Eine App, die die Zukunft vorhersagen kann? Und was macht man, wenn einem diese Zukunft nicht gefällt? Kann man sie noch ändern oder ist sie in Stein gemeißelt? Eine spannende Geschichte mit Jonas und Sun und der Technologie, die uns tagtäglich umgibt. Und von Datenschutz ganz weit entfernt.
35. Buch im Jahr 2023 Brandon und ich haben dieses Buch wieder mal zusammen gelesen und haben beide etwas ganz Anderes erwartet, als wir letztendlich bekommen haben. Dementsprechend waren wir auch beide ziemlich enttäuscht und konnten uns auch nicht so richtig auf die Geschichte einlassen. Erwartet hatten wir mehr Science-Fiction bzw. Dystopie. Bekommen haben wir aber viel mehr eine Coming of Age Geschichte, was im Grunde ja erstmal okay ist, hier aber meiner Meinung nach nicht so gut umgesetzt wurde. Ich fand die Protagonisten nicht gerade sympathisch und teilweise auch wirklich anstrengend. Dann sind im Buch auch noch Wörter gefallen, die heutzutage einfach nicht mehr vorkommen sollten (zumindest eins). Die Geschichte hat sich auch öfter gezogen, obwohl das Buch mit 301 Seiten sowieso relativ dünn ist. Das Ende war dann wirklich total komisch und kam uns beiden auch wirklich unnötig vor. Der Schreibstil war dafür ganz gut und manche Erlebnisse im Buch waren auch interessant und gut dargestellt. Insgesamt reicht es bei mir aber leider nur für 2,5⭐
Eine App die den Lebensweg vorhersagt. Interessante Idee, die leider zu kurz kommt.
Tobias hat die MASCHINE entdeckt. Eine App, die unser ganzes digitales Leben filtert und daraus Prognosen angibt. Tobias ist schockiert. Laut dieser App wird sein Leben, wie das seines Vaters verlaufen. Der Vater, der seine Familie früh verlassen und eine neue Familie gegründet hat. Dieses Leben will Tobias nicht und er denkt, die App austricksen zu können, in dem er unberechenbar handelt. Auf seinem Roadtrip begegnet er Sun. Sie ist nur wenige Jahre älter und wirkt am Anfang unnahbar. Und doch ist sie es, die meine Sympathien bekommt. Nicht der Protagonist, der mir manchmal zu unlogisch und zu albern erscheint. Der Roadtrip wird zu einem Selbstfindungstrip uud dem Beginn einer Freundschaft. Die MASCHINE spielt nur noch eine Nebenrolle. Kein schlechter Jugendroman. Da ich aber mehr Dystopie erwartet habe, für mich ein wenig enttäuschend.
“Play” von Tobias Elsässer handelt von Jonas, einem frisch gebackenen Abiturienten, der sein Leben selbst in die Hand nehmen will, anstatt sich mit der Zukunftsprognose einer App abzufinden. Wir erleben mit, wie Jonas durch einen Road-Trip nicht nur seinen eigenen Weg, sondern auch den Weg zu sich selbst findet. [TW: Transphobie, Suizid, Drogenmissbrauch, Panikattacke, Tier wird getötet] Nachdem “Die Maschine” Jonas seine Prognose mitgeteilt hat, setzt er alles daran, für diese unberechenbar zu sein, um nicht so zu enden wie sein Vater. Nachdem er eine Affäre mit seiner Lehrerin Anne angefangen hat, packt er seinen Rucksack und trampt Richtung Norden. Dabei trifft er auf Maja, Kim und Sun, die ihn als Transvestit in eine VIP-Party einschleusen. Nach der drogenreichen Party begibt er sich mit Sun auf ein Abenteuer, ohne zu wissen, dass Sun ihren eigenen Plan verfolgt. Anfangs dachte ich, dass die App einen höheren Stellenwert in der Geschichte hat, aber die handelt eher von Jonas Selbstfindung. Ich hätte gerne mehr Hintergrundinfos zu der Maschine gewünscht, da ich das Konzept sehr spannend finde und mir vorstellen kann, dass so etwas tatsächlich entwickelt werden könnte und auch viele