte Menschen, die mit der Digitalisierung nicht Schritt halten können, es nicht lernen wollen (!) und ihren Führerschein abgeben müssen, weil sie eine Gefahr darstellen, von der Gesellschaft vorschnell bemuttert und als dämlich abgestempelt. Ich bin sprachlos. Die Angst vor dem Altern sowie vor dem Tod selbst ist normal. Niemand möchte mit seiner eigenen Endlichkeit konfrontiert werden. Und wenn man mit über 80 damit seinen Frieden gefunden hat oder die eigene Endlichkeit sogar herbeisehnt, ist das natürlich vollkommen in Ordnung, dennoch gibt es Menschen die sich anders fühlen und das sollte man akzeptieren. Aber seien wir ehrlich: Wenn du mit einem Online-Ticketkauf überfordert bist, gleichzeitig aber einen Instagram-Account besitzt und nutzt, dann bist du vielleicht eher ein verbitterter Mensch, der nicht mithalten will statt nicht mithalten kann. Ich weiß nicht, wieso das Ganze so hart abdriften musste. Mit der ersten Hälfte komme ich noch einigermaßen zurecht. Auch wenn ich die Kernaussage „Sterben ist gut, man sollte sich zwar nicht darauf freuen, aber am Ende des Tages ist es das Ziel des Lebens“ nicht wirklich teile, kann ich sie zumindest nachvollziehen. (Meiner Meinung nach ist das Ziel des Lebens einfach zu leben und der Tod ein tragisches ja sogar trauriges Ende, aber akzeptieren müssen wir es dennoch, akzeptieren und es wollen sind dennoch zwei verschiedene Angelegenheiten) Die zweite Hälfte hingegen ist genau das Produkt dessen, was zu Beginn kritisiert wird: verbitterte Selbstzweifel und Angst. Und daran müssen dann plötzlich Digitalisierung und Gesellschaft schuld sein. Denn mein Gott, lasst die Alten doch Auto fahren und potenziell andere Menschen gefährden. Ach so, und Depressionen seien einfach nur melancholische Gefühle und keine Krankheit? Um es mit den Worten von Elke Heidenreich auszudrücken: Geht’s noch? Dieses Buch ist ein Reinfall, nicht mehr und nicht weniger.




















