das benutzen würden. Allerdings weiß man anfangs nur, dass “Die Maschine” die Bekanntschaften mit einem Ampelsystem bewertet, wobei unklar ist, wofür die Farben stehen. Jonas hat für sich beschlossen, dass er Rot folgt. Obwohl Jonas der Protagonist ist, fand ich ihn nie sympathisch. Auf mich wirkt er oberflächlich, irrational, trotzig und überheblich, was als Charakter nicht schlimm wäre, wäre er nicht der Protagonist. Wahrscheinlich soll er damit wie ein durchschnittlicher Jugendlicher wirken, aber mögen tue ich ihn trotzdem nicht. Sun hingegen mochte ich lieber, da sie rationaler und erwachsener dargestellt wird als er. Einiges, was sie sagt, regt auch zum Nachdenken an, was mir gefallen hat. Ich mochte die längeren Szenen im Wald, weil sie für mich in einem schönen Gegensatz zu der wilden Party am Anfang des Buches stehen. Man lernt auch Jonas und Sun etwas besser kennen. Mich hat es aber immer wieder gewundert, dass Jonas sich zwar nicht von der App beeinflussen lassen will, sich aber auch nicht bewusst ist, dass er nicht aus freiem Willen handelt, sondern sich von der Maschine beeinflussen lässt. Schließlich macht er seine Entscheidungen von der Bewertung der Maschine abhängig. Am Ende löst sich zwar einiges auf, dennoch blieb ich verwirrt zurück, weil es für mich zu chaotisch war und die Ereignisse sich regelrecht überschlagen. Was mich allerdings am meisten stört, ist die Verwendung des Wortes “Transe”. Jonas wird als “Transe 1” zu der Party angemeldet und ich bin der Meinung, dass man das hätte ruhig weglassen können oder durch “Drag King” (wie bereits einmal verwendet) oder “Transvestit” ersetzen können. Was mir ebenfalls aufgefallen ist: Anne und Sun haben beide blasse Haut und die einzigen PoC, die auftauchen, sind einmal der “indisch aussehende Mann” vor der Toilette und die “asiatisch aussehende” Drogen-Dealerin… Zum einen, wieso spezifisch “indisch aussehender Mann”? Zum anderen, wieso ausgerechnet diese beiden Charaktere als PoC? Der Kommentar des Autors zu meiner Kritik bzg.l dem Begriff “Transe” (und andere m.E. problematischen Sätzen): “Als Autor folge ich der Stimme und den biografischen Erfahrungen der Figuren. Es geht nicht darum, gesellschaftlich akzeptierte und tolerierte Handlungsoptionen auszuloten und sich für die dem Alter der Leserschaft gefälligste zu entscheiden, sondern in den Figuren zu bleiben und Sprache oder Jargon und Handlung und Gedanken danach auszurichten, das sie zum Milieu der Erzählung passen. Die Annahme, dass ein Jugendbuch einen Bildungsauftrag hat oder der Ich-Erzähler (aber auch die Lehrerin) übermäßig politisch korrekt handeln und denken müssen, weil die Rezipienten Jugendliche sind, bzw. sein könnten, ist falsch. Die Freiheit des Erzählens besteht darin, einen homogenen Mikrokosmos abzubilden, in dem die Geschichte sich abspielt. Jugendliteratur als widerspruchsbefreites Genre zu sehen, das selbst in Dialogen immer politisch korrekt daherkommt, würde einem zeitgemäßen Text jegliche Form der Glaubwürdigkeit nehmen. Menschen sind fehlbar. Gedanken nicht steuerbar. Menschen handeln und denken nicht rational. Deshalb dürfen die Lastwagenfahrer auch ausgehungert sein und Jonas darf sich Gedanken über Schamhaare machen. Weil Literatur nicht die Aufgabe hat, eine cleane Welt zu zeichnen, die es so nicht gibt und nie geben wird.” Dem stimme ich nicht zu, weil es ist schlichtweg nicht in Ordnung ist. Denn durch die Verwendung von solchen Wörtern in der Literatur werden diese normalisiert.



